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Fernsehen : Stasiakten belasten ARD-Sportreporter Hagen Boßdorf

  • -Aktualisiert am

Neue Aktenfunde belasten Hagen Boßdorf Bild: ARD/Susie Knoll

Eine Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi hatte Hagen Boßdorf, heute Sportkoordinator der ARD und designierter NDR-Sportchef, stets bestritten. Jetzt gibt es neue Aktenfunde, die ihn belasten.

          Hagen Boßdorf ist Sportkoordinator der ARD, er war früher Chefredakteur des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg und er soll als neuer Sportchef des Norddeutschen Rundfunks im März Gerhard Delling ablösen.

          Während seiner Karriere gab es einige Male Vorwürfe gegen Boßdorf, er habe zu DDR-Zeiten als junger Mann mit der Stasi zu tun gehabt. Jetzt gibt es neue Aktenfunde in der Birthler-Behörde Leipzig, die ihn belasten. Wie aus den Unterlagen - die dieser Zeitung vorliegen - hervorgeht, hatte Boßdorf, Journalistik-Student an der Karl-Marx-Universität Leipzig, unter dem Decknamen „Florian Werfer“, Registriernummer XV 6129/88, erfaßt für die Auslandsspionageabteilung der MfS Bezirksverwaltung Leipzig, etwa Kontakte zu mindestens drei Studenten aus Göttingen und diese ausspioniert.

          Aussagen über westdeutsche Studenten

          Mit Datum vom 31. Mai 1988 finden sich Personen-Einschätzungen von „Werfer“, in dem fast achtzig Seiten umfassenden Konvolut von Stasiakten sind Aussagen festgehalten über die westdeutschen Studenten. Über die „BRD-Bürgerin X“, berichtete IM „Werfer“ laut Aktenlage, sie ist „ca. 23 Jahre alt“, habe „breite Hüften, ein etwas unschönes Gebiß, aber freundlich und naiv“ und sei bekannt mit einem ARD-Sportjournalisten.

          Dokumentiert sind mehrere Treffs von Boßdorf am 4. April und 28. Mai 1989 mit seinen Führungsoffizieren Major Benndorf und Oberleutnant Richter in der konspirativen Wohnung „KW Funke“, wo mit IM „Florian Werfer“ „weitere Schritte zur Aufrechterhaltung bzw. Gestaltung des Kontaktes“ zu einer Westdeutschen besprochen wurden. „Für die weitere Festigung des operativen Kontaktes“, schrieb MfS-Oberleutnant Richter am 5. Juli 1989 in seinem Bericht, „gilt nach wie vor Schweigepflicht“ des IM „gegenüber seiner Ehefrau“. Laut Aktenlage hatte der IM-Kandidat Boßdorf bereits im Januar 1988 in einem Gespräch mit seinem späteren MfS-Führungsoffizier Richter geäußert, daß er die Arbeit des MfS „nicht als Spitzelei oder Aushorchen“ betrachte. „Große Achtung hat er dabei vor solchen Genossen, wie den Kundschaftern Guillaume, da er sie persönlich während eines Forums kennenlernen konnte“, schrieb HVA-Mann Richter am 20. September 1988.

          IM-Tätigkeit stets bestritten

          Boßdorf hatte bislang immer bestritten, als Inoffizieller Mitarbeiter für den DDR-Geheimdienst gearbeitet zu haben. Er mußte sich bereits 1995, damals noch als Sportchef des ORB, vor der Stasi-Untersuchungskommission des Senders verantworten, weil er seinen dreijährigen Wehrdienst im Stasi-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ verschwiegen hatte. Daraufhin hatte Boßdorf immer wieder versichert, nur Wachdienst in Uniform geleistet zu haben. Die im Januar 2002 in der Birthler-Behörde aufgefundenen Unterlagen sagten etwas anderes aus: Der „Unteroffizier und SED-Genosse Boßdorf“ wirkte im Stasi-Wachregiment demnach überwiegend journalistisch als „Funkstudio-Reporter der Politabteilung“. Boßdorf hatte dazu damals erklärt: „Wir haben ein internes Radioprogramm für die Soldaten des Staatssicherheitsdienstes gemacht.“

          Die nun aufgetauchten Akten sind nach Ansicht von Mitarbeitern der Birthler-Behörde ein Beleg für die aktive IM-Tätigkeit Boßdorfs. Der NDR teilte mit, daß Boßdorf nach dem Sender vorliegenden Informationen „keine Verpflichtungserklärung als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der DDR-Staatssicherheit unterschrieben“ habe. „Daß Herr Boßdorf Kontakte zur Stasi hatte, ist nicht neu, sondern war auch schon zum Zeitpunkt seiner Berufung zum ARD-Sportkoordinator bekannt.“ Aus der dem NDR bekannten Aktenlage ergebe sich, daß Boßdorf „im Zuge seiner Kontakte zur Stasi zu keinem Zeitpunkt DDR-Bürger belastet hat“. So habe man keinen Hinderungsgrund gesehen, „mit Hagen Boßdorf einen Vertrag als Sportchef abzuschließen“.

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