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„Fack ju Göthe“, erklärt : Voll frontal ins Klischee gehauen

  • -Aktualisiert am

Der Schauspieler Elyas M'Barek als Aushilfslehrer Zeki Müller und Karoline Herfurth als Lisi Schnabelstedt in einer Szene des Kinofilms „Fack Ju Göhte“ Bild: dpa

Integration ist simpler als Komik: „Fack ju Göhte“ bricht seit Monaten sämtliche Besucherrekorde im Kino. Der Erfolg ist unübersehbar, aber gar nicht so einfach zu erklären. Schaffen wir es?

          Man stelle sich bitte für einen kurzen Augenblick vor, da vorne, auf dem für seinen muskulösen Körper viel zu kleinen, waldhonigfarben lackierten Billigholzstuhl, klebe nicht Elyas M’Barek, sondern Til Schweiger, der, übergossen mit schwarzer Flüssigkeit, mit dem Stuhl am Hintern klebend vor der Klasse steht und seinen langgezogenen Kriegsruf „Ihr Wichser!“ in die Gruppe bildungsferner Allesverweigerer röhrt.

          Das wäre grauenhaft, und zwar nicht, weil Til Schweiger ein besonders schlechter Schauspieler wäre: Elyas M’Barek ist allerdings ein besonders guter, sogar besser als ein Ruf, der den 31-jährigen Österreicher mit tunesischen Wurzeln väterlicherseits zum „deutschen Justin Bieber“ ausgerufen hat.

          Die Szene mit dem Stuhl stammt natürlich aus „Fack ju Göhte“, jenem Riesenerfolg des deutsch-türkischen Regisseurs Bora Dagtekin („Türkisch für Anfänger“), der seit November in den deutschen Kinos läuft und zum erfolgreichsten deutschen Kinofilm des vergangenen Jahres wurde. Der Film ist eine Schulkomödie, die davon erzählt, wie der charmant-aggressive Prolo-Bankräuber Zeki Müller nach Absitzen seiner Gefängnisstrafe eine Stelle als Aushilfslehrer an der sozial zerrütteten Goethe-Gesamtschule antreten muss, weil seine gute Freundin, die Prostituierte Charlie (Jana Pallaske), die Beute von seinem letzten Banküberfall in einer Baustelle unter dem Schulgelände vergraben hat - blöderweise steht da, wo das Geld vergraben liegt, jetzt aber ein Baubunker, und Müller muss, natürlich, einen Tunnel graben, um heranzukommen.

          „Aggressionsabbau“ für frustrierte Schüler und Lehrer

          Das klingt erst einmal blöd. Es klingt nach deutscher Komödie. Es klingt danach, dass Müller sich bestimmt in eine verspannte Kollegin verknallt, dass er bestimmt eine Problemklasse (hier die gefürchtete „Amokklasse“ 10 b) übernehmen muss, dass er erst einmal alles total doof findet, dann aber einen Läuterungsprozess durchläuft, dass er mit unkonventionellen Methoden (Paintball-Gewehr) zum beliebtesten Lehrer der Schule avanciert und schließlich seiner kriminellen Vergangenheit den Rücken kehrt. Genau das passiert auch.

          Aber es ist überhaupt nicht blöd, es ist unglaublich lustig. Warum ist es bei Elyas M’Barek irgendwie nicht gewaltverherrlichend? In den letzten Monaten haben sich viele gefragt, wie der kolossale Erfolg von „Fack ju Göhte“ zustande gekommen ist.

          Dagtekin selbst hat in einem Interview gesagt, er glaube, dass sich schlicht fast alle Menschen mit dem „Setting“ Schule identifizieren könnten, an anderer Stelle hieß es, das zentrale Element, über welches der Film so hervorragend funktioniere, sei der „Aggressionsabbau“- Gewaltphantasien und geballte politische Incorrectness als Katharsis für frustrierte Schüler und Lehrer in einem deutschen Schulalltag, der manchmal gar nicht so weit weg ist von dem, was in „Fack ju Göhte“ gezeigt wird.

          Im gleichen Höllenboot des zerrütteten Gesamtschulalltags

          Das ist alles richtig, aber da ist noch mehr: Dagtekin ist es gelungen, eine Komödie zu schaffen, deren gesamte Machweise eigentlich so konventionell ist, dass es einen gruseln könnte - beispielsweise durchläuft die naiv-idealistische Vollblutpädagogin Elisabeth „Lisi“ Schnabelstedt, Müllers prüde Antagonistin im Blümchenkleid (Karoline Herfurth), mit der er am Ende zusammenkommt, ebenfalls einen Wandlungsprozess durch den Realkontakt mit dem charmanten Kriminellen.

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