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Liv Ullmann wird 80 : Ein ganzes Leben spiegelt sich in ihren Augen

Durch ihren Auftritt als Elisabeth Vogler in Ingmar Bergmans Film „Persona“ aus dem Jahr 1966 wurde Liv Ullmann berühmt. Bild: Ullstein

Zusammen mit Ingmar Bergmann bildete sie eines der berühmtesten Paare des Weltkinos, und zwar auf Augenhöhe. Nach der schmerzlichen Trennung führte sie auch selbst Regie. Liv Ullmann zum Achtzigsten.

          In Ingmar Bergmans Film „Schreie und Flüstern“ von 1972 spielt Liv Ullmann die großbürgerliche Ehefrau Maria, die ein Verhältnis mit dem Arzt ihrer Kinder hat. In einer Szene fordert Erland Josephson, der Darsteller des Arztes, Maria auf, sich mit ihm vor den Spiegel zu stellen. Hier, sagt er zu ihr, diese Linien um deinen Mund, das sind Bitterkeit und die Gier, die drei Falten auf der Stirn sind Langeweile und Müßiggang, und auf deinen Wangen malt sich dein Lebensüberdruss.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Währenddessen blickt die Kamera unverwandt in Liv Ullmanns Gesicht. Es ist makellos. Man sieht nichts darin von dem, worüber der Arzt spricht. Und doch spürt man, dass er recht hat. Denn über das Gesicht, das er beschreibt, zieht sich die Spur seiner Worte wie ein Schatten. Die Falten sind noch nicht da, doch sie werden kommen. Die Gier, die Bitterkeit, der Überdruss, die Langeweile, sie spiegeln sich in Marias Augen, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie sich auch in ihre Haut eingraben werden.

          Ingmar Bergman war Liv Ullmanns Schicksal. Seine Filme haben sie zu dem gemacht, was sie in den sechziger und siebziger Jahren war: eine der größten Schauspielerinnen des Weltkinos. Als sie sich trafen, war Ullmann, geboren in Tokio als Tochter eines norwegischen Ingenieurs und aufgewachsen in Toronto, New York und Trondheim, siebenundzwanzig und Bergman zwanzig Jahre älter. Sie drehten „Persona“ und „Passion“ und „Die Stunde des Wolfs“, Liv Ullmann bekam ein Kind, und Bergman baute für sie ein Haus auf der Ostseeinsel Fårö.

          Fünf Jahre blieben sie zusammen, er nannte sie seine Stradivari, und sie nannte ihn, nach der Trennung, den Menschen, der ihr am meisten weh getan habe im Leben. Aber als sie selbst mit dem Regieführen anfing, verfilmte sie eines seiner Drehbücher, und am Tag vor seinem Tod flog sie nach Fårö und dankte ihm für alles, was er ihr gegeben hatte. Es gibt solche Paare im Kino immer wieder, aber es ist selten, dass der eine dem anderen dabei auf Dauer gewachsen ist. Diese beiden waren es.

          Was das heißt, sieht man in „Herbstsonate“ (1978), dem vorletzten Film, den sie zusammen gedreht haben. Ingrid Bergman spielt eine berühmte Konzertpianistin, und Liv Ullmann ist ihre unscheinbare, mit einem Landpfarrer verheiratete Tochter. Im Lauf eines Wochenendes werden alte Rechnungen aufgemacht, und zuerst sieht es so aus, als hätte die Mutter die Nase vorn. Aber dann redet sich die Tochter in Rage, und auf einmal ist es ein Duell auf Augenhöhe. Jeder andere Regisseur hätte daraus eine Parabel über Hollywood und Europa und den Preis des Ruhms gemacht, aber Bergman bleibt ganz bei den beiden Frauen. Er weiß, dass er sich auf Liv Ullmann verlassen kann. Sie bringt das Pfarrhaus zum Leuchten, mit ihren Augen, ihrem Gesicht und allem, was er darin liest.

          Liv Ullmann hat auch für Mario Monicelli und Richard Attenborough vor der Kamera gestanden, und ihre Verfilmung von „Fräulein Julie“ kann sich sehen lassen. Aber was heißt das schon, wenn man mit dem größten aller europäischen Regisseure gedreht hat. An diesem Sonntag wird sie achtzig Jahre alt.

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