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DVD : Die schöne Kunst des Leidens: Tony Randall

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Vergangene Woche ist Tony Randall im Alter von 84 Jahren in New York gestorben. Der Schauspieler war mehr als nur der Mann zwischen Rock Hudson und Doris Day. Dank einer Edition kann man das jetzt aufs schönste nachprüfen.

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          Vergangene Woche ist Tony Randall im Alter von 84 Jahren in New York gestorben, und auch wenn sein Stern nie so hell strahlte wie der anderer Stars, so gehörte er doch zu jenen Typen, die einem mehr ans Herz wachsen als die lichteren Gestalten. Und sei es nur, weil ihnen schwer fällt, womit alle anderen sich leicht tun, und weil sie aus der Art, wie sie an sich und der Welt leiden, eine schöne Kunst machen. Tony Randall war für die meisten vielleicht nur der Mann, der die Bettritze zwischen Rock Hudson und Doris Day belegte und später in der Serie "Männerwirtschaft" Jack Klugman auf die Nerven ging - aber genau deswegen war er unser geborener Held.

          Es ergibt sich, daß nun nicht nur seine drei Komödien mit Hudson und Day - "Bettgeflüster" (1959), "Ein Pyjama für zwei" (1961) und "Schick mir keine Blumen" (1964) - wieder auf DVD (Universal, mehrsprachig, als Extra nur der Kinotrailer) erhältlich sind, sondern auch "Down with Love" (Fox Home Entertainment, mehrsprachig, jede Menge Extras), in dem sich Regisseur Peyton Reed nicht nur ganz tief vor diesen drei Vorbildern verbeugt, sondern vor allem vor Tony Randall, den er auch zu einem kleinen Auftritt überredet hat - es sollte Randalls letzter sein.

          Nun sind Audiokommentare je nach Naturell des Regisseurs nicht immer eine wirklich ergiebige Informationsquelle. Aber im Falle von "Down With Love" sind Peyton Reeds Anmerkungen das reinste Vergnügen, weil der ganze Film Szene für Szene und Rolle für Rolle jenes Genre nachstellt, das damals bedroom comedy hieß, weil der Ausdruck Sex-Komödie noch nicht so leicht von den Lippen ging. Jedes Detail ist den Vorbildern wirklich liebevoll nachempfunden: das alte Studio-Signet, der kunstvoll animierte Vorspann, der Panoramablick auf New York - wo der leichteren Verortung wegen PanAm-, UN- und Empire State Building gleich nebeneinander liegen -, das gekünstelte Menschentreiben in Studiokulissen, die unfreiwilligen Annäherungen per split screen, die swingende Musik von Marc Shaiman, die bonbonfarbenen Kostüme von Daniel Orlandi, die geräumigen Dekors von Andrew Laws. Inmitten all dieser sehr begabten Fälschungen ist Tony Randall sozusagen das einzige Original, ein Wiedergänger aus den frühen Sechzigern, dessen Karriere sich so auf elegante Weise schließt.

          In der Dokumentation von den Dreharbeiten gibt es einen kurzen Ausschnitt von dem Tag, als Randall vor der Kamera stand. Etwas zerknittert, aber sehr souverän steht er da, hofiert vom ganzen Team und den Stars Renee Zellweger und Ewan McGregor. Leider ist David Hyde-Pierce nicht dabei, der im Remake den Randall gibt. Der Held aus "Frasier" ist so präzise in seiner Annäherung, daß man sogar in seiner Art, sich zu bewegen, ein langes Studium des Vorbilds spürt. Wahrscheinlich wäre eine Begegnung der beiden so ausgefallen wie das Aufeinandertreffen von Groucho Marx und seinem falschen Spiegelbild Harpo in "Duck Soup".

          Natürlich ist es Peyton Reed nicht darum gegangen, die Sixties einfach nur zu kopieren. Reed wollte quasi eine Runderneuerung vornehmen, die auch in Unkenntnis der Vorbilder funktioniert. So schildert er zwar, wie er für die Rückprojektionsaufnahmen einer Autofahrt durch New York für die rechte Seite Aufnahmen aus "Ein Hauch von Nerz" und für die linke aus "My Man Godfrey" genommen hat - weswegen die Autos rechts etwas älter aussehen, weil "Godfrey" fünf Jahre früher entstanden ist -; aber er beschreibt auch, wie schwierig es für die Schauspieler war, ihre Rollen nicht wie gewohnt von innen heraus zu gestalten, sondern ganz auf der Oberfläche zu spielen, weil jede Art von Psychologisierung damals von Musik und Ausstattung erledigt wurde. Und er spricht auch von der Umstellung auf eine Sprechweise, bei der man "die Pointen schon aus einer Meile Entfernung auf sich zukommen sieht".

          Um so überraschter ist man beim Wiedersehen der alten Universal-Komödien, wie gut sie immer noch funktionieren, und vor allem, welche Eleganz mit dem Umstand einhergeht, daß die Pointen etwas gemächlicher gesetzt werden. Das besitzt schon seine eigene Schönheit, wenn sie schließlich einschnappen wie eine Tür ins Schloß. Besonders Tony Randall, der aus nichts als Hemmungen und Selbstzweifeln zu bestehen scheint, entwickelt eine immense Leichtfüßigkeit im Umgang mit seinen undankbaren Rollen. Mal ist er der Dandy im Schongang, wenn er bunte Einstecktücher oder gewagte Krawatten trägt, mal der Stadtneurotiker im Overdrive, wenn er vor lauter Hypochondrie nur noch schwarz sieht, mal korrekt bis zum Erbrechen, mal verzagt bis zur Selbstverleugnung - aber immer unser Held.

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