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Fernsehen : Ich kann ja nur den Lustig

  • Aktualisiert am

Wer Peter Lustig um ein Autogramm bittet, bekommt schon mal so eins... Bild: ZDF

Fünfundzwanzig Jahre hat Peter Lustig mit „Löwenzahn“ Kindern die Welt gezeigt. Nun hört er auf. Ein Gespräch mit dem Moderator über Kinder, Krankheit und Peter Lustigs eigene Kindheit, die schrecklich gewesen ist.

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          Er würde gerne weitermachen, doch er kann nicht. Er würde gerne weiter die Welt erklären, doch es geht nicht. Er würde gerne in den Weltraum fliegen, doch daraus wird nichts: Peter Lustig, der uns und sich selbst noch so viele Fragen stellen könnte, hört auf.

          Einmal wird er noch drehen, einen richtigen Spielfilm wird es noch geben, und dann, im Oktober, wird - für ihn - das Kapitel „Löwenzahn“ nach fünfundzwanzig Jahren geschlossen. Sogar der Sender würde gern mit Peter Lustig weitermachen, allein, es geht nicht, die fünfundzwanzig Jahre haben ihre Spuren hinterlassen.

          Ein anderer Moderator

          Er spüre schon jetzt, wie er das Drehteam vermissen werde, sagt Peter Lustig. Das letzte Jahr aber habe ihm gezeigt, daß es für ihn nun an der Zeit sei aufzuhören. Das ZDF und sein Produzent Albert Schäfer wollen Peter Lustigs Vermächtnis hegen, pflegen und „Löwenzahn“ mit einem anderen Moderator weitermachen. Peter Lustig hat nichts dagegen. Vielleicht kehrt er ja mal für einen Gastauftritt zurück.

          ...oder so eins
          ...oder so eins : Bild: ZDF

          Man darf sich diesen Peter Lustig als einen glücklichen Menschen vorstellen. „Ich mußte mich nie verbiegen, ich durfte reden, wie ich will. Ich habe oft gedacht: Was bist du für ein Glückspilz, was du auf dem Herzen hast, das kannst du sagen.“ Sich zu verstellen, zu verkleiden, zu spielen, das ist für Peter Lustig undenkbar. „Ich kann doch nur den Lustig“, ist sein Motto, das Geheimnis seiner Sendung und seines Erfolgs, der auf dem kostbaren Gut einer Authentizität beruht, die sich künstlich nicht herstellen läßt.

          Kinder merken, was echt ist

          Und was echt ist und was nicht, das, weiß Peter Lustig, bemerken gerade Kinder ziemlich schnell. Weshalb er Kinder ernst nimmt, was immer wieder zu dem Mißverständnis führte, daß er Kinder ja vielleicht gar nicht besonders mag. Weil er nicht den netten Opa von nebenan spielt. Und Sätze sagt wie: „Kinder sind wunderbar, wenn sie nicht gerade laut und klebrig sind. Sie sollten möglichst lange so bleiben, wie sie geboren sind: neugierig und offen. Doch bald kommen die Erwachsenen und kleistern ihre Gehirne zu.“

          Er lernt von Kindern, und sie - und die Erwachsenen - lernen von ihm. Dabei geht es Lustig weniger um die Vermittlung von Wissen in der Summe, sondern um das Streben nach Erkenntnis, um das Fragen an sich. Peter Lustig, der Naturwissenschaftler, will es einfach wissen. Dabei stellt er im Umgang mit den stofflichen faßbaren Dingen, an die er sich qua Definition seiner Sendung hält, die großen Menschheitsfragen nach dem „Woher, Wohin, Weshalb“ immer mit. Pathos aber ist ihm fremd.

          Im Dialog mit Goethe

          Er will herausfinden, seinen Geist erproben, Lösungen finden - am besten selbstgebastelte. Warum hat der Hund vier Beine und nicht drei oder fünf? Wieso wachsen die Bäume nicht in den Himmel? Solche Fragen stellt sich Peter Lustig unablässig, auch wenn er allein ist. Hat er die Antwort gefunden, muß er anderen davon erzählen. Und wenn er gerade niemanden zum Erzählen hat, dann stellt er sich einen Dialog mit dem alten Geheimrat Goethe vor. Worüber würde der sich heute nicht alles wundern?

          Peter Lustig ist Handwerker, Erfinder und Naturwissenschaftler. Nur eines ist er, obwohl er in „Löwenzahn“ in einem Bauwagen auf der Wiese lebt und tatsächlich am liebsten in einer Latzhose herumläuft, ganz und gar nicht: ein Grüner. Er ist kein Maschinenstürmer und kein Genußverächter. Er haßt Müsli, er ißt gerne, und zwar nicht vegetarisch, und er trinkt gerne Rotwein. Daß er den und nicht Gesundheitslimonade zu sich nimmt, das hat er ins Drehbuch geschrieben, sogar die Flasche hat er festgelegt, und sein Produzent hat sich daran gehalten.

          Die zölibatäre Existenz

          „Der Peter Lustig im Fernsehen ist der echte Peter Lustig - ohne Privatleben“, sagt Albert Schäfer und erklärt, warum „das Zölibatäre“ von Lustigs Existenz für „Löwenzahn“ so wichtig ist: weil er sich so beim allmählichen Verfertigen seiner Gedanken ganz auf die Zuschauer konzentriert. „Mich kann es nur als Solitär geben“, sagt Lustig. In diesem Punkt gibt es eine existentielle Differenz zwischen dem alten Herrn im Bauwagen und dem wahren Peter Lustig. Der ist nämlich zum dritten Mal verheiratet, hat drei Kinder, zwei angeheiratete und einen leiblichen Sohn und eine offenbar ebenso kluge wie freche Enkelin.

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