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Fernsehen : Das Mädchen mit den Schokowaffeln

  • -Aktualisiert am

Bitte ein Nußwaffeltäfelchen: Yvonne Catterfeld Bild: ARD/Gabriella Meros

Auch für die Hanuta-Mädchen ist das Leben kein Zuckerschlecken: Yvonne Catterfeld spielt die Titelrolle in der historischen ARD-Seifenoper „Sophie - Braut wider Willen“.

          Man hat sich das ja immer schon gefragt, was diese Lindt-Herren mit ihren gestärkten weißen Mützen und Kitteln eigentlich machen, wenn sie abends oder sonntags einmal kurz den endlosen Rührprozeß unterbrechen, mit dem sie unsere Schokoladen herstellen.

          Wohin die edlen Ritter reiten, wenn sie genügend Brennholz gesammelt haben, damit das schöne Hanuta-Mädchen ihre Nußwaffel-Täfelchen weiter von Hand für uns backen kann. Und wie die Landliebe-Sennerin nach getaner Butterproduktion ihre Abende in den Alpen verbringt. Denn daß alle diese Menschen, die im Werbefernsehen liebevoll Lebensmittel für uns veredeln, tatsächlich unter uns sind, daß man sie abends in der Kneipe treffen könnte oder morgens in der S-Bahn auf dem Weg zu ihren Back-, Rühr- und Puppenstuben, war immer schon sehr unwahrscheinlich.

          In einer vertrauten Welt

          Von heute an erfahren wir endlich, daß auch für die Hanuta-Mädchen das Leben kein Zuckerschlecken ist. Daß das nicht immer so reibungslos klappt mit ihnen und den Rittern. Und daß es böse Menschen gibt, die ihnen ihre kleine Waffelproduktion neiden. Denn auch wenn die ARD behauptet, daß ihre neue Serie „Sophie - Braut wider Willen“ im ausgehenden 19. Jahrhundert spielt, lebt Sophie doch eigentlich in einer Welt, die uns viel vertrauter ist: in diesem fiktiven Früher der Werbefernsehfiktion, in der es noch echte Märkte, urige Wohnstuben und ehrliches Handwerk gibt, in der die Kleider seidig sind, die Gesichter makellos und die Gefühle rein. Und bei aller behaupteten Liebe zum historischen Detail fehlt auf den herrschaftlichen Tischen im Gutshof von Ahlen doch eigentlich der Teller mit den Rocher-Kugeln, um das Szenenbild wirklich authentisch zu machen.

          Eine Vorabendserie im historischen Gewand

          Die Szenen sind fast komplett in edles Königsblau und warmes Gold getaucht; es ist eine seriengewordene Pralinenpackung. Das perfekte Porzellangesicht von Yvonne Catterfeld strahlt inmitten dieser Puppenhausszenerie, die manchmal jemand zu schütteln scheint, und dann geraten zwar die Leben der kleinen Figuren heftig durcheinander, aber dafür schneit es auch in dicken, großen, falschen Flocken.

          Liebe auf den langen Blick

          Keine zehn Minuten dauert es, bis Sophie, die junge Gräfin, zum ersten Mal Max, den einfachen Schneidersohn, sieht. Es ist, natürlich, Liebe auf den ersten Blick - einen ersten Blick, der nicht enden will, während die Streicher einen spannungsreichen Ton in die Ewigkeit dehnen und das Klavier perlt, und alle wissen, daß beide nun nicht mehr voneinander lassen können, egal was ihre standesbewußte Umgebung sagt, egal welche Prüfungen und Umwege das Schicksal ihnen auferlegen wird, egal ob der Weg zum Glück dreißig Folgen lang sein wird oder (wenn die Quoten stimmen) hundertzwanzig.

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