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Filmabend zu „Eiskalte Engel“ : Liebe ist noch schlimmer als Sex

Kuscheln kann giftiger sein als ein Duell unter Skorpionen: Sarah Michelle Gellar (links) und Ryan Philippe kurz vor dem tödlichen Streich. Bild: picture alliance / United Archives

Der zweite F.A.Z.-Filmabend für Abonnenten nimmt am Mittwoch ab 19 Uhr den Gefühlshorror-Klassiker „Eiskalte Engel“ auseinander – und lädt im Anschluss zur Diskussion.

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          Angeblich liegt die Zeit noch nicht lange zurück, in der selbst die umtriebigsten und ehrgeizigsten Medien- und Kulturbranchenmenschen sich halbwegs frei entscheiden konnten, welche und wie viele unter den neuen digitalen Kommunikations- und Koordinationsangeboten sie nutzen wollten, wie oft und wozu. Inzwischen nähern wir uns in diesen Sphären mit Riesenschritten einer inoffiziellen, aber strengen Instagram-, Tiktok- und Twitterpflicht, und wer sich zu der Behauptung hinreißen lassen würde, irgendein übers Internet erreichbarer elektronischer Dienst sei nur etwas „für Verklemmte und Pädophile“, käme unverzüglich wegen Ketzerei an den www-Pranger.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Genau diese Behauptung jedoch traut sich ein sehr böser und verwöhnter Jüngling, der auf handgeschriebene romantische Lügenbriefe und gruslige Tagebücher schwört, kurz vor dem Höhepunkt des Films „Cruel Intentions“ von Roger Kumble aus dem Jahr 1999. Die deutsche Fassung nennt diesen Film, dessen Titel in wörtlicher Übertragung „Grausame Absichten“ lauten müsste, „Eiskalte Engel“. Diese freie Nachdichtung haut durchaus hin, sofern man bereit ist, „Engel“ als Synonym für „kokainabhängige Dildo-Dämonen aus dem Reizwäscheregal“ zu lesen. FAZ.NET stellt diesen Film am 26. Januar um 19 Uhr allen Abonnenten zur Verfügung und lädt zum Gespräch darüber ein.

          Jungstar-Trio Ryan Philippe, Sarah Michelle Gellar und Reese Witherspoon

          Kumbles zutiefst finsteres, stellenweise (und wohl nicht immer absichtlich) aber auch geradezu inhuman lustiges Werk überträgt die Handlung des haarsträubenden und aus jedem Satz nach Schwefel stinkenden Briefromans „Les Liaisons Dangereuses“ (1782) von ­Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos ins Amerika der letzten Jahrtausendwende. Das Buch ist mehrfach auf der Leinwand nacherzählt worden; die berühmteste Fassung schuf Stephen ­Frears rund zehn Jahre vor „Cruel Intentions“ mit Glenn Close und John Malkovich, sie heißt „Dangerous Liaisons“ (deutsch wie das Buch: „Gefährliche Liebschaften“). Zwischen der von Frears gebauten Fassung und derjenigen, die Kumble verantwortet, flutet und ebbt allerlei Okkultes zwischen Besetzung, Motivik und Lichtregie hin und her, was Vergleiche reizvoll macht, da in beiden recht texttreu die Geschichte einer höllischen Wette erzählt wird, die ein erotisch überreizter, hartherziger Mann und sein noch viel übleres weibliches Pendant miteinander abschließen – es geht um Verführung, eigentlich: sexuellen Betrug beziehungsweise sexualisierte Nötigung oder Seelenerpressung, jedenfalls aber darum, dass Liebe, anders als die Fans platonischer Sublimierung glauben, noch viel destruktiver sein kann als Sex.

          Bei Kumble ist das primär als lebensgefährliche Gelegenheit für das Jungstar-Trio Ryan Philippe, Sarah Michelle Gellar und Reese Witherspoon inszeniert, schon zu Beginn ihrer jeweiligen Karrieren Leistungen zu erbringen, denen kaum etwas, was sie danach in Film und Fernsehen tun durften, auch nur nahe kommen konnte. „Eiskalte Engel“ ist nicht alt, aber schon historisch, hat sich in einigen Aspekten erstaunlich gut gehalten und geht andererseits in vielerlei Hinsicht überhaupt nicht mehr. Das Ding passt wie bestellt in die Welt der Youtube-Influencerei und hat zugleich keine Ahnung, was das ist (oder, von 1999 aus gesehen, sein wird) – lauter Gründe, den Film am Mittwochabend ab 19 Uhr im Rahmen des zweiten F.A.Z.-Filmabends zunächst zu zeigen und dann bei lebendigem Leib zu sezieren. Für die Anatomiediskussion bereit stehen aus der Redaktion Dietmar Dath und Maria Wiesner. In Kooperation mit dem Streamingdienst Pantaflix entwickelt, bietet der Filmabend also F.A.Z.-Abonnenten Gelegenheit für Fragen oder Wortmeldungen in der an den Film anschließenden Diskussion mit den Redakteuren.

          Wie der Abend abläuft

          Wenn Sie noch kein Abonnement haben, können Sie es hier abschließen. Jeder Filmabend beginnt mit einer kurzen Einführung in das jeweilige Werk, dessen Auswahl bei der Redaktion liegt. Dann startet der Film (eventuell muss bei einigen Browsern diese Seite zu Beginn der Veranstaltung aktualisiert werden, um den Stream zu starten). Fragen oder Wortmeldungen für die anschließende Diskussion können nach Registrierung auf FAZ.NET (auch bereits während der Filmvorführung) über die Kommentarfunktion geteilt werden.

          Wenn der Abspann die Filmschaffenden in voller Länge gewürdigt hat, diskutieren Dietmar Dath und Maria Wiesner aus der Redaktion mit dem Publikum und miteinander. So soll ein Raum für den Gedankenaustausch entstehen, der über das übliche kritische Register (etwa einer Rezension) hinaus nach Anschlüssen und Urteilen sucht, die dem Reichtum des Spielfilmformats ge­recht werden.

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