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Faye Dunaway zum Siebzigsten : Die Sphinx aus dem Süden

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Durch Filme wie „Bonnie und Clyde“ oder „Chinatown“ wurde sie zum Gesicht von New Hollywood und zur Ikone einer ganzen Generation: Faye Dunaways Schauspielkarriere umfasst fast fünf Jahrzehnte - mit allen Höhen und Tiefen.

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          Als Jack Nicholson ihr in „Chinatown“ zum ersten Mal tief in die Augen blickt, bemerkt er im Grün ihrer Iris einen schwarzen Fleck. Einen Makel nennt sie das, ein Geburtsmal. Wer den Film kennt, weiß, wie wörtlich das zu nehmen ist. Aber es passt auch ganz allgemein auf Faye Dunaway, deren Ausstrahlung immer um eine Art brütender Finsternis im Herzen ihrer Rollen zu kreisen schien.

          Sie war das Sexsymbol des New Hollywood, eine Ikone der Spätsechziger und Siebziger, aber eine ebenmäßige Schönheit war sie nie. Ihr Gesicht wirkt aus so vielen Kanten, Flächen und Winkeln komponiert, dass man sofort an Tamara de Lempicka denken muss und den Blick nicht von ihr lassen kann, weil sie keinen Moment so aussieht wie im vorhergehenden.

          Faye Dunaway wurde 1941 in Bascom in Florida geboren, und schon deswegen konnte sie sich bestens mit ihrer ersten großen Rolle 1967 als Bonnie Parker identifizieren, jenem Mädchen, das bereit war, jeden Preis zu zahlen, um der Ödnis ihres Südstaaten-Kaffs zu entkommen, auch den einer Karriere als Killerin.

          Und vielleicht trug zu ihrer irrlichternden Energie auch bei, dass ihre bebende Lebenslust an der Seite des impotenten Clyde Barrow unerlöst blieb. Dass sie es auch cooler konnte, zeigte sie im selben Jahr an Steve McQueens Seite in der „Thomas-Crown-Affäre“.

          Legendäre Auseinandersetzungen

          Die Rückwärtsgewandtheit des Südens symbolisierte nicht nur, dass ihre beiden großen Rollen als Bonnie Parker und Evelyn Cross Mulwray in der Depressions-Ära spielten, sondern dass Faye Dunaway stets wirkte, als sei sie aus einer anderen Zeit herniedergestiegen. „Wir hatten noch Gesichter damals“, sagte Gloria Swanson einst in „Sunset Boulevard“, und zu den großen Kränkungen in der Karriere Dunaways gehört, dass sie 1994 von Andrew Lloyd Webber kurz vor der Premiere aus der Broadway-Produktion von „Sunset Boulevard“ geworfen wurde.

          Das mag auch damit zu tun gehabt haben, dass ihr jene Allüren nie fremd waren, welche Stars der großen Zeit ihrem Publikum quasi schuldig zu sein schienen. Selbst Jack Nicholson, der selbst selten etwas anbrennen ließ, sagt über die Dreharbeiten von „Chinatown“, Faye Dunaway sei „a handful“ gewesen, und ihre Auseinandersetzungen mit Regisseur Roman Polanski gelten als legendär.

          Zu Unrecht verlacht

          Nach zwei Nominierungen gewann Faye Dunaway dann 1976 den Oscar für „Network“, wo sie eine Fernsehproduzentin spielt, die selbst beim Sex nicht aufhören kann, von ihrer Karriere zu sprechen. William Holden wirft ihr zum Abschied hinterher, sie sei das verkörperte Fernsehen: von Leid und Freude gleichermaßen unberührt. Das irritiert sie allenfalls einen Moment lang, so wie sie als Milady de Winter in den Musketier-Filmen von Richard Lester Eiseskälte verkörperte. Dass für die Frau aus „Drei Tage des Condor“ und „Die Augen der Laura Mars“ später die großen Rollen dann seltener wurden, schiebt Dunaway auf den Erfolg von „Star Wars“, der die Kinolandschaft gründlich veränderte, und auf ihre Rolle als Joan Crawford in „Mommie Dearest“, für die sie zu Unrecht verlacht wurde.

          Trotzdem gab es noch eine Golden-Globe-Nominierung als Trinkerin in „Barfly“ und einen Auftritt an der Seite von Marlon Brando in „Don Juan de Marco“. Das ist für eine solche Frau zu wenig. Aber man sollte sich nicht auf den schwarzen Fleck konzentrieren, sondern lieber den unergründlichen Reiz dieser Sphinx preisen. Am heutigen Freitag ist sie siebzig geworden.

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