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„Edge of Tomorrow“ im Kino : Taumeln durch die Zeit, zu zweit

Endlich Schlachtenglück: Szene aus „Edge of Tomorrow“ mit Emily Blunt und Tom Cruise Bild: Warner Bros. Pictures

Hemmungsloser Irrsinn, das aber erstklassig: Tom Cruise und Emily Blunt stellen in „Edge of Tomorrow“ die richtige Frage und machen so aus einer Kampf-Oper über das Ende der Zivilisation noch einen richtig guten Liebesfilm.

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          Außerirdische Wischfeudel mit Horrortentakeln, Saugwurmköpfen, Rattenwut und Piranhamanieren greifen an. Tom Cruise lässt sich das Gesicht mit einer Marzipanmaske glasieren, wirbt Menschen für die Verteidigungsarmee an und wird von Leuten, die Drückeberger wie ihn nicht leiden können, an die Front geschickt.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Dort beißt ihn eins der Ungeheuer tot, woraufhin er am Morgen seines soeben beendeten letzten Lebenstages wieder zu sich kommt. Die Eventmanager der Außerirdischen haben ihren Raumzeit-Stoffwechsel nämlich mit dem Lied „Every day is exactly the same“  (2005) von Trent Reznor, dem Film „Groundhog Day“ (1993) mit Bill Murray und der Fernsehserie „True Calling“ (2003 bis 2005) mit Eliza Dushku gefüttert und alle drei so gut verdaut, dass die Ausscheidungsprodukte dieses Vorgangs sich als perfekter Dünger für den Plot eines rundum geländetauglichen, vielseitig übergeschnappten und apokalypsensicher abgefederten Science-Fiction-Action-Thrillers erweisen.

          Der darf sogar Leuten gefallen, die Tom Cruise nicht leiden können, weil dieser Film seinen Star zunächst ebenfalls nicht leiden kann und deshalb dermaßen durch den Plot schubst, zieht und tritt, dass hämisch cruisefeindliche Elemente vor Schadenfreude Brandlöcher in ihre 3D-Brillen starren werden.

          Ob sich die zwei Süßen kriegen?

          Dann erscheint Emily Blunt als menschgewordene Kriegsgöttin, die ausgerechnet bei Verdun eine erste Wende ins Schlachtenglück der bis dahin von den zeitreisenden Zappelmonstern harsch gedemütigten Menschheit ballert und säbelt. Von diesem Moment an verwandelt sich „Edge of Tomorrow“ von einer vorzüglichen Kampf-Oper über die Läuterung eines charakterlosen Windhunds, die Entdeckung der Kameradschaft auf dem Feld der Ehre und anderen Männermumpitz in einen meganiedlichen, von Explosionen, Erschießungen und Insubordinations-Sketchen aufgelockerten Liebesschinken für Leute, die bereit sind, die Frage nach dem Untergang der Zivilisation hintanzustellen, wenn die viel wichtigere Frage auftaucht, ob sich die zwei Süßen kriegen.

          Sie kriegen sich, beziehungsweise: erst nicht, dann doch, aber eigentlich stirbt sie, wobei: er ja auch, und dann - aber egal. Erstklassiger, hemmungsloser, totaler Irrsinn.

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