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Fernsehfilm „Dresden“ : „Zeigt das Leben danach“

Felicitas Woll spielt die Hauptrolle in „Dresden” Bild: ZDF/Conny Klein; teamWorx

Die Verfilmung der Bombardierung Dresdens kommt Anfang März ins Fernsehen. Am Montag wurde der Film geladenen Gästen gezeigt, darunter auch Zeitzeugen. Eine von ihnen, Leopoldine Krüger, erinnert sich.

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          „Gewärmte Teller hatten wir 1945 nicht“, spottet Leopoldine Krüger, als das Hauptgericht des Gala-Diners in der Gläsernen Manufaktur von Dresden auf den Tisch kommt. „Aber Möhren, die gab es damals auch - allerdings vor allem als Möhrenkaffee. Über das Leben der Menschen nach dem 13. Februar in Dresden müßte man einmal einen Film drehen. Da gäbe es etwas zu staunen.“ Gerade hat Frau Krüger einen Film über Dresden am 13. Februar 1945 gesehen. Gestaunt hat sie nicht. Sie war damals in der Stadt, als die britischen Flugzeuge ihre Bomben abwarfen.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Daß ich Leopoldine Krüger nach der feierlichen Premiere von Roland Suso Richters „Dresden“ getroffen habe, ist ein Glücksfall. Erst vor acht Tagen flatterte ihr die Einladung ins Haus, und die sechsundachtzigjährige Dame wußte gar nicht, warum ausgerechnet sie ins Schauspielhaus ihrer Heimatstadt gebeten wurde, um einen Film über die Zerstörung Dresdens zu sehen, „aber man muß ja schauen, daß man im Alter noch beweglich bleibt“. Also rief sie eine gleichaltrige Freundin an, bei der sie schon 1945, als die Russen das Haus von Frau Krüger beschlagnahmt hatten, Unterstützung gefunden hatte, und gemeinsam machten sich die beiden Frauen am Montag abend auf den Weg in die Innenstadt.

          Mit den Clowns kamen die Bomben

          Der Postplatz trägt immer noch die Spuren der Bombenangriffe. Gleich nebenan stand die Sophienkirche, das dritte große Dresdner Gotteshaus neben Kreuz- und Frauenkirche, die den 13.Februar schwer beschädigt überstand und dann auf Geheiß der SED in den fünfziger Jahren gesprengt wurde. Sonst war hier kein Stein auf dem anderen geblieben, und erst jetzt versucht man, dem beim Wiederaufbau in seinem Charakter völlig veränderten Platz wieder etwas vom früheren Charme zurückzugeben. Dresden 2006 kämpft immer noch mit den Folgen von 1945. Deshalb ist das Entree zum Schauspielhaus eine gewaltige Baustelle, wo sich hinter Bauzäunen und aufgerissenen Straßen ein roter Teppich in die Brachlandschaft vorschiebt.

          Britisch-deutsche Romanze: Felicitas Woll und John Light
          Britisch-deutsche Romanze: Felicitas Woll und John Light : Bild: ZDF/Conny Klein; teamWorx

          Hier hat man versucht, der dunklen Erscheinung eines Februarabends in Dresden etwas Glanz zu verleihen, einen Hauch vom Glamour eines Filmfestivals in die Stadt zu bringen. Die Gästeschar kann sich sehen lassen. Neben dem Stab von „Dresden“ kann Markus Schächter, Intendant des ZDF, den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, Dresdens Oberbürgermeister Ingolf Roßberg und den britischen Botschafter Sir Peter Torry begrüßen. Der sächsische Ministerpräsident ist erkrankt, aber dafür weist die Gästeliste den Zirkus-Künstler Andre Sarrasani aus, dessen Familienunternehmen in Dresden traditionell Winterquartier bezieht. Als am Abend des 13. Februar 1945 kurz nach 21.30 Uhr Fliegeralarm gegeben wurde, war die Vorstellung gerade bei der Clownsnummer angelangt, das Publikum wurde unter Scherzen in den Schutzkeller komplimentiert. Er hielt stand, aber vom festen Zirkusdomizil am alten Ort ist heute nur noch der Name „Sarrasanistraße“ geblieben.

          Im Schauspielhaus hat sie den Schutt geräumt

          Ältere Besucher, die über den roten Teppich ins Schauspielhaus gehen, werden von Fotografen umlagert, denn in Dresden erwartet man in jedem Weißhaarigen einen Zeitzeugen. Resolut schreitet Gerda Kress das Defilee ab: „Ich bin hier die älteste Teilnehmerin, dreiundneunzig. Ich weiß genau, wie das gewesen ist. Auch wie das damals mit den Nazis war. Mir kann keiner was erzählen!“ Der Film von Roland Suso Richter versucht es trotzdem, und Leopoldine Krüger lacht später: „Als der Gauleiter Mutschmann auftrat, habe ich mich schon sehr gewundert. So eine Uniform hatte der in Wirklichkeit nie an. Und daß ein gestandener Klinikchef diesem Gauner vertraut hätte, kann ich mir auch nicht vorstellen.“

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