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Zum Tod von Claus Biederstaedt : Einer kam durch

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Claus Biederstaedt Bild: Andreas Müller

Die Stimme von Marlon Brando, Peter O’Toole und eine der strahlendsten Erscheinungen des deutschen Nachkriegsfilms: Zum Tod des Schauspielers und Sprechers Claus Biederstaedt.

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          Für „Die Brücke“, Bernhard Wickis aufrüttelnden Kriegsfilm von 1959 über das Verheizen der Flakhelfer, war er schon zu alt, da mussten Volker Lechtenbrink und Fritz Wepper ran; aber es war auch seine Geschichte, die dort erzählt wurde. Claus Biederstaedt, 1928 in Pommern geboren, muss, darüber schwieg er sich freilich eisern aus, Furchtbares erlebt haben, wurde aber trotzdem oder deswegen eine der strahlendsten Erscheinungen des deutschen Nachkriegsfilms. Den sechzehnjährigen Gymnasiasten hatte es an die Ostfront verschlagen, seine Kameraden kamen reihenweise um, die Mutter wähnte auch ihn gefallen und beging aus Verzweiflung Suizid. Was war das für eine Generation, die sich von dergleichen nie etwas anmerken ließ?

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Claus Biederstaedt hatte die Disziplin und das Können, um ein makelloser Sprecher und ein seinen Körper völlig beherrschender Schauspieler zu werden, und er hatte die richtigen Lehrer. Will Quadflieg unterrichtete ihn am Hamburger Schauspielhaus, von wo aus Biederstaedt an die besten deutschen Bühnen kam, und debütierte 1952 in dem schwülstigen, zeittypisch auf menschliche Noblesse setzenden Arzt- und Spätheimkehrer-Melodram „Die große Versuchung“, wofür er auf Anhieb den Deutschen Filmpreis bekam. Damit war sein Rollenprofil auch schon einigermaßen festgelegt: das des gewinnend auftretenden jungen Mannes, der sich nicht unterkriegen lässt, eine Art modernerer Heinz Rühmann, der allerdings das Pech hatte, dunkelhaarig zu sein und deswegen, anders als sein Jahrgangsgenosse Hardy Krüger, als interessanter Deutscher in Hollywood keine Verwendung zu finden.

          Claus Biederstaedt im Jahr 1998 in München
          Claus Biederstaedt im Jahr 1998 in München : Bild: dpa

          Was er hierzulande machte, kann sich aber auch sehen lassen. Ob beim Klamauk („Charleys Tante“), der klassischen Verwechslungskomödie („Drei Männer im Schnee“, nach Kästner) oder im Melodram („Der letzte Sommer“) – überall machte er, als Arzt, Musiker oder Werbefachmann, eine gute Figur, keineswegs nur „Typ Schwiegersohn“.

          Der deutsche Film wurde immer seichter, Biederstaedt spielte anstandslos und professionell im Siebziger-Fernsehkrimi mit und wandte sich mehr und mehr dem Synchronsprechen zu, in dem er es ebenfalls zur Meisterschaft brachte. Indem er seinen nahezu idealtypisch schönen Bariton Marlon Brando (jedenfalls im gewagten „Letzten Tango von Paris“), Peter O’Toole, Inspector Columbo und James Garners Detektiv Rockford lieh und in diversen Dokumentationen als Off-Stimme eingesetzt wurde, bei der man sich jederzeit geborgen fühlte, machte er doch noch eine internationale Karriere. Nun ist Claus Biederstaedt kurz vor seinem zweiundneunzigsten Geburtstag nahe München gestorben.

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