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„Fantastic Four 2“ im Kino : Graziöser Surfer in galaktischen Gefilden

Jessica Alba ist viel zu schön, der Silver Surfer zu elegant und das „Ding“ trägt lange Hose statt Windel: Tim Story setzt mit seiner Comicverfilmung „Fantastic Four 2 - Rise of the Silver Surfer“ aufs falsche Pferd.

          3 Min.

          Kein anderer Superheld ist derart Kind der sechziger Jahre wie der Silver Surfer. Als Jack Kirby 1966 den Kampf der Fantastischen Vier gegen eine planetenverschlingende außerirdische Macht namens Galactus inszenierte, zeichnete er aus Begeisterung für die damals zum Inbegriff von Freiheit und spielerischer Leichtigkeit verklärten amerikanischen Surfer den Kundschafter des grässlichen Galactus als silbermetallicglänzenden kosmischen Wellenreiter.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Stan Lee, zusammen mit Kirby Erfinder der Fantastischen Vier und Autor sämtlicher ihrer Abenteuer, zeigte sich von dem Einfall seines Zeichnerkollegen so beeindruckt, dass er der neuen Figur einen selbst für seine Verhältnisse ungewohnt melodramatischen Ursprung verpasste: Der schwebende Späher hatte sich nur deswegen in den Dienst von Galactus begeben, um seinen eigenen Planeten zu retten. Und nun brachten ihm die Fantastischen Vier bei, die Erde zu lieben.

          Selbstlosigkeit und Eleganz

          Ein Held von solcher Selbstlosigkeit und Eleganz kommt dem Kino gerade recht. Man muss staunen, dass er im Zuge des Booms der Comicverfilmungen, der 1989 mit Tim Burtons „Batman“ seinen Anfang nahm, nicht schon viel früher sein Leinwanddebüt gab. Aber als Nebenfigur der Fantastischen Vier zählte der Silver Surfer zum Gesamtpaket einer Serie, an der Bernd Eichinger die Filmrechte erworben hatte - zu einem Zeitpunkt, als der Megaerfolg der „Spider-Man“- und „X- Men“-Kinoadaptionen noch in weiter Ferne lag. Vielmehr galten diese psychologisch allesamt angeknacksten Superhelden aus dem Verlagshaus Marvel in Hollywood als heikel im Vergleich zur DC-Konkurrenz wie Superman oder Batman. Da überließ man dem wagemutigen deutschen Produzenten selbst den amerikanischen Mythos der Fantastischen Vier.

          Vor zwei Jahren machte Eichinger dann Ernst und ließ nach einem nie in die Kinos gelangten Vorläufer, der allein deshalb 1994 gedreht worden war, um die Vertragsbedingungen zu erfüllen und sich die Rechte weiterhin zu sichern, die große Hollywoodtrickmaschinerie auf den Stoff los. Der Gummimann Mr. Fantastic alias Reed Richards? Kein Problem dank Computertechnik. Gleiches galt für Susan Storm mit ihrer Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen, für deren Bruder Johnny, der als lebende Fackel auch noch fliegen kann, und den unglücklichen Ben Grimm, der sich in ein steinernes Kraftpaket namens „das Ding“ verwandelt hat.

          Gezielt eingesetzte Trash-Ästhetik

          Der Charme des ersten Teils der „Fantastischen Vier“ (siehe: Im Kino: „Fantastic Four“) lag aber weniger in der Perfektion seiner Tricksequenzen als darin, dass es Regisseur Tim Story gelungen war, den Humor der Comics ebenso zu bewahren wie das naive Erscheinungsbild der frühen sechziger Jahre: „Fantastic Four“ erwies sich gerade nicht als Hochglanzprodukt, sondern als Film mit gezielt eingesetzter Trash-Ästhetik. Die Kritiker standen nach den Effektspektakeln von „Spider-Man“ und Konsorten diesem Rezept einigermaßen hilflos gegenüber; das Publikum aber goutierte es umso mehr, und deshalb konnte eine Fortsetzung nicht lange auf sich warten lassen. Als besonderen Clou beschert uns Eichinger, der erneut Story mit der Fertigstellung betraut hat, nun den Silver Surfer.

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