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Dreharbeiten in Kasachstan : Komm zu mir ins Abenteuerland

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Filmen in der Farbenpracht eines kasachischen Sonnenuntergangs: Veit Helmer (links) gibt dem Kamerateam Anweisungen Bild: X Verleih

Der deutsche Filmemacher Veit Helmer ist mit seinem Team für zwei Monate nach Kasachstan gezogen, um die Liebesgeschichte „Baikanur“ am Weltraumbahnhof zu drehen. In der verlassenen Steppe sorgen Bestechung, Zickenkrieg und trunkene Komparsen für aufregende Drehtage.

          8 Min.

          Die Steppe: unendliche Weiten. Wir befinden uns in Kasachstan, rund hundert Kilometer entfernt von der ehemaligen Hauptstadt Almaty. Schon seit einer halben Stunde fahren wir auf einer staubigen Piste durch karge Landschaft - nichts als vertrocknete Grasbüschel und Stauden, so weit das Auge reicht. Plötzlich blitzt am Horizont etwas in der Sonne. Beim Näherkommen stellt sich heraus: Es ist ein kleines Dorf, in dessen Lehmhütten und Jurten man Raketenteile eingebaut hat. Wir tauchen ein in eine bizarre Szenerie aus Kamelen, Pferden, Hunden und Menschen, die um eine Filmkamera herumwuseln und in diversen Sprachen durcheinanderreden. Ein drahtiger Mann mit Schirmmütze eilt auf mich zu: „Willkommen in meinem kleinen Reich", begrüßt er mich. „Ich bin hier der Häuptling!"

          Das ist der deutsche Autor, Regisseur und Produzent Veit Helmer, preisgekrönt für poetische, skurrile Filme wie „Tuvalu" oder „Absurdistan". Hier in der kasachischen Einöde dreht er sein neuestes Werk „Baikonur", zu dem er vor Jahren durch zwei Fakten angeregt wurde: Erstens kann jeder, der das nötige Kleingeld besitzt, für zwanzig Millionen Dollar als Tourist eine Woche lang ins All fliegen - von Baikonur aus, dem größten Weltraumbahnhof der Erde. Zweitens gibt es in Kasachstan ganze Dörfer, die vom Schrott leben, der nach einem Raketenstart vom Himmel fällt - man verscherbelt die Metallteile an die Chinesen. So erdachte Helmer eine Liebesgeschichte zwischen der Weltraumtouristin Julie, die mit ihrer Raumkapsel in der Steppe landet, und dem Dorfjungen Iskander, der sie findet und mit in seine Jurte nimmt: Als sie erwacht, lässt er sie im Irrglauben, sie sei seine Braut.

          Ein internationales Filmteam mitten in der Steppe

          Ursprünglich wollte Helmer diese Geschichte in einem der Dörfer verfilmen, die tatsächlich mit Weltraumschrott handeln. Doch in jener Gegend fehlte es an der nötigen Infrastruktur - weit und breit kein Flughafen, keine Hotels, keine Filmtechnik. Daraufhin beschloss er, das Dorf nach eigenen Vorstellungen in viermonatiger Arbeit neu bauen zu lassen: am Hang eines Hügels mitten in der Steppe, aber nur anderthalb Stunden vom Flughafen Almaty entfernt, unweit der Kleinstadt Kapchagai. Die liegt an einem Stausee und ist ein beliebtes Ausflugsziel für reiche Kasachen, eine Art Las Vegas der Steppe mit morbidem Charme: Casinos mit aufdringlich blinkenden Leuchtreklamen stehen neben riesigen Bauruinen, Müllhalden und Cannabisfeldern.

          Direkt am See hat Helmer eine komplette Hotelanlage für zwei Monate gemietet, um sich, seine Filmcrew und die Schauspieler kostengünstig unterzubringen. Internet gibt es nur dank einer eigens organisierten Satellitenschüssel. Die bunt zusammengewürfelten Teammitglieder kommen unter anderem aus Deutschland, Kasachstan, Russland, Usbekistan, Georgien und Japan; abends, nach Drehschluss, sitzen sie im Hotelrestaurant zusammen, allesamt ausgerüstet mit Laptops. Sie chatten und skypen und networken mit Freunden und Familien aus aller Welt - und zeigen sich gegenseitig Fotos oder Videos auf ihren Bildschirmen: ein schönes Sinnbild für die Multikulti-Gesellschaft im dritten Jahrtausend.

          Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang

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