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Erfinderfilm „Edison“ : Zwei Männer, die nicht verlieren wollen

Nur einmal begegnen sie sich, jedenfalls im Film: Michael Shannon als George Westinghouse und Benedict Cumberbatch als Thomas Edison Bild: dpa

Als die moderne Industriegesellschaft noch jung war, entbrannte ein Unternehmerkrieg um ihre Elektrifizierung. „Edison – Ein Leben voller Licht“ will davon erzählen, aber selbst Benedict Cumberbatch kann den Film nicht retten.

          3 Min.

          Große Erfinder sind aus einem inneren Widerspruch heraus selten erfolgreiche Unternehmer. Wer je versucht hat, ein Patent anzumelden, weiß, wie viel Kraft der Beweis kostet, eine Idee selbst gehabt zu haben. Die allgemeine Sympathie wiederum gilt stets den der Erhellung der Welt Verpflichteten.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Thomas Alva Edison, Inhaber von mehr als tausend Patenten, repräsentierte diese Unvereinbarkeit von Unternehmertum und Erfindergeist. Die genialischen Ideen sollen ihm nur so aus dem Kopf, die Erträge dann aber unbeständig in die Tasche geflossen sein. Das meiste gab er offenbar für seine Versuchsanordnungen aus, auch zu vermarkten wusste er seine Ideen nicht, was dann wiederum andere übernahmen. In Einzelfällen war die Lage auch komplexer. Aber für eine Geschichte über Ruhm und Gerechtigkeit, Berufung und Kalkül, Opportunismus und Überzeugung war der Stoff schon 1940 ergiebig, als eine zweiteilige Filmbiographie mit Spencer Tracy erschien, in der das Schaffen des Erfinders von düsteren Gegenspielern bedroht wurde.

          Mehr Tiefe

          Eine neue Version der Edison-Saga drehte Alfonso Gómez-Rejón bereits im Winter 2016. In die amerikanischen Kinos kam der Film damals nicht, der zuständige Verleih trug den von einem Tag auf den anderen unbeliebt gewordenen Namen Weinstein. Nach zwei Jahren traute man sich dann doch, hatte nochmals gekürzt und neue Szenen gedreht, um den Charakteren mehr Tiefe zu verleihen.

          Die Filmhandlung begegnet Edison zu einem Zeitpunkt seines Lebens, als mächtige Geldgeber und der amerikanische Präsident ihn samt Frau und Kindern empfangen. Gerade hat Edison nach jahrelangem Tüfteln das elektrische Licht für den Hausgebrauch entwickelt. Der Phonograph, das erste Instrument, das Stimmen aufnehmen und abspielen kann, hat ihn berühmt gemacht. Waffen für die Regierung will Edison trotzdem nicht entwickeln. Nie werde er Geräte bauen, die Menschen töten. Schon springt der Erfinder wieder auf und sitzt im Privatzug nach Hause. Einen Unternehmer, der ihn auf der Rückreise erwartet, lässt er am Bahngleis stehen. Es scheint, hier habe der um den Schlaf seiner Kinder besorgte Vater entschieden.

          Das alles bleibt zunächst unverdächtig, denn die Miene Benedict Cumberbatchs, den wieder einmal die Aura des genialen Sonderlings umgibt, wirkt verlässlich. Als Sherlock Holmes war Cumberbatch seinen Widersachern meist einen Schritt voraus und in „The Imitation Game“ als Alan Turing ein Workaholic mit autistischen Zügen, dem seine Freundin nicht einmal die Offenbarung seiner wahren sexuellen Neigungen übelnahm. Über Cumberbatch ist außerdem inzwischen bekannt, dass er der Großneffe siebzehnten Grades von Arthur Conan Doyle ist.

          Wieder einmal umgibt ihn die Aura des genialen Sonderlings: Benedict Cumberbatch als Thomas Alva Edison.

          Aber das Genie ist in seinem Starrsinn gefangen. Natürlich bleibt es nicht bei einer fulminanten Vorführung der Leuchtdauer der Glühbirnen vor seinem Forschungslabor in Menlo Park. Edisons Arbeit soll für viele Tausende verfügbar werden, sein Gleichstrom ist jedoch nicht die geeignete Versorgungstechnik. Anderen wird das schnell bewusst, etwa dem zwischenzeitlich eingestellten, immer gut gekleideten, aber hartnäckig ignorierten Nikola Tesla, der für Wechselstrom plädiert („Sie denken nicht effizient“). Dasselbe sagt auch George Westinghouse, der Großunternehmer, der am Bahnhof stehengelassen wurde. Zu gefährlich, beharrt Edison.

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