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Fernsehen : Das kleine Krokodil

Monty Python statt Otto

Das war Anfang der neunziger Jahre. Die „Comedy Crocodiles“, wie sie sich nun nannten, orientierten sich an „RTL Samstagnacht“, an Comedy und Helge Schneider, nicht an Kabarett oder Komikern: „Wir haben weniger Otto geguckt oder Didi Hallervorden, sondern eher Monthy Python oder Die nackte Kanone.“ Hoëcker erwähnt immer wieder auch Stan Laurel. Dessen Partner Oliver Hardy war zwar dick, aber Stan Laurel nie doof, sondern ein Anarchist, ein Meister des Understatements, was Hoëcker sehr gefällt. „Auf der einen Seite möchte man selbst der George Clooney sein, auf der anderen Seite liegen meist die Sympathien beim Opfer. Ich fand Stan Laurel immer viel lustiger.“

Irgendwann Mitte der neunziger Jahre landeten die „Comedy Crocodiles“ dann bei der Jugendsendung „Lollo Rosso“ im WDR. Ein Redakteur dieser Show wechselte zu Pro Sieben, um „Switch“ zu produzieren, und erinnerte sich an Hoëcker. Der wurde engagiert, als Ausreißer der Gruppe, als Kippfigur, dessen Fall abgebremst wird vom Ensemble.

Teil eines größeren Konzepts

„Ich bin überhaupt kein Einzelmensch“, räumt Hoëcker, verheiratet mit Familie, denn auch ein. „Ich mache nur Teamarbeit. Ich, allein auf der einsamen Insel - das wäre ein sehr langweiliges Comedyprogramm, was ich da entwickeln würde.“ Seine Ideen entstünden eher im Gespräch. Wie bei „Genial daneben“ also. „Da bin ich Teil eines größeren Konzeptes. Weil es mit Hella von Sinnen so hervorragend harmoniert, kann ich zwischendurch entweder versuchen, wirklich eine Lösung zu einer Frage zu finden, weil ich weiß, sie fängt das auf, damit es witzig ist - oder aber ich baue nur Mist, weil sie dann irgendwann sagt: Jetzt laß uns doch mal ernsthaft überlegen.“

„Genial daneben“ ist eigentlich nichts anderes als „Was bin ich?“ oder „Pssst!“: öffentlich-rechtliche Formate, die mit Gesichtern des Privatfernsehens auf Zielgruppe getrimmt wurden. Aus den „Ratefüchsen“ von damals sind allerdings „Panel-Existenzen“ (Harald Schmidt) geworden, die aufgereiht und abgefragt Humor produzieren. Wie beim Comedy-Boom, als die Sender immer neue, immergleiche Shows auf den Markt warfen, so sind jetzt diese „Panels“ das Humorrezept schlechthin, selbst für die vergangene Fußball-EM.

Ein alternder Hase

Und Hoëcker sitzt allzu häufig mittendrin. Was er aber gemerkt hat. „Irgendwann im letzten Sommer habe ich mir gesagt: Jetzt möchte ich nichts mehr machen außer den Sachen, die ich mache. Um mich nicht zu versenden.“ Ist er nicht längst ein Veteran dieses Geschäfts? „Ich würde lieber gern in zwanzig Jahren sagen: Ich war damals schon ein alter Hase“, antwortet Hoëcker. „Ein alter Hase ist ja jemand, den wenig überraschen kann. Und mich überraschen immer noch sehr viele Dinge. Aber es gibt zunehmend Dinge, von denen ich denke: Davon hast du schon mal gehört. Ich altere also.“

Daß Pannen-Shows wie „C.O.P.S. - Die Comedy-Cops“, in der er neben Ingolf Lück auftrat, angesetzt und bald wieder abgesetzt werden, gehörte wohl zu diesem Reifeprozeß. „Die Fernsehsender sind vorsichtiger geworden“, sagt Hoëcker nüchtern. „Sie haben einfach Sorge, daß Formate zu lange laufen müssen, bevor sie etwas einbringen. Was ein Nachteil ist, weil viele Formate erst lange laufen mußten, bevor sie gut wurden.“

Doch Hoëcker, der sich als Dienstleister versteht, sagt im nächsten Atemzug auch: „Kunst ist, was gefällt.“ Weswegen er sich zwar sehr über „stundenlange Primetime-Sendungen zur Heisenbergschen Unschärferelation“ freuen könnte - „aber das würde es einfach nicht bringen“. Einstweilen lebt er seine Liebe zu Physik und Neurochirugie im Solo-Programm aus, wo er Kommunikationsdiagramme zeichnet, die wie Ikea-Baupläne aussehen. „Worin unterscheidet sich Comedy vom Kabarett?“ fragt Hoëcker am Ende des Gesprächs. „Darin, daß es nicht um Moral geht, sondern um Naturwissenschaft.“ Darin also, daß sie genial daneben ist.

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