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Die lauten Zwanziger: Dreharbeiten bei der Filmfirma Tri-Ergon Bild: Archiv Hans Vogt jr

Ausgestellte Filmgeschichte : Horch mal, wer da filmt

Kartoffelsäcke gegen Großstadtlärm: In der Bielefelder Ausstellung „Die große Illusion“ wird der Klang des frühen Kinos an historischem Ort ins Bild gesetzt.

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          Wer sich im Homeoffice des Öfteren fragt, was die Nachbarn so unermüdlich klopfen und hämmern und warum die Welt außerhalb des eigenen Zimmers eigentlich so laut sein muss, der kennt die Probleme, vor denen die Erfinder des Tonfilms vor rund hundert Jahren standen.

          Maria Wiesner
          Koordinatorin „Stil“.

          Kaum hatten die Ingenieure Joseph Massolle, Hans Vogt und Jo Engl im Februar 1921 ein Bild mit dazugehörigem Ton im sogenannten „Lichttonverfahren“ aufnehmen können, mussten sie feststellen, dass ein Stummfilmatelier nicht die beste Akustik hat. Um den Hall zu dämmen, mieteten sie tausend Kartoffelsäcke, die sie an die Wände ihres Studiolabors in Berlin hängten (unser Bild oben). Die Kamera ratterte aber noch immer zu laut und störte die empfindliche Tonaufnahme. Also packten sie sie in ein Holzgehäuse und füllten es mit Sägespänen.

          Sprache und Musik waren nun auf den Aufnahmen verständlich. Da das Atelier jedoch unweit der belebten Friedrichstraße lag, mussten die Dreharbeiten trotzdem ab und an unterbrochen werden, wenn der Lärm der Großstadt zu stark anschwoll. Regisseur Rudolf Meinert, der zwei Jahre zuvor den expressionistischen Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“ produziert hatte, musste einen Dreh mehrfach unterbrechen, weil sich „ein Leierkastenmann mit Trommel, klingendem Helm, Zimbeln und Trompete ausgerechnet vor der Haustür aufgebaut“ hatte, wie sich später Frieda Engl, Ehefrau des Tonfilmingenieurs Jo Engl, erinnert.

          Die Ausstellung „Die große Illusion“ bietet einen Blick in die Bielefelder Filmgeschichte. Hier ist der Andrang bei der Eröffnung des Atriumkinos 1957 zu sehen.
          Die Ausstellung „Die große Illusion“ bietet einen Blick in die Bielefelder Filmgeschichte. Hier ist der Andrang bei der Eröffnung des Atriumkinos 1957 zu sehen. : Bild: Historischen Museum Bielefeld/Tri-Ergon Filmwerk

          Ein üppiges Trinkgeld veranlasste ihn obendrein nicht etwa zum Gehen. Stattdessen ermunterte es ihn, noch lauter und länger vor dem Atelier zu spielen. Und da man sich über widrige Umstände nicht einfach nur beschweren, sondern irgendwie kreativ mit ihnen umgehen muss, holte Meinert den „Musiker“ kurzerhand nach oben und integrierte seinen Auftritt in die Aufnahmen. So erzählt es der umfangreich illustrierte Band „Die große Illusion. Bielefelder Kinogeschichte(n) aus 125 Jahren“, den die Stiftung des Tri-Ergon-Filmwerks zur gleichnamigen Ausstellung in Bielefeld herausgegeben hat.

          Die läuft dort noch bis zum 30. Mai und stellt nicht nur die technische Seite des Kinos vor; sie erzählt auch die Geschichten des Tonfilmpioniers Joseph Massolle und des Stummfilmregisseurs Friedrich Wilhelm Murnau, die beide in der Stadt geboren wurden.

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