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Fernsehen : Jetzt sind die Möwen in Bochum schwul

  • -Aktualisiert am

Bochums Möwen sind schwul. Sagt Dittsche Bild: WDR/Mathias Bothor

Warum es am Haargel liegt, wenn Fußballer schwach spielen, und wie ein Cyborg ins Cockpit Michael Schumachers geriet: Olli Dittrichs begnadeter Imbißphilosoph „Dittsche“ erklärt uns wieder die Welt.

          Wer das Universum verstehen will, muß wissen, daß alles mit allem zusammenhängt. Nur wer dies wahrhaft verinnerlicht und sich nicht sperrt gegen die Möglichkeit, daß sich die verschiedenen Unfallfolgen bei den beiden Schumachers vielleicht durch den früh verstorbenen Zwillingsbruder von Elvis erklären lassen, der wird ein wahrhaft großer Geist. Einer wie Dittsche.

          Am Sonntag abend stand er wieder im Bademantel bei Ingo im Schnellimbiß, um sein Leergut zurückzubringen, neues Bier zu kaufen und während der ersten beiden Flaschen, die er immer gleich vor Ort trinkt, ein bißchen über die Welt zu philosophieren.

          Ingos "Eppendorfer Grill-Station", muß man wissen, ist über den Sommer renoviert worden, was Dittsche ein wenig beunruhigt. Also, eigentlich fand er es gut, weil er die ganze Zeit schon den Verdacht hegte, daß die Decke voll saß von Cadmium und Blei von den ganzen "Ausdünstungen der Würstchen". Aber der Ingo hat offensichtlich nicht Eimer für Eimer kontrolliert, ob die neue "Dispersitionsfarbe" nicht vielleicht aus Korea kommt und FCKW enthält oder so was. Was, wenn da jetzt was von der Decke perlt? Das geht dann in den Organismus hinein und verändert den Hormonhaushalt!

          Hat Dittsche gelesen

          Womöglich würden die Besucher vom Schnellimbiß dann alle schwul werden, wie das in Bochum passiert ist, wo es eine Müllhalde gab voll mit Stereoiden, Pestiziden, FCKW und allem, und die Möwen haben das aufgegessen, "und jetzt sind die Möwen in Bochum alle schwul". Hat Dittsche in der Zeitung gelesen. Das erklärt ja auch, warum die großen Vereine in der Fußball-Bundesliga nicht mehr gewinnen. Deren hochbezahlte Stars haben alle gegelte Haare, und das geht in den Kopf rein. So wie bei Ingo, wenn da Farbe von der Decke perlt.

          Und mit den Schumachers ist das so: Der Michael hat den heftigen Unfall so unversehrt überlebt, weil er gar nicht drin saß, sondern nur ein "Kaiborch" oder wie das heißt (Ingo vermutet, daß Dittsche "Cyborg" meint). Wenn dann was passiert, oder auch vor der Siegerehrung, wird der Roboter schnell durch den echten Michael ausgetauscht, Siegfried zaubert das wahrscheinlich, der hat ja jetzt Zeit, seit dem Unglück mit Roy, jedenfalls sind Michael und Ralf siamesische Zwillinge, und wenn man die trennt, kriegt einer immer alles Talent und alle "Erlaubnisse", so wie damals bei Elvis, auf den, nachdem sein Zwillingsbruder gestorben ist, das ganze Talent übergeschwappt ist.

          Alles ergibt Sinn

          Der Witz ist, daß das alles Sinn ergibt, wenn man es von Dittsche erklärt bekommt, zumindest sieht man, daß es in seinem Kopf Sinn ergibt. Olli Dittrich spielt diesen Hamburger Arbeitslosen und Amateurphilosophen nicht, er wird zu Dittsche.

          Beunruhigend an dieser Verschmelzung ist, daß einem beim Zusehen klar wird, wie viele Dittsches an jedem beliebigen Abend in Deutschland in irgendeinem Schnellimbiß, an irgendeinem Stammtisch auf ähnlich geniale oder krude Art versuchen, sich aus dem endlosen Strom immer unverständlicherer Nachrichten ein irgendwie alltagstaugliches Bild von der Welt zu zimmern. Mit all den Verschwörungstheorien, dem völlig Abwegigen und dem plötzlich zwingend Einleuchtenden, das dazu gehört. Dittsches halbe Stunde, die jetzt wieder jede Woche läuft, ist genau das, was Küppersbuschs "Zak" einst sein wollte: ein Wochendurchblick.

          Am Thema Hartz IV ist Olli Dittrich in der ersten neuen Sendung noch gescheitert. Aber irgendwann wird Dittsche, den das als Langzeitarbeitslosen ja ganz persönlich betrifft, schon verstanden haben, was wirklich dahintersteckt. Und dann wird er es uns erklären.

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