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Felicitas Woll : Als ginge es um ihr Leben

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Große Rolle: Felicitas Woll Bild: AP

Sie war schon in „Berlin, Berlin“ eine Entdeckung, in „Dresden“ ist Felicitas Woll eine Sensation. Eine junge Schauspielerin, ein packender ZDF-Film und ein Familiengeheimnis.

          Darauf hat erst einmal jemand kommen müssen. Die Hauptdarstellerin aus „Berlin, Berlin“ in einer ernsten und tragenden Rolle zu besetzen.

          Man kannte Felicitas Woll als aufgeweckte, kecke Serienfigur Lolle, die vom Land in die Großstadt zieht und dort turbulente kleine Abenteuer erlebt. Hinreißendes Episodenfernsehen war das, zu sehen von 2001 bis 2004 am frühen Abend in der ARD, voll Witz, Schnelligkeit und Leichtigkeit. Felicitas Woll spielte die Hauptrolle mit todsicherem Gespür für Timing, großer Natürlichkeit und Charme, und daß ihr Talent unentdeckt geblieben wäre, kann nun wirklich nicht behauptet werden. Sie wurde mit Preisen geradezu überhäuft - neben Grimmepreis, Goldener Rose von Luzern und dem Deutschen Fernsehpreis für sie allein, gab es für die Serie sogar noch den amerikanischen Emmy.

          Sehr packend und dicht

          Jetzt ist die 26jährige in einer vollkommen anderen Rolle zu sehen. Sie spielt die Hauptrolle in der ZDF-Produktion „Dresden“, einem Zweiteiler über die Luftangriffe von 1945, Regie führte Roland Suso Richter, die Redaktion oblag Heike Hempel und Günther van Endert. Felicitas Woll ist die Krankenschwester Anna, die kurz vor ihrer Verlobung mit einem jungen Arzt steht. Doch dann kommt alles anders, erst stolpert ein fremder Mann in ihr Leben, der sie vollkommen durcheinanderbringt, dann kommen die britischen Bomberpiloten, verwandeln ihre Heimatstadt in Geröll und Asche und das Leben in etwas, mit dem man höchstens davonkommen kann.

          Große Rolle: Felicitas Woll Bilderstrecke

          Das ist alles sehr packend und dicht erzählt, eine ganz andere Klasse als „Luftbrücke“ oder „Sturmflut“, doch am nachdrücklichsten bleibt Felicitas Woll in Erinnerung, die eine Wahrhaftigkeit ausstrahlt, eine Würde und Wärme, die dem deutschen Fernsehen eine ungekannte Farbe verleihen. Einen Tag, nachdem sie den fertigen Film zum ersten Mal selbst gesehen hatte, treffe ich Felicitas Woll in Berlin. Es ist Dezember, sie ist hochschwanger (inzwischen hat sie, am 13. Februar, auf den Tag genau sechzig Jahre nach der Zerstörung Dresdens, eine Tochter geboren) und alleine vom Sitzen schon ganz außer Atem.

          Mehr als nur ein Film

          Schnell wird klar, daß „Dresden“ für sie mehr ist als nur ein Film und die Frau, die sie darin spielt, mehr als eine schöne Rolle. Sie scheint von innen zu leuchten, wenn sie über diese Arbeit spricht - und dann erzählt sie von der besonderen Verbindung, die es da gegeben hat. Als Felicitas Woll das Drehbuch geschickt bekam und zu Hause, wo sie im Großfamilienverbund mit Großmutter, Großtante, Eltern, Geschwistern auf dem Land bei Kassel zusammenlebt, davon erzählte, kam dadurch etwas ans Licht, das jahrzehntelang verschüttet gewesen war. Ein Familiengeheimnis. Etwas, über das nicht gesprochen worden war, weil die Erinnerung daran wohl zu schmerzhaft war: Die Großmutter von Felicitas Woll war während der schweren Luftangriffe am 13. Februar 1945 in Dresden gewesen. Sie war damals vierzehn Jahre alt und zusammen mit ihren Eltern und Schwestern für einen Tag aus Berlin gekommen, um sich die Stadt anzuschauen - als plötzlich die Sirenen ertönten und wenig später die größte Zerstörung ihren Lauf nahm, die bis zu diesem Tag jemals über eine Stadt aus der Luft hereingebrochen war.

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