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Dustin Hoffman im Gespräch : Als man mich für mein Lebenswerk lobte, wurde ich depressiv

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Was war Ihnen bei der Inszenierung des Films besonders wichtig?

Die schlimmsten Fehler zu vermeiden, die ich bei anderen Regisseuren beobachtet hatte. Viele frickeln stundenlang herum, um einen Ort perfekt auszuleuchten, holen dann die Schauspieler hinzu und erwarten, dass die Szene beim ersten Versuch im Kasten ist. Wenn man um eine Wiederholung bittet, weil man sicher ist, dass man seinen Part noch besser hinbekommt, heißt es: „Nein, keine Zeit, wir müssen die nächste Szene ausleuchten.“ Ich finde es katastrophal, Darsteller lediglich als Handlanger zu missbrauchen. Für mich lautet die oberste Regel am Set: Der Schauspieler hat immer recht. Er verfügt über ein Gespür für Wahrhaftigkeit. Wenn etwas nicht funktioniert, ist es nicht seine Schuld - dann muss man die Szene so verändern, dass er sich wohl fühlt. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ein Akteur dann am besten ist, wenn er sich nicht anstrengen, verbiegen und krampfhaft „spielen“ muss. Aber es erfordert oft Mühe, um dahin zu kommen, wo es mühelos wird!

Ihr Film suggeriert, dass die Kunst uns erstens zu besseren Menschen und zweitens unsterblich machen kann. Glauben Sie das auch?

Nein, das bezweifle ich. Unter den Künstlern gibt es einen Haufen Kotzbrocken - denken Sie nur daran, wie schäbig Picasso seine Frauen behandelt hat. Und dass wir durch unsere Kunst unsterblich werden, bleibt wohl auch ein Wunschtraum. Wenn ich meinen Kindern von einem Schauspieler erzähle, der einst weltberühmt war, muss ich meistens feststellen, dass sie dessen Namen noch nie gehört haben. Arthur Miller fand ein schönes Bild für unsere zum Scheitern verurteilte Sehnsucht nach Unsterblichkeit: „Wir denken, wir würden unseren Namen in Stein meißeln, doch wir schreiben ihn nur an einem heißen Tag auf eine Torte aus Eis.“

Was treibt Sie dann noch an, Filme zu drehen?

In meinem Alter gibt es nur zwei Möglichkeiten - entweder man zieht sich aufs Altenteil zurück, was bedeuten würde, dass man verkümmert und verdorrt, oder man sagt: Das ist ein neuer Anfang! Mein Hauptdarsteller Billy Connolly hat das Thema von „Quartett“ auf den Punkt gebracht: „Sieh zu, dass du nicht vor deinem Tod abstirbst!“ Dein Körper mag zwar im Lauf der Zeit in seiner Beweglichkeit eingeschränkt werden - doch im gleichen Maße kann dein Geist sich ausdehnen. Nachdem wir wissen, dass unsere Zeit auf Erden begrenzt ist, wäre es bescheuert, auch nur eine Minute davon zu vergeuden. Für mich ist das Leben eine Art Wettstreit mit Gott: „Sei mal nicht so sicher, dass du mich so früh aufhalten kannst! Ich werde mich nicht kampflos ergeben!“

Soll das heißen, dass Sie so lange weitermachen, bis Sie tot umfallen?

Das wäre jedenfalls ganz nach meinem Geschmack. Meine jüngste Tochter möchte, dass ich ihren fünfzigsten Geburtstag noch erlebe. Ich muss also mindestens hundert Jahre alt werden. Und ich habe nicht vor einzurosten. Meine Vorbilder sind Künstler wie Picasso, der mit über neunzig Jahren noch malte, oder Buñuel, der mit über achtzig noch inszenierte, oder mein Freund Sam, der mit über siebzig noch masturbierte. Als der göttliche Komiker George Burns neunzig wurde, wollte man von ihm wissen, ob er denn immer noch Sex habe. Er bejahte, und man fragte ihn: „Wie fühlt sich das an?“ Er entgegnete trocken: „Haben Sie je versucht, mit einem Seil Billard zu spielen?“

Und Sie? Haben Sie das Seil-Stadium schon erreicht?

Nein. So weit, so gut! Ich danke meinem Schöpfer dafür, dass ich nach wie vor unter Akne leide - denn das bedeutet, dass ich auch noch ein paar Spritzer Testosteron in petto habe. Als Jugendlicher habe ich Akne gehasst, doch jetzt sage ich: „Bleibt bei mir, liebe Pickel!“ Noch Fragen?

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