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Fernsehwoche, 17. bis 23. Dezember : Wenn die Alraunenwurzeln schreien

  • Aktualisiert am

Mittwoch, 21. Dezember

SWR, Historiendrama, 20.15 Uhr: Luther

Der kanadische Regisseur Eric Till weiß um die Schwierigkeiten, die Gewissensnöte des Dr. Martin Luther ins Filmbild zu setzen. Ein von Folianten umgebener Gelehrter, der im Studierzimmer über biblischen Texten brüte, tauge nicht zum Filmhelden. So folgen Tills Drehbuchautoren Camille Thomasson und Bart Gavigan dem Psycho-Luther, den Erik H. Erikson in seiner Studie „Young Man Luther“ 1958 gezeichnet hat. Ihr Luther ist ein hochsensibler Jüngling, der unter einem autoritär fordernden Vater leidet. Joseph Fiennes, bekannt aus „Shakespeare in Love“, spielt Martin Luther. Dieser young man Luther hat einige glänzende Szenen. Aber nie kann er die Tatsache vergessen machen, daß ihm Höllenqualen und Ichverlustängste eines spätmittelalterlichen Mönches fremd sind. Luthers geistlicher Vater Johann von Staupitz wird eindrucksvoll von Bruno Ganz gespielt. Als Friedrich der Weise zeigt Peter Ustinov durch grandioses Mienenspiel und feine, unscheinbar wirkende Handbewegungen, daß Lebensweisheit viel Skepsis und ironische Selbstdistanz fordert. Nur in Ustinovs brillant gespielter Zerrissenheit wird etwas von jenem protestantischen Menschen sichtbar, der alle innerweltlichen Sicherungen preisgegeben hat: himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, und das im selben Moment.

Donnerstag, 22. Dezember

3sat, Psychothriller, 22.25 Uhr: Nächtliche Irrfahrt

Cédric Kahns Simenon-Verfilmung hat von den ersten Einstellungen an ein Flair des Unwirklichen: die Blicke aus der Vogelperspektive auf die Bürostadtwelt von La Défense, die wie ein Arrangement überdimensionaler geometrischer Formen aussieht, die Bilder der Nacht, in denen die Farben so wunderbar wie auf einem Aquarell ineinanderfließen, das unwirkliche Weiß des Krankenhauses, vor dem das blaue Hemd des Mannes geradezu explodiert wie die Verzweiflung, mit der er seine Frau sucht, die nicht am Bestimmungsort des Zuges angekommen ist. Beiden ist etwas Schreckliches geschehen, und wie ein Taschenspielertrick des Schicksals wirkt es, daß diese beiden Schreckenserlebnisse zusammenhängen. Cédric Kahn treibt sein Szenario ins Extrem, doch aus dem, was er da angerichtet hat, kommt er nicht halb so elegant wieder raus, wie er hineingekommen ist - es sei denn, man nähme all das, was dem Paar zustößt, als einen Traum.

Freitag, 23. Dezember

ZDF, Fantasy, 20.15 Uhr: Harry Potter und die Kammer des Schreckens

Nachdem die Nervosität des ersten Mals vom Regisseur Chris Columbus abgefallen ist, scheint der Regisseur in der „Kammer des Schreckens“ mehr bei der Sache zu sein, sich manchmal geradezu lustvoll seiner filmischen Möglichkeiten zu bedienen. Es werden genügend Phobien mobilisiert, die nicht nur kleine Kinder das Fürchten lehren können. Wer sich vor Nacktschnecken ekelt, wird besondere Freude an den Szenen haben, in denen Harrys verzauberter Freund Ron ein schleimiges Exemplar nach dem anderen erbricht. Und wer unter Arachnophobie leidet, wird in jenen Sequenzen seinen Meister finden, in denen die drei Kinder von Abertausenden riesiger Spinnen bedrängt und dann gejagt werden. Immerhin ist der Spuk diesmal ansehnlich animiert worden: der sich selbst geißelnde Elf, das Quidditch-Spiel auf den fliegenden Besen oder das Umtopfen der Alraunenwurzeln, die sich als erstaunlich lebendige Schreihälse erweisen. Dazu gesellen sich jenseits der Tricks wie gehabt Maggie Smith, Alan Rickman, Robbie Coltrane, John Cleese, Fiona Shaw, Julie Walters, Richard Harris sowie Kenneth Branagh als eitler Zauberer. Da kann natürlich nicht viel schiefgehen.

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