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„Die Woche der Kritik“ : Schlafende Museen, hellwache Kameras

  • -Aktualisiert am

Zwiegespräch mit den Werken des Symbolisten Gustave Moreau: Szene aus dem Festival-Film „Ein Museum schläft“. Bild: Camille de Chenay/ Maxime Bonan

Die 71. Internationalen Filmfestspiele Berlin haben diese Woche begonnen, doch nicht jeder Film passt zur Berlinale. Die Schwesterveranstaltung bleibt beim eigenen Blick: Eindrücke von der „Woche der Kritik“.

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          Ein junger Mann verbringt eine Nacht im Freien. Am Morgen tätschelt er freundlich den Baum, der ihm Schutz gewährt hat. Der Baum kann auch sprechen, er unterhält sich mit einem weiblichen Baum über dies und jenes, und über den jungen Mann. In Camille de Chenays Film „“ („Ein Museum schläft“) ist alles auf geheimnisvolle Weise mit allem verbunden, nicht zuletzt die Kunst mit der Wirklichkeit.

          Ein Museum mit Bildern von Gustave Moreau, einem Symbolisten aus dem neunzehnten Jahrhundert, ist Ort der Begegnung zwischen dem jungen Mann Ornicar/Ornorso und der jungen Claire. Ihre Liebe gehört der Vergangenheit an, er hat sie für ein Jahr verlassen, um als ein anderer zurückzukommen. Aber hat die Liebe nun noch eine Chance?

          „Ein Museum schläft“ ist einer der Filme, den das Festival Woche der Kritik dieses Jahr ausgesucht hat. Es findet parallel zur Berlinale statt, zum siebenten Mal nun schon seit der ersten Ausgabe im Jahr 2015. Damals wollte es eine Gruppe von Cinephilen nicht länger damit bewenden lassen, an der Programmierung der Berlinale unter Dieter Kosslick herumzumäkeln. Sie wollten zeigen, dass das A-Festival trotz seines umfangreichen Programms mit jeweils deutlich über 300 Filmen immer noch wesentliche Positionen aus dem Weltkino übersah. Mit dem Namen Woche der Kritik spielten sie auf ein berühmtes Vorbild an: In Cannes wurde schon 1962 eine Semaine de la critique gegründet, um auf neue Strömungen in der Filmkunst reagieren zu können.

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          Ein Zufluchtsort für Filme

          Bei der Berlinale gibt es inzwischen seit dem Vorjahr mit Carlo Chatrian einen neuen künstlerischen Direktor, der mit „Encounters“ auch gleich noch eine neue Reihe ins Leben gerufen hat. Dort versucht er etwas durchaus Ähnliches wie die Woche der Kritik, nämlich Filmen eine Plattform zu geben, die nirgends so richtig hinpassen. „Un musée dort“ könnte man sich durchaus auch in Encounters vorstellen, läuft nun aber eben bei der Parallelveranstaltung, und zwar im Rahmen einer Debatte über „Kunstsprache“. Ein artifizieller, verrätselter Film über das Thema, bei dem das französische Kino sich besonders kompetent fühlt („L’amour“), und über die Beziehungen zwischen Film und Phantasie. „Unsere Erinnerungen schlafen in den Bildern.“ Wann ist dann der Moment zum Erwachen?

          Dass sich die Liebe gern in Kunstsprachen äußert, dass sie Medien braucht, das leuchtet ein. Die Woche der Kritik aber hebt sich auch dadurch von einem konventionelleren Festival ab, dass die Programme deutlicher kuratiert sind. Die Filme kommen in der Regel in Paaren und mit Überschriften. „Un musée dort“ wird mit dem deutschen Beitrag „Freizeit“ von Caroline Pitzen zusammengespannt, und da zeigen sich gleich starke Reibungsmomente. Denn hier sieht man eine engagierte Jugend, die sich zu antifaschistischem Alarm herausgefordert fühlt, die auf dem Fahrrad zwischen den Investorenquartieren an der Spree in Ost-Berlin herumflitzt und die jederzeit die Devise unterschreiben würde, dass es viel besser ist, wenn Leute Häuser besetzen als fremde Länder.

          In der Form aber finden sich durchaus Ähnlichkeiten, auch „Freizeit“ sucht nicht einfach einen Gestus unmittelbarer Dokumentation, sondern zeigt ein Interesse (auch der Figuren) an ästhetischer Gestaltung, an der Überformung der politischen Willenssuche. Der jung verstorbene Schriftsteller Ronald M. Schernikau, der in der DDR etwas vertrat, was man heute als Identitätspolitik bezeichnen könnte, der aber auch am Kommunismus festhielt, als die D-Mark kam, wird bei Caroline Pitzen zu einer Bezugsfigur.

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