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Fernseh-Kritik : „Tatort“: Diese Eisheiligen kommen aus der Hölle

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Nicht einfach nur cool, auch nicht kühl, sondern frostig Bild: BR

Diesen Sonntag abend: Crime on the rocks. Im Tatort „Schneetreiben“ gefriertrocknen selbst die Kommissare vor innerer Kälte.

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          Nicht einfach nur cool, nicht kühl, sondern frostig - ein Krimi, dessen Kälte schmerzt. Ein unbarmherzig eisiger Winter in München: Die Stadt erscheint unwirklich, entrückt, die Menschen fliehen in ihre Wohnungen und Häuser; der Schnee hat seinen malerischen Zauber längst verloren, das ist nicht die weiße Pracht, die sich wie Zuckergruß über die Dächer und Zwiebeltürme legt, das ist eine abweisende Naturgewalt, die mittlerweile die bayerische Metropole in ihr strenges Korsett gezwungen hat.

          Auf einem abgelegenen Waldweg läuft eine halbnackte, getriebene, verzweifelte Frau. Immer wieder schaut sie panisch zurück auf einen Wagen, der im aggressiven Schrittempo hinter ihr herfährt. Die Frau wird immer schwächer, schleppt sich nur noch langsam voran, das Auto hält seinen bedrohlichen Abstand. Sie fällt, kann sich nicht mehr vorwärts bewegen. Ein Mann steigt aus dem Wagen, begutachtet die Szene mit distanziertem Blick: die personalisierte Herzlosigkeit, die manifeste Lust am Leid. Die Frau bewegt sich noch einmal kurz, bleibt liegen, der Mann geht gemessenen Schrittes zurück zu seinem Wagen, steigt ohne Anteilnahme und ohne Hast ein, fährt davon. Ein Förster wird in Kürze die Studentin Stefanie Thaller finden - eine junge, erfrorene Frau in Unterwäsche. Das Münchener Kommissar-Trio übernimmt einen Mordfall ohne erkennbare Motive, ohne Indizien, ohne Hinweise, erst recht ohne schnelle Ergebnisse.

          Morbide Geschichte mit angsterzeugenden Bildern

          Die Menschen in dieser Geschichte wirken erstarrt, paralysiert. Auch Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) agieren viel zurückhaltender als von ihnen gewohnt: zwei graue Ritter im unterkühlten Kampf gegen das Verbrechen. Crime on the rocks - nicht als lässiges Partyspiel, sondern als unerbittliches Duell der Polizisten mit Gegenspielern, die sich als unnahbare Eisheilige stilisieren - zwei vermeintlich erfolgreiche junge Herren aus der New Economy: Oliver Hufland (Wanja Mues) und Jasper Bruckner (Jan Henrik Stahlberg). Sie pflegen den Müßiggang der arroganten Snobs, gefallen sich als Dandys zwischen Longdrink und Smalltalk, die Tote kannten sie nicht, sagen sie.

          Eine morbide Geschichte (Buch: Claus Cornelius Fischer, Regie: Tobias Ineichen) in beeindruckende, angsterzeugende Bilder gefaßt (Kamera: Thomas Hardmeier). Da treffen sich Menschen, aber sie begegnen sich nicht; sie reden - aber nicht miteinander. Nur zwei Personen halten sich nicht an die Spielregeln, lösen sich aus der stilisierten Lähmung: Kriminaloberkommissar Carlo Menzinger (Michael Fitz), der sich ungerecht behandelt fühlt und sich vehement gegen die Vorwürfe der Dienstaufsichtsbehörde wehrt, eine Punkerin bei der Vernehmung geschlagen zu haben. Und Ludwig Thaller, der Vater des Opfers, der den Ermittlern ständig auf den Pelz rückt, damit sie endlich den Mörder seiner Tochter finden. Michael Brandner gibt den trauernden Mann mit sparsamen Gesten und dumpfer Melancholie - eine Glanzleistung in einem kalten Film.

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