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Fernsehrechte : Champus!

Millionengeschäft: Wer überträgt die Ligaspiele? Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

An diesem Mittwoch wird bekannt gegeben, wer die Bundesligarechte erhält. Egal, ob ARD, Premiere oder Kabel Deutschland das Rennen macht: Die Liga kann sich freuen, denn der Gesamtpreis wird mehr als 400 Millionen Euro betragen.

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          Wenn die Deutsche-Fußball-Liga an diesem Mittwoch in Frankfurt in ihrer Vollversammlung beschließt, wer von der Saison 2006/2007 an für drei Jahre den Bundesliga-Fußball im Fernsehen zeigen darf, sollte der Sekt - nein, der Champagner - kalt gestellt sein. Denn welche der beiden großen Varianten der Vorstand der DFL am Vorabend bevorzugt haben wird - die Liga gewinnt: Sie gewinnt mindestens 130 Millionen Euro pro Saison hinzu, aus rund 300 Millionen Euro Fernseheinnahmen bislang werden 420 bis 430 Millionen Euro, mindestens.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Liga hat meisterhaft gespielt, sie hat die Wettbewerber am Nasenring durch die Manege geführt, man konnte förmlich spüren, wie die Nervosität von Tag zu Tag stieg, bis gestern. Denn am Fußball hängt, zum Fußball drängt im Fernsehen doch alles - ARD und ZDF, RTL, Sat.1, Premiere, Kabel Deutschland und „Unity Media“ und schließlich sogar die Telekom. „Ich gehe davon aus, daß wir 400 Millionen Euro plus X erreichen“, sagte Ligaverbands-Vizepräsident Wolfgang Holzhäuser kurz vor der entscheidenden Sitzung. Glückliche Zeiten für Vereine und Liga-Verband.

          Bis zu 300 Millionen am Ende des Tages

          Das wahrscheinlichste Szenario, das sich kurz vor Toresschluß ergab, lautet wie folgt: Die ARD behält die Erstsenderechte im Free-TV, sendet von 18.10 Uhr bis zwanzig Uhr und bezahlt dafür 95 bis hundert Millionen Euro pro Saison.

          Teure Marke: die Fußball-Bundesliga
          Teure Marke: die Fußball-Bundesliga : Bild: AP

          Premiere wiederum hat sich durch die Konkurrenz zu Kabel Deutschland und Unity dem Vernehmen nach mit seinem Gebot in ungeahnte Höhen treiben lassen. Am Ende des Tages waren die Verhandler bei 280 bis 300 Millionen Euro pro Saison angelangt. Dafür bekäme Premiere ein exklusives Spiel am Freitag, das Samstags-Match-of-the-Day (vielleicht) und die beiden Live-Spiele am Sonntag.

          Telekom hielt Rennen spannend

          Voraussetzung dafür sei, daß Premiere „die Kröte ARD“ schlucke, hieß es in Verhandlungskreisen. Falls nicht, käme Kabel Deutschland zum Zug, das 220 Millionen Euro allein fürs Bezahlfernsehen geboten hat. Kabel Deutschland und die ARD paßten prima zusammen. Anders als der große Bezahlsender Premiere mit seinen 3,4 Millionen Abonnenten hat die KDG keine Vorbehalte gegen die „Sportschau“ der ARD.

          Zwischen diesen beiden Lagern entschied sich das Rennen, das der dritte Bieter, die Telekom, bis zum Schluß noch spannender hielt. Doch könnte es sein, daß bei ihr - für geschätzte 30 bis 50 Millionen Euro - allein die Internetrechte blieben. Außen vor ist das ZDF, das sich nicht um die Erstsenderechte im Free-TV an den beiden Sonntagsspielen bemüht hat. Der Sender begnügt sich mit seinem späten „Sportstudio“ am Samstag abend und ist lediglich bereit, den bisher 17 Millionen Euro teuren Vertrag auf rund zwanzig Millionen Euro zu erhöhen.

          Für Premiere ist Fußball existenziell

          Addiert man zu diesen Summen noch zwanzig Millionen Euro, die das Deutsche Sportfernsehen für seine Senderechte am Sonntag bezahlt und noch einmal mindestens zwanzig Millionen für die Auslandsrechte, kommt man auf einen Betrag, der jenseits der 400 Millionen Euro liegt, welche die Liga unbedingt erlösen wollte. Zum Schluß entschied sich alles an der Frage, ob sowohl die ARD als auch Premiere bereit wären, mehr Geld für nicht wesentlich mehr oder sogar weniger Fußball zu zahlen - die neuen Wettbewerber auf der Nachfrageseite machen es möglich.

          Wie es hieß, schien die ARD am Ende genauso wenig gewillt, Premiere das „Match of the Day“ am Samstag zuzugestehen, wie zuvor Premiere der ARD ihre Sendestrecke überlassen wollte. Und dieser Forderung der ARD gab der Ligaverband im Laufe des Tages offenbar nach, so daß Premiere, wenn der Sender nicht mit ganz leeren Händen dastehen und der KDG das Feld überlassen wollte, klein beigeben mußte. Für Premiere - das wissen Liga und ARD - ist der Fußball existenziell.

          Bis zum Schluß siegesmutig

          Zwar gaben sich sowohl KDG als auch Telekom - die für alle Senderechte geboten hatte - bis zum Schluß siegesmutig. Man habe auch für die Fernsehrechte geboten, bestätigte Matthias Schumann, Telekom-Sprecher für Sportkommunikation. Doch sah es eher danach aus, als daß weder das Szenario ARD plus KDG oder das Szenario Premiere pur beziehungsweise plus Erstsenderechte im Free-TV am späten Samstag abend um 22 Uhr im ZDF geben werde.

          Weil Premiere zuletzt sein Angebot hochschraubte und alles mehr oder weniger beim alten bliebe, auf wesentlich höherem finanziellen Niveau und mit einem Ausblick in die Zukunft, der neue Koalition verheißt: Premiere habe nämlich plötzlich, so Verhandlungskreise, auch für die Internetrechte geboten und könnte diese an die Telekom weitergeben.

          Zauberwort „Triple Play“

          Ursprünglich hatte man gedacht, daß es umgekehrt liefe. „Fußball ist ein interessanter Inhalt für unsere Zukunftspläne“, sagte Telekom-Sprecher Schumann. Die Telekom will Milliarden in ein neues Breitband-Glasfasernetz investieren, um Telefon, Internet und Fernsehen auf einer Leitung anbieten zu können - das so genannte „Triple Play“. Zu diesem fehlt allein noch der Inhalt, und das wäre vor allem der Fußball.

          „Wenn man Triple Play ernsthaft spielen will, braucht man Sport“, sagte Schumann. Beim nächsten Mal, soviel ist sicher, ist die Telekom in einer noch stärkeren Position, da sich das Hochgeschwindigkeitsinternet in den nächsten drei Jahren verbreitern wird. Die Liga aber kann schon jetzt feiern.

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