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Fernsehen : Winnetous Kampf gegen die Kommunisten

  • -Aktualisiert am

Der ewige Winnetou: Pierre Brice Bild: dpa

Winnetou kehrt zurück: Kabel 1 spürt der deutschen Fernsehlegende in Kroatien nach. Von Schauspielern, die sich mit ihrer Rolle verwechseln, antiquierten Ritualen und ungesühnten Blutbädern unter Pferden.

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          Als Winnetou Ende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts im Nachmittagsprogramm des ZDF starb, saß ich bei meiner Großmutter unterm Küchentisch und weinte. Niemand sollte mitbekommen, daß mich der Tod des großen Häuptlings der Mescalero-Apachen derart berührte. Schließlich kennt ein Indianer ja keinen Schmerz. Doch jetzt war alles anders, denn Winnetou war tot.

          In diesem Herbst jedoch wird er wiederauferstehen, und zwar bei Kabel 1. Der Sender hat in Kroatien gerade mit den Dreharbeiten zu einer "Event-Dokumentation" mit dem Titel "Auf den Spuren Winnetous" begonnen, die im Rahmen eines Themenabends neben dem "Schatz im Silbersee" und anderen Karl-May-Verfilmungen zu sehen sein wird.

          Es gehe darum, das "Making-of der Karl-May-Filme zu erreichen", sagt der Regisseur Axel Klawuhn: "Uns interessiert besonders, wie und unter welchen Bedingungen die Filme damals produziert worden sind und welche Probleme und Schwierigkeiten es dabei gab." Auf der Suche nach neuem Material war dem Regisseur unter anderem der Schauspieler Götz George behilflich, der im "Schatz im Silbersee", der ersten Karl-May-Verfilmung aus dem Jahre 1962, den deutschen Abenteurer Fred Engel spielte. George machte während der Dreharbeiten eigene Filmaufnahmen, die bisher nirgends zu sehen waren und die Arbeitsumstände von damals beleuchten sollen.

          Am Fuß des Wasserfalls

          Von der damaligen Besetzung sind Ralf Wolter, der als Sam Hawkens und Hadschi Alef Omar in dreizehn Karl-May-Verfilmungen mitgespielt hat, und die Schauspielerin Eva-Ruth Ebner nach Kroatien gereist. Sie wirkte damals als Regieassistentin an der Seite von Alfred Vohrer, der bei drei Winnetou-Verfilmungen Regie geführt hat und später die Edgar-Wallace-Filme drehte. Der Kristallisationspunkt bei den Dreharbeiten aber ist heute wie damals - Winnetou beziehungsweise Pierre Brice.

          Schon als Fünfzehnjähriger hatte sich der Kameramann der aktuellen Kabel-1-Dokumentation Thomas Großmann die Frage gestellt, wo eigentlich die Filmheimat seines Jugendidols Winnetou lag. 1978 überredete er seine Eltern zu einem Sommerurlaub im heutigen Kroatien, er wollte mit einer Super-8-Kamera einen eigenen Dokumentarfilm über die Originalschauplätze der Karl-May-Verfilmungen drehen, für den er später auf einem Filmfestival sogar einen Preis erhielt.

          Wildromantische Weiten

          Daß er heute, gut sechsundzwanzig Jahre später, wieder an einer Dokumentation über Winnetou mitarbeitet, ist zwar nur Zufall, spricht aber Bände über den nachhaltigen Einfluß der Karl-May-Verfilmungen in Deutschland. Eine ganze Generation wuchs mit den eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen der Filme von Harald Reinl und Alfred Vohrer auf, die vorgeblich die Abenteuer von Winnetou und Old Shatterhand in den wildromantischen Weiten der nordamerikanischen Prärie zeigten.

          Die Blutsbrüder: Pierre Brice und Lex Barker

          Doch von den Stützpunkten in Sibenik, Zadar und Rijeka aus fuhr damals der Troß nicht nach Nordamerika, sondern an verschiedene Drehorte in ganz Kroatien, wie etwa das Zrmanja-Plateau, das als Kulisse für Winnetous Sterbeszene diente. Insgesamt wurden fünf der elf Winnetou-Verfilmungen in Kroatien gedreht.

          Die Filme waren auch im ehemaligen Jugoslawien ein "echter Renner", wie sich Marina Stefotic erinnert, die als Kind zufällig bei den Dreharbeiten zu einem Winnetou-Film am Fuß der Wasserfälle von Krka zugegen war. "Ich liebe diese Filme immer noch", sagt sie. "Aber meine Kinder kennen sie leider gar nicht, denn sie werden heute nicht mehr gezeigt. Damals gab es aber auch hier im Kino lange Schlangen, als die Filme zum ersten Mal gezeigt wurden." Aufgeregt ist die heute Fünfundvierzigjährige trotzdem, als sie "Winnetou" bei den Dreharbeiten von Kabel 1 abermals begegnet - für ihren Arbeitgeber, die Catering-Firma "Podravka", sei es "nicht selbstverständlich, Weltstars zu bewirten".

          Er wird immer Winnetou bleiben

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