https://www.faz.net/-gqz-ryq0

Fernsehen : Wir reden miteinander, aber wir hören uns nicht

Die Ullrichs im Rosenkrieg Bild: ZDF / Reiner Bajo

Erst trennt sie die Sprachlosigkeit und dann der Scheidungsrichter: Illusionslos und hoffnungsstark, zärtlich und bitter in einem erzählt Dieter Wedel die Geschichte von zwei Paaren und ihren Kindern. „Papa und Mama“ heißt sein zweiteiliger Fernsehfilm.

          Die Sprachlosigkeit ist der Liebe größter Feind. Unbemerkt schleicht sie sich zwischen das Paar, tarnt sich mit Alltag, täuscht mit Floskeln der Zuneigung, frißt die Neugier und macht aus dem Verstehen ohne Worte leere Worte ohne Verstehen. Bemerkt man sie, ist es schon zu spät. Die Liebe hat einen Riß bekommen, den jede Unstimmigkeit vertieft. Was mit dem Bekenntnis „Ich liebe dich“ begann, wird zum Fiasko. Als Ausweg bleibt nur die Trennung.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          „Papa und Mama“ heißt der zweiteilige Fernsehfilm, den der Drehbuchautor und Regisseur Dieter Wedel dem Reigen von Liebe, Haß und Trennung widmet. Illusionslos und hoffnungsstark, zärtlich und bitter in einem erzählt Wedel die Geschichte von zwei Paaren und ihren Kindern. Erst trennt sie die Sprachlosigkeit und dann der Scheidungsrichter.

          Spielbälle in der Schlammschlacht

          Die Ehe der Ullrichs scheint perfekt: Dr. Peter Ullrich (Fritz Karl) ist erfolgreicher Scheidungsanwalt in einer renommierten Kanzlei. Seine Frau Katja (Silke Bodenbender) pflegt derweil die gemeinsame Villa, ist attraktiv und liebende Mutter von Philipp (Wolf-Niklas Schykowski) und Julia (Anna Hausburg). Die Risse im Bild sind haarfein und kaum zu bemerken. „Früher haben wir abends immer gestritten, wer zuerst erzählen darf, was er erlebt hat. Heute erlebe ich nichts mehr“, sagt Katja. Peter hört ihr zu; aber ihren Hilferuf hört er nicht. Eines Abends sind sie und die Kinder fort. Was sie zurückläßt, sind ein Abschiedsbrief und ein Mann, dessen Welt zusammenbricht.

          Der Kinder wegen: Weihnachten wollen sie dennoch zusammen feiern

          Ruth (Gisela Schneeberger) und Charly Hupach (Peter Weck) sind seit vierzig Jahren verheiratet. Tränenüberströmt steht Ruth eines Nachts plötzlich bei ihrem Sohn Thomas (Maximilian Brückner) vor der Tür: Charly hat sich in eine junge Frau verliebt. Ihr ganzes Leben hat Ruth ihrem Mann und der gemeinsamen Spedition gewidmet. Jetzt steht sie vor dem Nichts.

          Für die Kinder der Paare wird die Trennung zur Vertreibung aus dem Paradies der unbeschwerten Kindheit. Aus ihrer Perspektive wird die Geschichte erzählt. „Manchmal kann ich den Schmerz noch fühlen. Er geht wohl nie vorbei“, sagt Julia. „Es heißt immer, die Kindheit ist die schönste Zeit im Leben. Aber wenn man Pech hat, ist sie auch die Zeit, die man für den Rest seines Lebens bewältigen muß.“ Sie und ihr Bruder versuchen, die Ehe der Eltern zu kitten, werden aber zum Spielball einer Schlammschlacht. Thomas ist Rechtsreferendar in der Kanzlei von Peter Ullrich. Auch Thomas wirft die Trennung der Eltern aus der Bahn: Statt für sein Examen zu büffeln, verliert er sich in Bemühungen um seine hilflose Mutter.

          Auf die Trauer folgen Tücken

          Wie kaum ein anderer versteht es Dieter Wedel, Stimmungslagen im Land aufzuspüren und zu persönlichen Schicksalen zu verdichten. Ganz gleich, ob Wedels Geschichten wie „Alle Jahre wieder: Die Familie Semmeling“ in einer Reihenhaussiedlung oder wie in „Der König von St. Pauli“ im Hamburger Rotlichtmilieu spielen: Seine Figuren sind normale Bürger mit alltäglichen Sorgen und Freuden. Liebevoll und mit einem Hang für das Komische schildert er ihren Lebenskosmos und öffnet zugleich den Blick des Publikums für das gesellschaftliche Ganze, das die Entscheidungen seiner Figuren modelliert: Zwänge am Arbeitsplatz, Gesetzgebung und Politik: Die „Familie Semmeling“ schilderte, wie der Traum vom Eigenheim und eine Urlaubsreise zum finanziellen Albtraum werden. „Der König von St. Pauli“ erzählte von Bordellbesitzern, Huren und durchbrach mit ihren Alltagssorgen die Legende von Hamburgs roter Meile.

          Weitere Themen

          „Herbstsonate“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Herbstsonate“

          „Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.