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Fans finanzieren Filme : Ein Hemd von David Lynch

David Lynchs Selbstporträt Bild: David Lynch

Bei immer knapperen Ressourcen suchen auch Filmemacher neue Wege der Finanzierung ihrer Werke. Der amerikanische Regisseur David Lynch setzt bei seinem neuen Filmprojekt auf die Großzügigkeit seiner Fans.

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          Dass es immer schwieriger wird, unabhängig produzierte Filme zu finanzieren, ist keine neue Entwicklung. Leicht war es nie, und die Karrieren der meisten Filmemacher des unabhängigen amerikanischen Kinos begannen bisher auf der Grundlage ausgereizter Kreditkarten, der eigenen wie der von Freunden und Familien. In jüngster Zeit haben nun einige Regisseure und Produzenten begonnen, die Möglichkeiten des Internets zu nutzen, um die Finanzierungslücken ihrer Projekte zu stopfen, und zwar nicht nur für den Vertrieb, sondern weit davor. Zuschauerbeteiligung, crowd funding, ist auch hier das Zauberwort, und das geht, zum Beispiel im Fall von David Lynch, so:

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Für den dritten Teil seiner autobiographischen Filmtrilogie sucht der Regisseur Fans, die für einen Beitrag von mindestens fünfzig Dollar zum Produktionsbudget als Dankeschön nicht nur Mitglied des „Lynch Three Project“ werden und „exklusiven Zugang“ zu entsprechendem Filmmaterial bekommen (aber keine DVD), sondern auch ein Poster, ein weißes oder graues T-Shirt oder eine Stofftasche, auf die ein Selbstporträt des Künstlers gedruckt ist. „Original print“ heißt das dann, was etwas verwegen erscheint. Die kleine Strichzeichnung auf grauem Grund weist zwar keinerlei Ähnlichkeit mit Lynch auf, auch wenn sie seine Initialen auf der Stirn trägt, aber einen prominenten Haarschopf hat auch dieser kleine, eher weiblich aussehende Kopf, noch dazu einen, am dem er irgendwo aufgehängt zu sein scheint; woran allerdings, ist nicht mehr im Bild. Es wird versichert, es handle sich um eine limitierte Auflage (deren Höhe aber nicht bekannt ist), und da kann man sich natürlich schon fragen, wohin das führen soll – bei einer riesigen Tausender-Auflage nämlich gerade mal zu fünfzigtausend Dollar. Limited edition heißt eben auch limited funding.

          Ist das Ganze nur ein Testballon?

          Lohnt sich dafür dieses Finanzierungsmodell? Oder rechnen Lynch und seine Leute damit, dass die meisten Spender nicht nur fünfzig Dollar, sondern deutlich mehr in ihre Kassen fließen lassen? Oder ist das Ganze nur ein Testballon? Immerhin experimentieren auch andere Regisseure und Produzenten mit ähnlichen Modellen, vergeben für Geld „executive producer“-Nennungen im Abspann oder, das soll Ridley Scott gerade angehen, benutzen Filmschnipsel, die Leute auf Youtube hochladen, als Grundlage eigener Dokumentationen. Der „Independent“ berichtete kürzlich von dem englischen Filmproduzenten Rob Fletcher, der für einen Dokumentarfilm Geld im Netz auftreibt, sich dafür eine Art Meilenprogramm (es geht um einen Reisefilm) ausgedacht hat und für 25 Dollar eine Nennung im Abspann, für hundert Dollar dazu noch ein T-Shirt verspricht.

          Wofür die Kleininvestoren im Falle Lynch ihr Geld genau hingeben, ist übrigens ein bisschen verwirrend. „Lynch Three“ deutet ja auf Vorgänger hin. Tatsächlich kann man auf Lynchs spaßiger Website die DVD von „Lynch (One)“ für 15,91 Dollar (ohne Verpackung und Versand) erwerben. Von diesem Film heißt es, er sei ein „intimes Porträt von Lynchs kreativer Arbeitsweise zu der Zeit, als er seinen letzten Spielfilm ,Inland Empire‘ beendete“. Das war 2006, und ziemlich genau so klingt die Beschreibung des aktuellen „Lynch Three“-Projekts: „Der Film ist die dritte Dokumentation über Lynchs Laufbahn und die Entstehung seines psychologischen Thrillers ,Inland Empire‘.“ Es gibt also am Ende drei abendfüllende Dokumentationen über „Inland Empire“, den vielleicht enigmatischsten Film des Regisseurs. Aber wo ist eigentlich „Lynch (Two)“?

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