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Familien im Fernsehen : Ein Herz und mehr als eine Seele

„Ein Herz und eine Seele” sind Fernsehfamilien nicht immer Bild: picture-alliance / dpa

In Deutschland gibt es immer weniger Familien - dafür treten sie um so häufiger im Fernsehen auf. In diesem Jahr könnte uns die großangelegte familienpolitische Offensive im deutschen Fernsehen erwarten.

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          Familienserien im Fernsehen stehen von jeher in Wechselbeziehung mit gesellschaftlichen Entwicklungen. Sie greifen das jeweils aktuelle Familienbild auf, versuchen aber auch, ein Idealbild menschlichen Zusammenlebens zu entwerfen.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Um dieses Leben in Gemeinschaft und en famille, jeder weiß das, ist es hierzulande zur Zeit nicht sonderlich gut bestellt: Familien gibt es immer weniger. In der bevölkerungsreichsten Nation der Europäischen Union werden so wenige Kinder geboren wie sonst fast nirgends auf der Welt. Trotzdem - oder vielleicht deshalb? - treten Familien neuerdings im Fernsehen wieder häufiger in Erscheinung. Dort waren sie zuvor nur noch eine Randerscheinung gewesen. Das hat sich jedoch nicht erst mit der „Super Nanny“ bei RTL gewandelt.

          Midlife-crisis ohne Kinder

          Ähnlich wie in der Politik, wo vor nicht allzu langer Zeit in Sachen Familie mit Blick auf die zuständige Ministerin von „Gedöns“ die Rede war, wurde auch im Fernsehen, dem vielgeschmähten Zauberspiegel, der uns doch nur vor Augen hält, was die Stunde geschlagen hat, Familie kleingeschrieben. Den Ton gaben vornehmlich die Neurosen von Zeitgenossen mit vorgezogener Midlife-crisis an wie Ally McBeal, „(Felix) Edel & (Sandra) Starck“ oder der lustigen Weiber von „Sex and the City“. Sie waren zwar allesamt (auch) von dem Verlangen nach Zuwachs getrieben, dieser erwies sich aber stets aufs neue als unerreichbar - schließlich war kein Mann gut genug und kein Abenteuer es wert, verpaßt zu werden. Und wenn es dann doch klappte, mit Kindersegen oder dem one and only ward die Serie bald nicht mehr gesehen.

          Der Kriminalfall im Abendprogramm hat nach wie vor Konjunktur, der „Tatort“ schlägt nach wie vor alles, sofern nicht gerade ein Trupp vergessener Pseudoprominenter in den Dschungel zieht. Am Nachmittag ist das Fernsehen in diversen Gerichts- und Pseudopsycho-Shows zum innerbetrieblichen Kriegsschauplatz geraten, auf dem sich zerstrittene Clans aufs gruseligste bekämpfen. Da steht dann ein „Ben“ vor der Kamera, der den Nachbar „Klaus“ beschuldigt, seine Frau „Nina“ umgebracht zu haben, und das, obwohl er an Gedächtnisschwund leidet; oder es wird einer „Anja“ unterstellt, ihre Tochter zwei Tage ans Bett gefesselt zu haben. Familie tritt hier ausschließlich in Form ihrer größtmöglichen Zerrüttung in Erscheinung.

          Elfhundertsiebenundfünfzig Intrigen

          „Ein Herz und eine Seele” sind Fernsehfamilien nicht immer Bilderstrecke

          Familienfilme und Familienserien zählen seit der ersten Sendestunde zum Inventar der deutschen Fernsehkultur, ob in Gestalt der frühen „Hesselbachs“ aus den Aufbaujahren, der bodenständigen „Drombuschs“ aus Darmstadt und als Trivialvariante à la „Schwarzwaldklinik“ in den achtziger Jahren, als satirische Travestie der Keimzelle der Gesellschaft wie in „Ein Herz und eine Seele“ mit Ekel Alfred oder als fernsehhistorisches Ereignis etwa des „Jahrhundertromans“ von Heinrich Breloer über die Schriftstellerfamilie Mann vor zwei Jahren erst. Selbst die Ewings respektive Carringtons in den amerikanischen Serien „Dallas“ und „Denver“ waren mit ihren elfhundertsiebenundfünfzig Intrigen im Anfang und bis zum bitteren Ende nichts anderes als Familien, die sich liebten, vor allem aber schlugen.

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