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„Fantastic Four“ im Kino : Wie ist Dr. Richards als Held denn so? Flach!

Wehe, wenn er wütend wird: Michael Chiklis als „The Thing” Bild: 2005 Constantin Film, München / TM and © 2005 Twentieth Century Fox

Der jüngste Streich des alten Meistergeistes: Mit der Comic-Verfilmung „Fantastic Four“ will Stan Lees Marvel-Imperium das Kino erobern. Doch die ersten Superhelden, die Menschen sein durften, wirken im Kino wie Roboter.

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          Der gefürchtete Stau aus dem Nichts findet zuweilen doch eine erstaunlich simple Erklärung. Wenn auf der Brooklyn Bridge für die Taxis kein Durchkommen ist, dann geht ein Superheld seiner Arbeit nach.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Der Berufsverkehr muß warten, denn der Held braucht Platz - um sich auszudehnen, Feuer zu fangen, auf den Putz zu hauen oder sich der Kleidungsstücke zu entledigen, die nicht mit unsichtbar werden, weil sie nicht mit im Weltraum waren, als die kosmischen Strahlen der Wissenschaft ein Schnippchen schlugen und die DNA der Forschungsreisenden durcheinanderwirbelten. Der Sinn der raumgreifenden Kunststücke? Das ist Unterhaltung! Macht Modernisierungsverlierer munter und läßt Lebensmüde glauben, daß ihre Geschichte noch ein glückliches Ende nehmen kann. Man muß nicht von der Brücke springen, wenn sich die Börsenkurse im freien Fall befinden.

          Entflammen auf Kommando

          „Die Fantastischen Vier“: In der Kinoversion der Saga von den Selbstversuchsopfern, mit deren Debüt 1961 das klassische Zeitalter der Marvel-Comics begann, ist der Titel der Akrobatentruppe eine Erfindung der Medien. Dr. Reed Richards kann sich flachmachen, Sue Storm löst sich im richtigen Moment in Luft auf, und ihr Bruder Johnny entflammt auf Kommando - im Fernsehen sieht alles phantastisch aus, sogar die reflexhaften Tugenden der Angestelltengesellschaft.

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          „Fantastic Four“ im Kino : Wie ist Dr. Richards als Held denn so? Flach!

          Aus der Live-Übertragung von der Brücke wird auch Ben Grimm nicht herausgeschnitten, von dem man glauben möchte, er sei in ein Faß Fensterkitt getunkt worden. Im Bericht über Helden des Alltags braucht man niemanden, der eine bessere Figur macht, keiner der Vier beschäftigt die Phantasie wie dieses Nichts, das nach Etwas aussieht - „The Thing“. Den Garanten betonharter Null-Toleranz würden die New Yorker auch zum Bürgermeister wählen, und es müßte seine Beliebtheit nur steigern, daß ihm die Wandlungsfähigkeit des Politikers abgeht.

          Der Fluch der Verdinglichung

          Wo „Mr. Fantastic“, das „Invisible Girl“ und „The Human Torch“ nach Belieben wieder in die bürgerliche Haut schlüpfen, da kann Ben Grimm den Fluch der Verdinglichung nicht abschütteln. Ob ihm die Stammzellforschung helfen könnte? Da ist George W. Bush vor, der am Verbot staatlicher Finanzierung der Embryonentötung festhält.

          Nur so wird die Version, die der Film von der Ursprungsgeschichte der Fantastischen Vier gibt, verständlich: Für seine Forschungen am kosmischen Schlüssel zum menschlichen Genom kann Dr. Richards keine Staatsgelder beantragen, daher muß er sich an seinen Studienfreund und Intimfeind Victor von Doom wenden. Dieser Finanzriese auf tönernen Füßen hat wie Phillip Vandamm in Hitchcocks „North by Northwest“ einen Assistenten namens Leonard, und wie James Mason mit Cary Grant kämpft Julian McMahon mit Ioan Gruffudd um die eiskalte Blonde, wobei man bei Jessica Alba an der Stelle von Eva Marie Saint allerdings eher an Softeis denkt.

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