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Fernsehwoche, 10. bis 16. September : Träumen von der Kindheit

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Axel (Richy Müller) und Karla (Laura Tonke) lernen sich kennen, zwei einzelne, die kein Paar werden und sich doch berühren, erst flüchtig, dann intensiv. „Farland“ ist ein Film von Michael Klier, und wenn es einen Ort gibt, an dem Klier sich nie wohl gefühlt hat, dann ist es das Zentrum des Bilderbetriebs, der Mainstream. Klier bevorzugt Randlage, nicht nur aus ästhetischer, auch aus persönlicher Notwendigkeit. Laura Tonke spielt Karla mit einer vibrierenden Abgeklärtheit, die sie seit „Ostkreuz“ in vielen Rollen erprobt hat, nur daß bei Klier diese Haltung noch reiner und ungezwungener wirkt als sonst. Wenn man „Farland“ sieht, diesen Winterfilm in matten Braun- und Grautönen, muß man an die besseren Episoden aus Kieslowskis „Dekalog“-Zyklus denken, diejenigen, in denen die Moral eine Frage der Kameraeinstellung war. „Farland“ zieht einen Ausschnitt der deutschen Wirklichkeit scharf und läßt uns zugleich von der eigenen Kindheit träumen, der fernen, abgelegten.

BR, Dokumentarfilm, 23.15 Uhr: Sein und Haben

Dieser Film hängt sich weder an ein sentimentales Bedürfnis noch an einen aktuellen Konflikt an, auch wenn sein Gegenstand, der Alltag einer Zwergschule im französischen Zentralmassiv, durch die Diskussion um die Ergebnisse der Pisa-Studie an Brisanz gewonnen hat. Aber schon die ersten Bilder, die man bei Nicolas Philibert sieht - Kühe auf einer Weide, einen Minibus, der durch eine verregnete Landschaft fährt -, weisen jeden Wunsch nach polemischer Zuspitzung zurück. Philibert geht es ersichtlich nicht um die zeitliche Signatur seines Sujets, sondern um etwas Ewiges: die ewige mühe- und liebevolle Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden, gespiegelt in einer bäuerlichen Umgebung am Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Und es geht ihm um eine Form der Wahrheit, die es im Kino sonst nicht gibt.

Er sucht nach dem Ausdruck im Gesicht des Kindes, das sich ängstlich umschaut, bevor es nach seiner Mutter ruft, und nach den Spuren der Gartenarbeit an den Händen des Lehrers. Im frühen Tonfilm mit seinen langsameren Bildrhythmen waren solche Momente selbstverständlich aufgehoben. Aus den beschleunigten Kinofiktionen unserer Gegenwart sind sie fast völlig verschwunden. Wir müssen sie dort suchen, wohin der Arm der professionellen Geschichtenverkäufer nicht reicht: im Kino der Armut, der Kindheit und der Abgeschiedenheit. Nur von diesen Rändern her erreicht uns noch das wahrhaftige Abbild unserer Welt.

Mittwoch, 14. September

ARD, Doku-Reihe, 21.45 Uhr: Legenden. Hildegard Knef

Wenn Hildegard Knef, die sich in Amerika Hilde Neff nannte, wenn also Hilde Neff ein wenig mehr Glück gehabt hätte oder Protektion, dann wäre aus ihr womöglich ein ganz großer Star in Hollywood geworden - immerhin sah sie, als sie dort ein paar Filme drehte, in den frühen Fünfzigern, so aus, als wäre sie Ginger Rogers' wesentlich jüngere, wesentlich hübschere Schwester, und an jener Präsenz, die in Hollywood noch wichtiger als Schönheit ist, mangelte es ihr auch nicht, wie ihr Broadway-Erfolg in dem Cole-Porter-Musical „Silk Stockings“ bewies. Aber bei Hildegard Knef sind Leben und Karriere einander immer wieder in die Quere gekommen. Mit dem Knef-Porträt beschließt die ARD ihre „Legenden“-Reihe.

Donnerstag, 15. September

ARD, Porträt, 21.45 Uhr: Der Kanzler

Zumindest noch drei Tage lang darf Gerhard Schröder noch diesen Titel tragen, und ihm widmet die ARD auch dieses Porträt von Oliver Merz und Thomas Michel.

Freitag, 16. September

Arte, Themenabend, 22.05 Uhr: Vom Reiz der Wäsche

Eine „Entdeckungsreise in die Welt der Dessous, die auch die Geschichte gesellschaftlicher Veränderungen widerspiegelt“, verspricht uns der Kulturkanal, der uns das reizvolle Thema gewiß auf ganz eigene Art näherbringen wird. Aus drei Dokumentationen besteht der Themenabend. Den Auftakt macht die „Kleine Geschichte der Dessous“, gefolgt von „Die Roben des Christian Lacroix“. Den Schlußpunkt setzen die „Garconnes - Die Frauen der wilden Zwanziger“.

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