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Europäischer Filmpreis : Preisregen

  • -Aktualisiert am

Penelope Cruz dankte ihrem Entdecker Almodóvar Bild: REUTERS

Schon wieder Preise für einen deutschen Film: Das Stasi-Drama „Das Leben der anderen“ wurde als bester europäischer Film ausgezeichnet, Ulrich Mühe für seine Hauptrolle als bester Schauspieler. Als beste weibliche Darstellerin wurde Penelope Cruz geehrt.

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          Man könnte sich fast daran gewöhnen - schon wieder ein Preis für einen deutschen Film. Und nicht irgendeiner. Am Samstag abend wurde Florian Henckel von Donnersmarcks Stasi-Drama „Das Leben der anderen“ bei einer Preisgala von den 1.700 Mitgliedern der European Film Academy als bester europäischer Film des Jahres ausgezeichnet.

          Nun ist es keineswegs so, als hätte es keine Konkurrenz gegeben: Ken Loachs „The Wind That Shakes the Barley“ hatte die Goldene Palme gewonnen, Yasmila Zbanic' „Grbvica“ einen Goldenen Bären, Pedro Almodóvars „Volver“ war in Cannes für das beste Drehbuch ausgezeichnet worden, Michael Winterbottoms „Road to Guantanamo“ in Berlin für die beste Regie - und Neil Jordan mit „Breakfast on Pluto“ ist auch nicht irgendwer. Aber gewonnen hat ein deutscher Film - und als wäre das nicht genug, gingen auch noch Preise fürs beste Drehbuch und für Ulrich Mühe als besten Hauptdarsteller an „Das Leben der anderen“. Selbst der beste Dokumentarfilm kam aus Deutschland: „Die große Stille“ von Philip Gröning.

          Deutsche Dominanz

          Damit setzt sich der wundersame Preisregen fort, der 2003 mit dem Oscar für Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ begonnen und seither nicht wieder aufgehört hat. „Gegen die Wand“ gewann 2004 einen Goldenen Bären und danach ebenfalls den Europäischen Filmpreis und folgte damit „Good bye, Lenin!“ nach. Das macht drei Siege in vier Jahren und spricht von einer ähnlichen Dominanz, wie sie früher Gianni Amelio, Ken Loach oder Pedro Almodóvar beim Europäischen Filmpreis ausgeübt haben.

          Geehrt als bester Hauptdarsteller: Ulrich Mühe
          Geehrt als bester Hauptdarsteller: Ulrich Mühe : Bild: dpa

          Im vergangenen Jahr gab es auch noch einen Preis für Julia Jentsch als „Sophie Scholl“, und ihr Regisseur Marc Rothemund hatte immerhin den Publikumspreis gewonnen. Das sind keine Zufälle mehr, da steckt dann fast schon System dahinter. Zumal auch jenseits des Rampenlichts von Preisverleihungen auf einmal selbst dort das deutsche Kino wahrgenommen wird, wo es jahrelang ignoriert worden war:

          Die elitären „Cahiers du Cinéma“ haben eine Zuneigung zur sogenannten Berliner Schule rund um Petzold, Heisenberg, Hochhäusler, Köhler und Shanelec gefaßt und widmen ihr seither regelmäßig längere Artikel. Und auch die renommierte britische Filmzeitschrift „Sight and Sound“ hat in ihrer neuesten Ausgabe gleich auf mehreren Seiten einen Überblick über den „recent run of high quality“ des wiedererstarkten deutschen Kinos gegeben.

          Erfolg auch an der Kinokasse

          Damit nicht der Eindruck aufkommt, all das gehe am eigenen Land spurlos vorüber: Vergangenen Monat standen zum ersten Mal seit Jahrzehnten unter den ersten fünf der besucherstärksten Filme des Wochenendes vier deutsche Filme: Tykwers „Parfum“, Wortmanns „Sommermärchen“, Unterwaldts „Sieben Zwerge“ und Schippers „Ein Freund von mir“. Im Unterschied zu früher sind das eben keine Einzelfälle, und auch wenn es immer noch an einem breiteren Mittelfeld fehlt, so gibt die Streuung auch im Fall der Preisträger Anlaß zur Hoffnung. Donnersmarck sagte in Warschau: „Das fühlt sich genauso an, als ob wir die Fußball-WM doch gewonnen hätten - oder wenigstens die Europameisterschaft.“

          Jenseits des deutschen Jubels gab es natürlich auch noch andere Preisträger: „Volver“-Hauptdarstellerin Penelope Cruz dankte unter Tränen ihrem Entdecker Almodóvar, der selbst auch ausgezeichnet wurde, für die beste Regie. Sein Film bekam auch noch den Publikumspreis, gewann für die beste Musik und teilte sich den Kamerapreis mit „The Wind That Shakes the Barley“, der ansonsten leer ausging.

          Das atemberaubende Produktionsdesign von Michel Gondrys „Science of Sleep“ wurde bedacht, als Entdeckung „13 Tzameti“ von Gela Babluani hervorgehoben, und die Kritiker der Fipresci wählten Philippe Garrels „Les amants réguliers“. Für seinen Beitrag zum Weltkino wurde der britische Produzent Jeremy Thomas (“Der letzte Kaiser“) geehrt, und der Preis fürs Lebenswerk ging an Roman Polanski, der auf der Bühne in Warschau stand und sagte: „Diesen Preis in meiner Stadt zu erhalten ist etwas ganz Besonderes. Nur gute Dinge widerfahren mir hier.“ Und Donnersmarck formuliert, was gut als Motto für den Preis gelten könnte: „Ich fühle mich europäischer als je zuvor.“

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