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Eröffnungsfilm von Cannes : Wie tötet man einen Zombie?

Auf ins letzte Gefecht: Bill Murray, Chloe Sevigny und Adam Driver in „The Dead Don’t Die“ Bild: EPA

Auf den Kopf gezielt: Die Internationalen Filmfestspiele in Cannes eröffnen mit Jim Jarmuschs „The Dead Don’t Die“. Seine „Anti-Trump“-Botschaft ist eher schlicht geraten.

          Ein bärtiger Einsiedler in Gestalt von Tom Waits wird die Sache überstehen, und Tilda Swinton auch. Der eine im Wald, die andere im Himmel oder in einer fernen Galaxie, befreit aus „Centerville USA. A really nice place.“ Der Rest der Menschheit aber, soweit sie im kleinstädtischen Amerika zu Hause ist, muss dran glauben. Aufgefressen von Zombies und damit selbst nicht wirklich tot, sondern dazu verdammt, kannibalisch durchs Land zu ziehen und zwischen ihren blutigen Fressattacken Markennamen aufzusagen. Popsicles. Snickers. Coffee. Oder auch „WiFI“. „Free Cable“. Klingt lustig? In Maßen. Manchmal. Dazu spielt der Countrysong „The Dead Don’t Die“ von Sturgill Simpson so oft, dass Bill Murray in einer der Hauptrollen die CD schließlich aus dem Fenster des Polizeiwagens wirft, mit dem er zum letzten Gefecht unterwegs ist.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Festivaldirektor Thierry Frémaux meinte in seiner Pressekonferenz, bevor es losging, der Eröffnungsfilm von Jim Jarmusch sei in hohem Maße „Anti-Trump“ und zeige, dass Jarmusch nicht einverstanden sei mit der Richtung, die sein Land unter diesem Präsidenten nehme. Niemand würde etwas anderes vermuten. Was Jim Jarmusch allerdings aus seinem Nichteinverstandensein in „The Dead Don’t Die“ macht, ist dann doch eher schlicht. Der Film mit seinen frontal aufgenommenen Bildern, durch die eine Situation genau und knapp skizziert wird, den kurzen Steadycam-Wegen und langsamen Fahrten sieht aus, als könne Jarmusch ihn im Schlaf drehen, mit Hilfe von bewährtem Personal des unabhängigen Kinos, angefangen mit Bill Murray, Danny Glover und Steve Buscemi über Adam Driver und Chloe Sevigny bis hin zu zwei Leihgaben aus der Musikwelt, Tom Waits und Iggy Pop, alle angetreten, sich ihren Applaus dafür abzuholen, dass sie zeigen, wie Amerika in der Mitte, nämlich in „Centerville“ wirklich ist.

          Wer braucht Dialoge wie diese?

          Dabei kennen wir es so doch längst aus dem Kino, unter anderem aus dem Kino von Jim Jarmusch, aus seinen Parallelfahrten entlang der Main Street, vorbei an Polizei, Diner, Bestattungsunternehmen, der Kirche und der Besserungsanstalt, hin zum Friedhof, der in diesem Fall zum Ort eines unappetitlichen Showdowns wird.

          Sicherer Beifall für den Eröffnungsfilm und seine einfache Botschaft? Das zählt schon etwas bei einem Festival, das keine weiteren Kontroversen braucht, jedenfalls nicht gleich am Anfang. Und Jim Jarmusch ist gern und oft gesehen hier, weil seine Filme mit ihren todernst aufgesagten, bizarr einfältigen Dialogen meistens etwas zum Lachen hergeben und die Darsteller und Schauspielerinnen in seinen Filmen zu Hochform auflaufen. Hier ist das alles auch so – aber wer braucht Dialoge wie diese: „Die Sache wird böse enden“, sagt der eine Polizist, der Ronnie Peterson heißt wie der Rennfahrer, aber einen Smart fährt, und wiederholt das mehrfach. „Woher weißt du das“, fragt schließlich der andere Polizist, der Cliff Robertson heißt wie der Schauspieler. „Ich habe das Script gelesen.“ „Das ganze?“ Oder auch: „Warum kommt mir das Lied so bekannt vor?“ „Das ist der Titelsong.“ Das sind Mittel wie aus Studentenfilmen, die sehr lange her sind, und die Bezüge aufs Kino, nicht nur das eigene, sind im Rest des Films nicht subtiler. Wie tötet man einen Zombie? Die Figuren wissen aus dem Horrorkino: Auf den Kopf zielen. Sollte das alles ernst gemeint sein? Oder wird dem Film mit solchen plumpen Selbstbezüglichkeiten nur der Witz ausgetrieben?

          Als er vor drei Jahren den sehr viel besseren „Paterson“ im Wettbewerb zeigte, einen Film über einen Busfahrer gleichen Namens mit lyrischem Talent, stoisch gespielt von Adam Driver, der diesmal als Ronnie Peterson dabei ist, dachten viele, Jarmusch würde endlich die Goldene Palme bekommen. Es war ein kleiner Film mit zwei großartigen Figuren, dem Dichter und seiner Frau, die die Welt neu dekoriert, und ihrem Hund (der immerhin die „Palm Dog“ gewann). Doch die Goldene Palme bekam Ken Loach. Sollte es dieses Jahr wieder so ausgehen, könnte man nicht sagen, Jim Jarmusch sei Unrecht geschehen.

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