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F.A.Z.-Gespräch : Wen wählen Sie am Sonntag, Frau Gainsbourg?

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Das Französische ist zu dicht an meinem Vater: Charlotte Gainsbourg Bild: Illustration: Burkhart Neie

Vor der Präsidentenwahl am Sonntag diskutiert ganz Paris über die Frage „Royal oder Sarkozy?“ - auch die Sängerin und Schauspielerin Charlotte Gainsbourg. Wir treffen die Tochter des legendären Chansonniers Serge Gainsbourg im Café in der Rue Montalembert.

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          Am Sonntag findet in Frankreich die Präsidentschaftswahl statt. Ganz Paris diskutiert über die Frage „Royal oder Sarkozy?“ - auch die Sängerin und Schauspielerin Charlotte Gainsbourg. Wir treffen die Tochter des legendären Chansonniers Serge Gainsbourg im Café in der Rue Montalembert. F.A.Z.

          Gleich zu Beginn die Frage, die sich in Frankreich alle stellen: Nicolas Sarkozy oder Ségolène Royal?

          Ich fühle mich eher zum linken Flügel hingezogen. Aber ich fühle mich leider nicht wohl bei der Vorstellung, mich parteipolitisch zu engagieren. Ich weiß auch nicht, warum ich solche Schwierigkeiten damit habe. Ich habe Überzeugungen, ich mag Menschen, die sich politisch engagieren.

          Es gibt viele Sänger, die für einen der Kandidaten Partei ergriffen haben - Henri Salvador und Johnny Hallyday unterstützen den konservativen Sarkozy; Renaud, Georges Moustaki, Yannick Noah, Grand corps malade und Indochine spielen für Ségolène Royal.

          Ja. Und ich bin nicht dabei. Vielleicht ist das schlecht. Ich fühle mich ehrlich gesagt auch wie ein Feigling. Aber es gibt keinen Politiker, in dem ich meine Überzeugungen wiederfinde. Ich hätte auch, was gerade viele gemacht haben, ein Album aufnehmen können, das sich direkter mit der gesellschaftlichen Situation befasst. Aber ich habe das andere Extrem gewählt. Ich habe mit „5.55“ ein sehr intimes Album aufgenommen.

          5.55 ist ihr erstes eigenes Album. Sie haben es mit Nigel Godrich, Nicolas Godin und Jean Benoît Dunckel von der französischen Band Air produziert. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

          Ich hatte Nicolas und Nigel bei einem Radiohead-Konzert in Paris getroffen. Wir haben dann viel geredet. Ich wusste nicht, was da auf mich zukam, ich wusste nur, dass ich auf Englisch singen wollte.

          Warum nicht auf Französisch?

          Das ist zu dicht an meinem Vater. Ich wusste, wenn ich ein Wort hinschreiben würde, dann würde ich sofort sagen - o.k., er hat es so und so in diesem oder jenem Song benutzt, jetzt kann ich es nicht mehr nehmen. Ich liebe so sehr, was er gemacht hat. Es ist ohnehin schon ein Problem, dass ich immer denke - was er da gemacht hat, ist so viel besser als alles, was ich schaffen kann. Darum auf Englisch.

          Und warum mit „Air“?

          Als das erste Album von „Air“ damals rauskam, war das so großartig, so neu! „Air“! Und dabei mochte ich bis dahin elektronische Musik überhaupt nicht.

          Sondern . . .

          Ja, ich war mehr für Pop zu haben. Und ich hörte meine Oldies, die ich mir bewahrt habe aus der Zeit, als ich ein Kind war: Elvis, Syd Barrett, Pink Floyd.

          Welche Pink-Floyd-Songs wurden denn zuhause bei Gainsbourgs gehört?

          „The Wall“ war mein Lieblingslied. „The Wall“ ist der Wahnsinn, wenn man Kind ist. Dieses Lied hat mich durch mein Leben begleitet. Na, und später habe ich viel Radiohead gehört, und dann „Air“. Das war eine Entdeckung, das war ganz unvergleichlich . . .

          Wie war die Zusammenarbeit - Sie schrieben die Texte, „Air“ die Musik?

          Ich hatte ein Paar Themen im Kopf, ein paar Wörter. Die Nacht sollte ein wichtiges Thema sein. Eigentlich wollte ich, dass das Album eine Story erzählt, in Kapiteln, die Songs waren, die Geschichte einer Nacht.

          So wie ein Film?

          Ja, genau.

          Sie haben zur Vorbereitung des Albums, statt mit „Air“ am Klavier zu komponieren, im Studio auch gemeinsam Filme angeschaut.

          Das stimmt. Ich hatte versucht, Texte zu schreiben. Aber ich bin kein Schreiber - also brachte ich die beiden Filme mit. Ich sagte: Schaut euch diese Szene an, so wie die Stimmung da ist, so soll mein Song klingen.

          Was für Filme waren das?

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