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Fernsehen : Halten Sie mir bloß die Patienten vom Leib

  • -Aktualisiert am
Das neue Fernsehekel: Dr. House (unten)
          2 Min.

          Patienten, die es mit Dr. Gregory House zu tun bekommen, sind oft schon bewußtlos und konnten es sich nicht aussuchen. Andererseits bekommen sie es auf direktem Weg ohnehin nicht mit ihm zu tun, denn der miesepetrige Dr. House ist das Gegenstück des Patienten, der nicht gern zum Arzt geht: House geht nicht gern zu Patienten, meidet den Umgang, läßt lieber seine Mitarbeiter auf sie los und diagnostiziert aus der Ferne.

          Mit einem Patienten zu sprechen, bevor er eine Diagnose erstellt, hält er für Zeitverschwendung, wenn dieser kein Arzt ist, denn „Jeder Mensch lügt“. „Sind wir nicht Ärzte geworden, um Patienten zu behandeln?“, fragt ihn ein Kollege, und House erklärt: „Nein, um Krankheiten zu behandeln. Das Behandeln von Patienten vermiest den meisten Ärzten auf der Welt das Leben.“

          Gehirntumor. Sie wird sterben. Langweilig

          Die Serie „Dr. House“, die heute bei RTL startet, hat wenig von allen bisher bekannten Arztserien. Um die Gemeinsamkeiten zwischen Dr. House, brillant verkörpert von Hugh Laurie, und Klausjürgen Wussows Prof. Brinkmann aufzulisten, genügt eine Zeile: Beide sind hervorragende Ärzte. Doch House ist kein Gutmensch. Er findet die abwegigsten Krankheitserreger und Therapien, weil er die Herausforderung braucht. Was einfach oder schon bekannt ist, interessiert ihn nicht. „Gehirntumor. Sie wird sterben. Langweilig.“

          Die Serie bricht mit dem Grundsatz, demzufolge Hauptfiguren einer Serie Sympathieträger sein müssen. Gregory House ist ein Misanthrop, sarkastisch, barsch und tablettenabhängig. Ein früherer Muskelinfarkt bereitet ihm dauerhaft Schmerzen im Bein, weshalb er hinkt und am Stock geht. Der sonnige Serienheld sieht anders aus. Und dann ist er auch noch schonungslos ehrlich und direkt. Kein Wunder, daß ihn kaum jemand ausstehen kann. Doch während man Dr. House nicht unbedingt begegnen möchte, sieht man ihm gern zu. Das mag mit Schadenfreude oder Voyeurismus zu tun haben, doch hierfür muß sich niemand schämen, denn es ist ja nur Fiktion. Ein echter Arzt wäre längst nicht mehr im Dienst, denn House probiert gern mal am lebenden Objekt herum, bis er die richtige Therapie gefunden hat. Dazu überschreitet er natürlich Kompetenzen, Richtlinien und notfalls Gesetze.

          Das klassische Krimi-Strickmuster

          Gregory House steht in der Tradition der großen Fernsehekel Alfred Tetzlaff und Al Bundy, doch während deren Manieren allein ausreichten, um Episoden zu füllen, sind diesmal die Eigenschaften nur Beiwerk: Im Mittelpunkt steht jede Woche ein neuer Fall, der aufgeklärt werden muß. „Dr. House“ bedient sich dabei des klassischen Krimi-Strickmusters. Statt eines Verbrechens steht zu Beginn ein mysteriöses Krankheitsbild, statt Indizien spürt House Symptome auf, statt falscher Fährten und unschuldig Verdächtiger gibt es Rückschläge durch Fehldiagnosen und Medikamentenunverträglichkeit, und wo sonst eine Serienfolge mit der Überführung des Täters abschließt, wird hier der Patient geheilt. Dazwischen zeigen Computeranimationen, was im kranken Körper vorgeht. Wer „CSI“ liebt, wird von „Dr. House“ nicht mehr lassen können.

          Der Serienerfinder David Shore war in den ersten Produktionswochen überrascht, daß der amerikanische Sender Fox ihn zu keinem Zeitpunkt zurückpfiff, daß keine Aufforderung kam, die Figur versöhnlicher zu machen. Zumal die Einschaltquoten zunächst eher durchschnittlich waren. Doch die Zuschauer freundeten sich mit dem mürrischen Arzt an, und inzwischen sehen in Amerika, wo in diesem Monat bereits die zweite Staffel endet, bis zu 25 Millionen Menschen zu. Zugleich lief die Serie immer mehr zu Hochform auf, das Ensemble wurde eingespielter und die Autoren mutiger. Gegen Ende der ersten Staffel weicht Serienmacher Shore erstmals vom Episodenstrickmuster ab, erforscht die Charaktere und gibt Einblicke, warum House so ist, wie er ist. Daß er sich ändert, steht derweil nicht zur Debatte. Dr. House heilt Patienten, sie ihn aber nicht.

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