https://www.faz.net/-gqz-pjyj

Fernsehwoche, 1. bis 7. Januar : Machtspiele mit dem Kanzler

  • Aktualisiert am

Seherische Fähigkeiten: Christina Ricci in „The Gathering” (ZDF) Bild: ZDF / Liam Daniel

Das Fernsehen führt uns in verschiedenste deutsche Milieus: Wir besuchen den Bundeskanzler und frühere Hausbesetzer. Außerdem in der Fernsehwoche: Christina Ricci im Mystery-Thriller „The Gathering“.

          3 Min.

          Das Fernsehen führt uns in verschiedenste deutsche Milieus: Wir besuchen den Bundeskanzler und frühere Hausbesetzer. Außerdem in der Fernsehwoche: Christina Ricci im Mystery-Thriller „The Gathering“.

          Samstag, 1. Januar

          ARD, Kinderfilm, 18.10 Uhr: Das Sams

          Ulrich Noethen und ChrisTine Urspruch als „Sams”

          Auch wer das Sams aus den Büchern von Paul Maar nicht kennt, wird keinerlei Verständnisschwierigkeiten haben. Das gesamte erste Drittel des Films dient der Einführung seiner Person und der Beschreibung der Freuden und Sorgen, die seine Anwesenheit mit sich bringt. Auch seinen ängstlichen Wahlpapa Taschenbier lernen wir ausführlich genug kennen, um zu verstehen, daß er und das draufgängerische Sams sich prächtig ergänzen. Dies alles wird opulent garniert mit Actionszenen, Klamauk und Slapsticknummern.

          Trotz des etwas atemlosen Überangebots an Einfällen ist es ein Genuß, den Film vom Sams zu sehen. Das liegt vor allem an seiner handwerklichen Solidität in allen Bereichen, von der Ausstattung bis zur Musik. Die Besetzung mit Eva Mattes, August Zirner und Ulrich Noethen ist hervorragend; wirklich begeisternd ist Christine Urspruch in der schwierigen Rolle des kindlich kleinen, rothaarigen Sams mit seiner Rüsselnase.

          Sonntag, 2. Januar

          ARD, Dokumentation, 23.30 Uhr: Was geschieht bei Toll Collect?

          Nachdem die Antwort auf diese Frage über viele Monate „nichts“ lautete, stellt sie sich nunmehr neu: Vom morgigen Montag an müssen, sofern alles endlich glatt läuft, Lkws auf deutschen Autobahnen zum ersten Mal Gebühren zahlen. Um sich darauf vorzubereiten, können die Fahrer heute abend diesen Film schauen.

          Montag, 3. Januar

          ZDF, Mystery-Thriller, 22.15 Uhr: The Gathering - Blicke des Bösen

          In der britischen Kleinstadt Glastenbury braut sich etwas zusammen: Erst verschlingt die Erde ein Liebespaar, dann gibt sie das Gewölbe einer Kirche aus dem ersten christlichen Jahrhundert frei. Die auf dem Kreuzigungsrelief abgebildeten Menschen sieht Cassie, eine Amerikanerin, durch die Straßen von Glastenbury spazieren. Halluziniert sie, oder versammeln sich hier Lemuren, um die nächste Katastrophe zu begaffen?

          Theologie, Geschichte und Grusel-Effekte geben sich in dem Thriller von Brian Gilbert aus dem Jahr 2002 ein Stelldichein. Blutlachen und -spritzer, die Cassie immer wieder ahnungsvoll sieht, die düstere Landschaft und die verwitterten Häuser lassen Schlimmstes vermuten. Geschickt verkoppelt der Regisseur die restauratorischen Ermittlungen mit der Clairvoyance seiner Heldin (Christina Ricci). Seine Dämonen der Schaulust gebären Ungeheuer und treiben die Spannung ins Unerträgliche.

          Dienstag, 4. Januar

          3sat, Komödie, 20.15 Uhr: Dinner for Two

          Zwei Freundinnen (Gisela Schneeberger und Marianne Mendt) gründen eine Catering-Firma. Von der Autorin Ulli Schwarzenberger behende und situationsfroh erdacht, von ihrem Ehemann Xaver, der wie so oft als Regisseur und Kameramann zugleich fungiert, in geschmeidige Bilder übertragen, richtet die melancholische Komödie ihre Spott-Lichter auf die kleinen Schwächen und die großen Illusionen des Menschen, und weil die Sache in Wien spielt, geht es mitunter fein giftig zu.

          Zwar handelt das Spiel seine Verwicklungen recht schematisch ab, wenn jeder Auftritt der beiden Dinner-Damen am fremden Herd einen anderen Verlauf als vorgesehen nimmt und wenn erst Steffi ihre Freundin, ohne daß diese es merken darf, und dann Sophie in ahnungsloser Revanche ihre Geschäftspartnerin vor einer bösen Überraschung bewahren muß. Aber was im Ansatz als recht konstruiert erscheint, gewinnt durch die Schauspieler dann doch herrlich Leben.

          Mittwoch, 5. Januar

          ARD, Politdrama, 20.15 Uhr: Spiele der Macht - 11011 Berlin

          Ähnlichkeiten mit der Realität wären wohl rein zufällig: Der deutsche Bundeskanzler zweifelt an seinem Amt und erwärmt sich für seine Beraterin. Welche Interessen verfolgen der Kanzleramtschef und der Pressereferent Kronsberg? Manfred Zapatka spielt den Kanzler, Martina Gedeck die Medienberaterin, Regie führt Markus Imboden, in weiteren Rollen treten Axel Milberg und Joachim Bißmeier auf.

          Donnerstag, 6. Januar

          Pro Sieben, Komödie, 20.15 Uhr: Was tun, wenn's brennt?

          Sechs Freunde drehen gemeinsam einen Film, in dem die Herstellung einer Brandbombe beschrieben wird. Der Film sieht eigentlich aus wie ein Videoclip, aber „Was tun, wenn's brennt?“ ist der Lebenswirklichkeit seiner Protagonisten immer so weit voraus, wie er auch mit allen Mitteln aus den Niederungen der deutschen Filmkomödie abheben will. Der Lehrfilm kommt bald zum Gerümpel der Hausbesetzer. Der Sprengsatz aber wird in eine Villa im Berliner Nobelbezirk Grunewald geschafft und dort vergessen - bis er in der Berliner Republik von heute zündet.

          Das Drehbuch besteht eigentlich aus zwei Geschichten: Die sentimentale Handlung vermittelt zwischen den achtziger Jahren, als die Hausbesetzer noch einträchtig gegen den Bullenstaat mit Torten warfen, und der Gegenwart, in der nur Tim (Til Schweiger) und Hotte (Martin Feifel) noch nicht angekommen sind. Gregor Schnitzlers Film aus dem Jahr 2002 verhält sich zu „Ideal“ wie „Pur“ und zu Punk wie Stadionrock. Das große Publikum müßte ihm damit sicher sein, im Spiel der Distinktionen aber sieht er so hoffnunglos alt aus wie Til Schweiger in der Rolle eines Hausbesetzers. Der Film ist hochprofessionell. Aber er brennt nicht.

          Freitag, 7. Januar

          RTL, Comedy, 22.10 Uhr: Frei Schnauze

          Und wieder einmal bekommen wir einen Einblick in die Gehirne deutscher Fernsehmacher. „Whose Line Is It Anyway?“ ist eine Comedy-Show, die 1988 den Sprung vom Radio ins britische Fernsehen schaffte und dort zehn Jahre lang erfolgreich lief. Stand-up-Komiker improvisieren darin auf Zuruf und in Spielrunden kleine Szenen und Einzeiler. 16 Jahre später traut sich RTL, das Format zu adaptieren, und zeigt es unter dem Titel „Frei Schnauze“. Zufällig, nachdem Sat.1 mit seiner „Schillerstraße“ große Erfolge feierte, in der Komiker Szenen improvisieren, überkam RTL der Mut. Und es moderiert Mike Krüger.

          Weitere Themen

          „Born in Evin“ Video-Seite öffnen

          Filmkritik : „Born in Evin“

          Maryam Zaree kam im Teheraner Foltergefängnis Evin zur Welt. Über die Zeit dort sprachen ihre Eltern nie. Die Schauspielerin fragt danach, nicht nur um ihrer selbst willen. Ursula Scheer über den bewegenden Film „Born in Evin“.

          Rausch macht doch nur einsam

          Henzes „Bassariden“ in Berlin : Rausch macht doch nur einsam

          Barrie Kosky inszeniert Hans Werner Henzes „Bassariden“ an Berlins Komischer Oper als Überwältigungsstück über Massenverführung. Dabei entscheidet er sich auch für ein Satyrspiel-Intermezzo, das Henze ursprünglich gestrichen hatte.

          Topmeldungen

          Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am 9. Oktober im Parlament in Ankara.

          Offensive in Nordsyrien : Erdogan verspottet Trump

          Der türkische Präsident verspottet nicht nur den deutschen Außenminister Heiko Maas, sondern auch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump für seine Tweets. Ein Treffen mit dessen Vize Pence und Außenminister Pompeo lehnt er ab.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.