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Dominik Graf über „Fabian“ : Das Licht ist die Luft der Zeit

Der Regisseur Dominik Graf . Bild: babiradpicture

„Uns hat diese Nähe und Zärtlichkeit, die sich beim Drehen ergab, verblüfft“: Der Regisseur Dominik Graf spricht über seine Adaption von Erich Kästners „Fabian oder der Gang vor die Hunde“.

          7 Min.

          Der Film dauere ungefähr so lange wie die Lektüre des Romans, hat Dominik Graf über seinen „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ gesagt. Zwei Stunden und 56 Minuten, das ist eine schnelle Lektüre und viel Zeit im Kino, doch es wird einem keine Sekunde zu lang, weil Graf die Ökonomie des Erzählens perfekt beherrscht.

          Peter Körte
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Erich Kästners Roman, der 1931 mit einem anderen Titelzusatz erscheinen musste, „Die Geschichte eines Moralisten“, erzählt von einem enttäuschten jungen Mann, Ende der Zwanziger-, Anfang der Dreißigerjahre in Berlin, und er ist zugleich das tiefenscharfe Bild einer Gesellschaft voller Fliehkräfte: eine kriselnde Ökonomie, ein taumelnder Staat, prügelnde Horden auf den Straßen.

          Fabian, der Pessimist, treibt dahin, er fühlt sich als Zaungast, der sich durch die Liebe von seiner Passivität zu kurieren versucht. Doch Cornelia, die Frau, der diese Liebe gilt, hat ein anderes Arrangement im Sinn. Und Labude, der Freund, der an Lessing und die Aufklärung glaubt, bringt sich um. „Lernt schwimmen“, liest man im Film immer wieder mal auf Plakaten. Fabian hat sie ignoriert.

          Kästner hat, warum auch immer, die Filmrechte zu Lebzeiten nie freigegeben. Erst 1980, fünf Jahre nach seinem Tod, entstand der Film von Wolf Gremm. Graf, dem damals ein Regieassistent von Gremm den Roman empfahl, war begeistert. Er mochte auch Gremms Film und mag ihn immer noch.

          Er habe, sagt er, sogar eine Einstellung, in der Fabian nach Hause kommt und weint und man im Hintergrund Schafe sieht, „gewissermaßen kopiert“. Als 2013 die ungekürzte Originalfassung des Romans herauskam, hatte er immer noch den Eindruck, das sei „ein toller Stoff, der in der Beteiligtheit und Unbeteiligtheit der Hauptfigur an den Zeitläuften meinem Blick auf die Dinge so sehr entspricht, dass ich mich für eine Figur wie Fabian zuständig fühlte“.

          Und als dann 2017 der Produzent Felix von Boehm mit einem Drehbuch von Constantin Lieb kam, „war das Drehbuch meinem Gefühl, was für ein Film aus ‚Fabian‘ entstehen könnte, schon sehr nah“.

          Und so hat Dominik Graf, der am Freitag 69 Jahre alt wird, daraus einen großen Film gemacht, in den all seine Erfahrung als Menschenerzähler eingegangen ist und all seine Neugierde auf die audiovisuellen Möglichkeiten des Kinos.

          In der Eingangssequenz ist das sofort zu sehen, wenn die Kamera in die heutige Berliner U-Bahnstation Heidelberger Platz hinabsteigt, um nach einem Gang über den Bahnsteig am anderen Ende die Treppen hinaufzugehen und im Berlin des Jahres 1931 aufzutauchen.

          Aus dieser Passage, dieser Durchlässigkeit zwischen Gegenwart und Vergangenheit entsteht der Pulsschlag des Films; man hört, spürt ihn immer wieder, in kleinen Gesten, an Orten, in scheinbar unwichtigen Details.

          Das ist auch einer der Gründe, warum unser Gespräch einer Logik der Bilder und Szenen folgt. Dominik Graf erzählt anhand eines Szenenbildes jeweils, warum wir sehen, was wir da sehen.

          Die Momente, bevor er  sein Wachstuchheft Wachstuchheft sein lässt und sie in den Arm nimmt.
          Die Momente, bevor er sein Wachstuchheft Wachstuchheft sein lässt und sie in den Arm nimmt. : Bild: Lupa Film / Hanno Lentz /DCM

          Das Bild zeigt Fabian (Tom Schilling) und Cornelia (Saskia Rosendahl) in einem besonderen Moment.

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