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Ernest Borgnine : Ich habe Amerika entdeckt!

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Breites Knautschgesicht, bulliger Leib, markante Zahnlücke - für die Rolle des Bösewichts schien er wie geschaffen. In dieser Woche feiert Ernest Borgnine seinen neunzigsten Geburtstag. Ein Gespräch mit dem Filmstar über Hollywood, das Alter und Sean Penn.

          Breites Knautschgesicht, bulliger Leib, markante Zahnlücke - Ernest Borgnine, geboren am 24. Januar 1917 in Connecticut, scheint wie geschaffen für die Rolle des Bösewichts. Tatsächlich gelang ihm der Durchbruch 1953 als sadistischer Sergeant „Fatso“ in Fred Zinnemanns Kriegsdrama „Verdammt in alle Ewigkeit“. Doch schon knapp drei Jahre später bekam er ausgerechnet für die Titelfigur des sensiblen, scheuen Metzgers in Delbert Manns Romanze „Marty“ den Oscar als bester Hauptdarsteller. Seitdem spielte der Sohn italienischer Einwanderer in weit über hundert Filmen, darunter Sam Peckinpahs Western „The Wild Bunch“, Ronald Neames „Höllenfahrt der Poseidon“ sowie die Robert-

          Aldrich-Klassiker „Das dreckige Dutzend“, „Der Flug des Phoenix“ und „Ein Zug für zwei Halunken“. Gestern wurde er neunzig Jahre alt - und noch wenige Wochen zuvor, beim Turiner Filmfestival, hatte er sich sowohl körperlich als auch geistig in verblüffender Top-Form präsentiert: Mit seinen hellwach blitzenden Augen, seiner überschäumenden Lebenslust und seinem ansteckenden Lachen wirkt er mindestens fünfundzwanzig Jahre jünger.

          Bei der Oscar-Verleihung 1956 konnten Sie sich gegen Spencer Tracy, James Cagney, Frank Sinatra und James Dean durchsetzen. Hatten Sie eine Dankesrede vorbereitet?

          Nein, ich war völlig baff, denn ich hatte mir nicht einmal den Hauch einer Chance ausgerechnet. Die ganze Situation war ziemlich verrückt: Ich saß da zwischen lauter Berühmtheiten, Grace Kelly las den Namen des besten Hauptdarstellers vor, und ich klatschte mechanisch - wie man eben klatscht, wenn mal wieder ein Gewinner verkündet wird. Irgendwann hörte ich meine Frau hysterisch rufen: „Du hast gewonnen! Du hast gewonnen!“ Erst ganz langsam begriff ich, dass ich damit gemeint war. Viele Jahre später traf ich in Monaco Grace Kelly wieder. Sie fragte mich: „Haben Sie noch das Schmuckstück, das ich Ihnen damals gegeben habe?“ Und ich meinte: „Selbstverständlich, gnä' Frau!“

          1963 in der Fernsehserie „McHale's Navy” Bilderstrecke

          Vor Ihrer Schauspielkarriere waren Sie bei der Marine - zehn Jahre lang, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Später haben Sie in zahlreichen Kriegsfilmen gespielt. Lässt sich der Krieg überhaupt angemessen auf der Leinwand darstellen?

          Kaum. Aber manche Regisseure haben es wenigstens versucht. Robert Aldrich zum Beispiel: Er war in dieser Hinsicht sehr mutig und kompromisslos. Ich kann mich noch erinnern, wie das Studio ihn zwingen wollte, eine besonders brutale Szene aus „Das dreckige Dutzend“ herauszuschneiden. Er sagte: „Auf keinen Fall. Denn ich will den Leuten zeigen, was im Krieg wirklich passiert.“ Man entgegnete ihm, die Zuschauer würden seine Bilder nicht aushalten. Darauf meinte er: „Pech für sie. Wir müssen sie wachrütteln!“ Er weigerte sich standhaft. Und nur aus diesem Grund hat er keinen Oscar bekommen. Basta!

          Konnten Sie Ihre eigenen Erfahrungen als Soldat später in Ihren Rollen verarbeiten?

          O ja. Viele meiner Filmfiguren habe ich nach realen Vorbildern gestaltet. Der teuflische Sergeant „Fatso“ aus „Verdammt in alle Ewigkeit“ ist zum Beispiel einem Bootsmann aus meinen Marine-Zeiten nachempfunden - ein blutrünstiger Kerl, der auch vor Mord nicht zurückschreckte und ständig eine Zigarre im Mund hatte. Wenn sie nach oben zeigte, wusste man, dass man sich höllisch in Acht nehmen musste. Sein feistes Dauergrinsen werde ich nie vergessen. Insofern war die Rolle des „Fatso“ für mich fast ein Kinderspiel.

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