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F.A.Z.-Gespräch Brender : „Er bleibt der Medienkanzler“

  • Aktualisiert am
Brender spricht von „Realitätsverlust”
          2 Min.

          Nikolaus Brender, der Chefredakteur des ZDF, ist für seine Unabhängigkeit bekannt. Als er für seinen Posten vorgeschlagen wurde, freuten sich die Sozialdemokraten im Fernsehrat des ZDF, dachte man doch, Brender sei ein Linker. Doch hält er sich konsequent abseits parteipolitischer Allgemeinplätze. So weigerte er sich strikt, bei einem der beiden „Freundeskreise“, in dem sich die roten und die schwarzen Fernsehräte treffen, die das ZDF beaufsichtigen, vorzusprechen.

          Brender ist ein schwerer Workaholic, durchsetzungsfähig und weiß, was er will - das Informationsprogramm des ZDF nach vorn bringen. In den achtziger Jahren war er ARD-Korrespondent in Südamerika. Vom WDR, wo er immer mal wieder als künftiger Intendant gehandelt wird, wechselte Brender 1999 zum ZDF.

          Eine solche „Elefantenrunde“ wie an diesem Sonntag haben wir noch nicht erlebt: Der Bundeskanzler sprach von „Medienmacht“ und „Medienmanipulation“. Warum sind Sie ihm in die Parade gefahren?

          Weil es ein Vorwurf ist, der nicht zutrifft. Politiker sind täglich in Gefahr, die Medien für eigene Schwierigkeiten oder Wahlergebnisse verantwortlich zu machen. Der Bundeskanzler hat seine Kritik aber in Form und Stil so massiv vorgebracht, daß ich glaubte, dem entgegnen zu müssen. Dies war ein Schlagabtausch zwischen einem Machtinhaber und einem Vertreter der freien Presse. Der Journalist mußte dabei klären, daß er und seine Arbeit nicht zum Machtbereich des Politikers zählen.

          Glauben Sie, daß Gerhard Schröder Grund hat zu meinen, daß alle - inklusive ARD und ZDF - gegen ihn arbeiten?

          Nein. Wir Journalisten sind keine Großwesire, die ihre Meinungsmacht spielen lassen. Wir sind aber auch nicht die Hilfstruppen der Politik. Die Politiker müssen akzeptieren, daß Journalisten sie kritisieren, kontrollieren und eigene Meinungen darstellen. Es gibt sicher Zeitungen und Journalisten, die mit der Regierung besonders kritisch umgehen. Aber das ist Demokratie. Es gibt keine geplante, gezielte und gesteuerte Kampagne gegen diese Regierung, genausowenig wie es sie gegen die Kohl-Regierung gab. Ich glaube, wir haben es hier mit einem Realitätsverlust in einem bestimmten Zustand der Macht zu tun.

          Die Umfragen - waren die manipuliert?

          Nein, sie waren Augenblicksaufnahmen der Stimmung dieses Landes. Das haben wir immer gekennzeichnet. Wir haben darauf hingewiesen, daß die Wähler kurzfristig entscheiden. Sicher ist aber auch, daß sowohl die Parteien als auch die Öffentlichkeit aus einer sportlichen Perspektive heraus möglicherweise zu sehr den Umfragen glauben. Zehn Tage vor Wahl hat das ZDF festgestellt, daß Schwarz-Gelb keine Mehrheit hat. Genauso ist es gekommen. Bei den Ergebnissen der einzelnen Parteien gibt es große Diskrepanzen, das ist wahr. Die sind aber in den letzten Tagen, wenn nicht Stunden eingetreten.

          Was sagt Ihnen das, daß der „Medienkanzler“ auf Journalisten losgeht?

          Er bleibt der Medienkanzler.

          War das eine persönliche Sache?

          Nein, ich wüßte nicht. Auch nach dieser „Berliner Runde“ ändern sich unsere journalistischen Kriterien bei der Beurteilung von Politik und Person nicht.

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