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Fernsehen : Gesichtshaut ölig, Klamotten von der Heilsarmee

  • -Aktualisiert am

Diesen Herren können Sie vertrauen: Das Team aus „Queer Eye” Bild: Bravo

Die neueste Reality-Show aus Amerika: Fünf schwule Lifestyle-Spezialisten formen einen Heterosexuellen um zum „Metrosexual“ - zum modernen Mann mit Esprit, aber ohne Nasenhaare.

          Wir hatten ja keine Ahnung. Es lebte klammheimlich unter uns, das ästhetische Grauen, seit Jahren schon. Mitten im New Yorker Stadtteil Hell's Kitchen - auch wenn die Reiseführer die Gegend immer noch stur als vergleichsweise sicher einstuften. Selten allerdings hatte es jemand bei Licht gesehen, denn tagsüber verbarg es sich für gewöhnlich ungekämmt in seiner selbstgezimmerten Kammer des Schreckens, in deren Untiefen wegen akuter Verletzungsgefahr seit Menschengedenken niemand mehr einen Fuß gesetzt hatte.

          Das Grauen blieb also allein und widmete sich unbehelligt seinen Passionen, dem Haarewachsenlassen und dem Altkleidersammeln. Und dem Malen. Bis es seine erste Ausstellung plante und merkte, daß es nicht nur ein Problem hatte, sondern lauter Problemzonen: Die T-Shirts und Jeans im Kleiderschrank zielsicher sortiert nach aufsteigendem Häßlichkeitsgrad. Zwanzig Jahre alte Boxershorts mit deutlichen Gebrauchsspuren. Das wertvollste Möbelstück ein zerbrochenes Futon-Sofa. Unweit davon ein Etagenbett im Gefängnisstil. Auf dem Küchenregal neben ungeöffneten "Slim-Fast"-Dosen halbgeleerte Whiskyflaschen, darunter vor Dekaden entkorkter Rotwein, dessen dicke Staubschicht deutliche Zeichen organischen Wachstums aufweist. Im Kühlschrank: nichts ...

          Trocken und schuppig

          Zu allem Übel "Butch" selbst: Das fisselige rotblonde Haupt- und Gesichtshaar seit sage und schreibe neun Jahren ungeschnitten. Die Gesichtshaut ölig in der T-Zone (Stirn, Nase, Kinn), ansonsten trocken und schuppig. Unter dem farbbeklecksten Overall rätselhafter Ausgangsfarbe ein lilarosa geringeltes Leibchen aus dem Fundus der Heilsarmee. Glaubt man den Machern der Sommer-Reality-Show "Queer Eye for the Straight Guy", dann ist das Lifestyle-Fiasko Brian "Butch" Schepel aber kein hoffnungsloser Fall, sondern nur ein Neandertaler unter vielen. Mit anderen Worten: ein heterosexueller Mann.

          Die vielbeachtete erste Eigenproduktion des bisher als "Arthouse" verschrieenen Kabelsenders Bravo nach der Akquisition durch den Fernsehgiganten NBC hätte ohne weiteres ein Tiefpunkt amerikanischer Fernsehgeschichte werden können. Doch "Queer Eye for the Straight Guy" - unzulänglich, aber vielleicht nicht ganz unzutreffend mit "Alle Tuntenaugen auf den Hetero" übersetzt - zeigt vor allem eins: Wer Fernsehen machen kann, der kann es eben, auch unabhängig von grotesken Prämissen. Und: Vermeiden von Stereotypen bringt selten amüsante Unterhaltung hervor, ihre ironische Übertreibung dagegen so gut wie immer.

          Monologe über Kunstbräune

          So auch hier: Folge für Folge transformiert ein Team homosexueller ausgewiesener Lebensart-Spezialisten, genannt "Fab Five", einen gewöhnlichen unbedarften Klotz, der anfangs Feuchtigkeitscreme kaum von Haargel unterscheiden kann, in einen Trendsetter, der ohne Aufforderung Zwanzig-Minuten-Monologe über Kunstbräune extemporiert, und also in die neueste Erfindung zivilisationsbesorgter Zukunftsforscher - den "Metrosexuellen". Dazu siebt sich Thom Filicia, vom "House Beautiful"-Magazin unlängst zu einem der besten amerikanischen Innenarchitekten gekürt, in der Auftaktepisode "Hair today, art tomorrow" erst einmal durch all die vertrauten Bruchstücke einer großen Junggesellenkonfektion (leere Bierflaschen, schmutziges Geschirr, dreckige Bettwäsche), während "Essen und Trinken"-Guru Ted Allen, Autor der "Esquire"-Kolumne "Dinge, die ein Mann wissen sollte", mit Hingabe die erste Küchen-Grundausstattung im Leben des fünfunddreißigjährigen "Butch" zusammenkauft. "Kultur-Consultant" Jai Rodriguez, bisher vor allem als Broadway-Sänger und Tänzer hervorgetreten, fährt in der Zwischenzeit den zu Bessernden so lange von Männermodegeschäft zu Schuhladen, bis Pflegespezialist Kyan Douglas und Fashionexperte Carson Kressley die Zeit für gekommen halten, gesplißtes Haar mit Farbe und vernachlässigte Haut mit Peelings zu attackieren. Eine Spraytan-Dusche später ist auch die leichenblasse Gesichtsfarbe dem frischen Teint der gesellschaftlich Akzeptierten gewichen.

          So generalüberholt, muß nur noch die angeborene Small-talk-Schwäche des gemeinen Mannes behoben werden, bevor sich die "Fab Five" auf der modischen Couch aneinanderkuscheln, um den gelehrigen Schüler beim ersten Freigang, seiner Ausstellungseröffnung, auf Video betrachten zu können. Mission erfüllt, darauf einen Cosmo.

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