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Fernsehen : Stoiber: Papst-Serie ein „übler Angriff“

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Edmund Stoiber will zum Schutze religiöser Gefühle das Strafrecht verschärfen, ein Bischof warnt Firmen vor Werbung auf MTV: Der Streit um die angekündigte Fernsehsatire „Popetown“ geht weiter.

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          Die Proteste von konservativen Politikern und katholischer Kirche gegen die vom Sender MTV geplante Satire „Popetown“ reißen nicht ab. Der Bischof von Fulda, Heinz Josef Algermissen, rief indirekt Werbekunden zu einem Boykott von MTV auf. CSU-Chef Edmund Stoiber sprach von einem „üblen Angriff auf viele Menschen unter dem Deckmantel der Satire“.

          Das Erzbistum München und Freising leitete nach einer Mitteilung vom Freitag rechtliche Schritte gegen MTV ein. Der Sender solle bis zum 18. April eine Unterlassungsverpflichtungserklärung abgeben. Das Erzbischöfliche Ordinariat begründete sein Vorgehen damit, daß „eine Verächtlichmachung des katholischen Glaubens nicht zulässig“ sei. Die Comicserie verstoße außerdem gegen den im Grundgesetz garantierten Schutz der Glaubensfreiheit. Die Serie erfülle den Straftatbestand der Beschimpfung von Religionsgemeinschaften.

          „Kein Respekt vor Religion“

          MTV-Programmdirektor Elmar Giglinger betonte dagegen, daß die Zeichentrickserie wie geplant am 3. Mai starten solle. Algermissen verurteilte die Haltung des Senders. Daß MTV die Serie nicht absetze, obwohl die „blasphemische Werbung“ für „Popetown“ bereits zurückgezogen wurde, zeige nur zu deutlich, „daß die Verantwortlichen keinerlei Respekt vor Religion und Glauben haben“. Es gehe ihnen offensichtlich allein um „reißerische Provokation und Geschäftemacherei auf niedrigstem Niveau“. Firmen, die MTV finanziell unterstützten, seien schlecht beraten, „wenn sie es zulassen, weiterhin als Sponsoren der Verunglimpfung des christlichen Glaubens betrachtet zu werden“, erklärte der Bischof.

          Stoiber sagte, religiöse Gefühle und Überzeugungen anderer Menschen müßten geschützt werden. Deshalb brauchten religiöse Symbole mehr Schutz „vor Verunglimpfung und dem Lächerlichmachen“. Der bayerische Ministerpräsident sprach sich für eine Verschärfung des Strafgesetzbuches aus. MTV-Programmdirektor Giglinger sagte dagegen, in Deutschland erlaube es die Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit, auch kontroverse Formate im Programm zu haben. Von Blasphemie könne keine Rede sein, weil das Medienkontrollgremium FSF bereits eine Freigabe erteilt habe. Zudem hätten die meisten das Format noch gar nicht gesehen.

          Julis finden Proteste überzogen und voreilig

          Ähnlich argumentierten die Jungen Liberalen. Ihr Vorsitzender Johannes Vogel erklärte, es sei höchst unwahrscheinlich, daß die Kritiker die Sendung schon gesehen haben. „Ich hielte es für ratsam, wenn man sich ein Urteil erst dann bildet, wenn man weiß, worüber man spricht“, betonte der Chef der FDP-Nachwuchsorganisation. Zudem sei es bemerkenswert, daß jetzt einige laut nach einem Verbot riefen, weil religiöse Gefühle verletzt werden könnten. „Noch vor wenigen Monaten wurde von allen Beteiligten zu Recht auf die Pressefreiheit verwiesen, als es um die Mohammed-Karikaturen ging.“ Wenn man von Muslimen Respekt vor der Pressefreiheit einfordere, müsse man dies auch gewähren, wenn es um die christliche Religion gehe. Eine Auslegung der Pressefreiheit „mit zweierlei religiösem Maß“ sei inakzeptabel.

          Stoiber argumentierte dagegen, daß die Deutschen in einer „falsch verstandenen Liberalität“ viel zu großzügig gewesen seien, wenn etwa „das Kreuz provokant in den Dreck gezogen wurde“. Moslems hielten Christen auch deshalb für Ungläubige, weil wir unseren Glauben nicht ausreichend leben und verteidigen“. In der englischen Zeichentrick-Serie geht es um einen „durchgeknallten“ Papst und einen korrupten Kardinal, der Waisenkinder in die Sklaverei verkauft. Die britische BBC, der ursprüngliche Auftraggeber, hatte bereits 2004 nach Protesten auf die Ausstrahlung verzichtet.

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