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Helene Hegemanns Film „Torpedo“ : Jung genug für die Kunst

  • -Aktualisiert am

Alice Dwyer als Mia in einer Szene aus „Torpedo” Bild: picture-alliance/ dpa

Mit fünfzehn hat Helene Hegemann diesen Film gedreht und mit vierzehn geschrieben: „Torpedo“ ist ohne jede Frage ein Lichtblick in einem recht grauen deutschen Kinojahr.

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          Erzähl doch etwas von dir selbst“ - das ist so eine Weisheit, die man auf Filmhochschulen lernt, wenn man einen Stoff sucht. Nähe zum Gegenstand, so glaubt man, befördere die Qualität der Kunst, was ebenso richtig wie völlig falsch ist. Denn jeder ist ja auch der Schöpfer seiner Biographie. Und das Kino ist unter allen Künsten wohl diejenige, die die erstaunlichsten Selbsterfindungen ermöglicht, eine Zauberkunst der Verwandlung.

          Heute kann man in der Berliner Volksbühne „Torpedo“ sehen, einen kurzen großen deutschen Film, in dem die Regisseurin Helene Hegemann den Münchhausen-Trick vorführt und sich selbst aus dem Sumpf zieht. Denn dieses Debüt, das gerade auf den Hofer Filmtagen Premiere hatte, ist nicht nur ganz und gar erfunden, es ist zugleich autobiographisch.

          Ein Lichtblick

          „Mia ist fünfzehn und stark traumatisiert.“ So liest sich der Plot, und weiter: „Nach dem Tod ihrer Mutter wird sie in die linksresignative Kulturszene Berlins katapultiert.“ Das ist ziemlich genau Helene Hegemanns eigene Geschichte, und auch wenn es die Regisseurin nicht gern hört, muss man an dieser Stelle doch verraten, dass sie erst sechzehn ist.

          Den Film hat sie mit fünfzehn gedreht, mit vierzehn geschrieben, und als ihre Mutter starb und sie nach Berlin zog, war sie dreizehn. „Die mögen ,Torpedo' vielleicht nur, weil ich so jung bin.“

          Ihre Furcht ist verständlich, aber völlig unbegründet. Denn wüsste man es nicht besser, würde man Helene Hegemann nach diesem Film für eine erwachsene Frau halten, die ein bisschen spinnt, aber das sehr produktiv, die etwas zu viel von Theater und Musik versteht, und dies alles in ihrem erstaunlichen Film verquirlt hat, weshalb „Torpedo“ unglaublich tolle Szenen, aber auch missglückte Momente hat. Der Film ist ohne jede Frage ein Lichtblick in einem recht grauen deutschen Kinojahr.

          Keine Sorge

          Ganz ohne Filmförderung - dort lehnte man den Antrag ab - wurde „Torpedo“ produziert, auch ohne Fernsehbeteiligung, obwohl man denken würde, dass dieser Film eigentlich genau das ist, wofür Redaktionen wie das „Kleine Fernsehspiel“ des ZDF einmal gegründet wurden.

          Die Regisseurin plant bereits etwas Neues, eine „Medea“-Geschichte. Ihr erster Roman soll bei Rowohlt erscheinen, und kürzlich hat sie neben Sandra Hüller die Hauptrolle im neuen Film von Nicolette Krebitz gespielt, der sich unter anderen um Ulrike Meinhof dreht. Bei so viel Aktivität muss sie sich keine Sorgen machen, dass man sie auf „diesen komischen Teenager-Behinderten-Bonus“ reduziert. Nein, man muss sich Helene Hegemann als eine sehr ernst zu nehmende Künstlerin vorstellen.

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