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Regisseur Paul Schrader : One Hour Photo

  • -Aktualisiert am

Grimmiger Preisträger: Paul Schrader Bild: AP

Er schrieb „Taxi Driver“ und inszenierte „American Gigolo“. Jetzt hat sich Paul Schrader mit Filmen wie „Dark“ und „Dog Eat Dog“ seinen eigenen Jungbrunnen geschaffen. Wir begegnen ihm in Basel. Ein Gastbeitrag.

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          Ich wurde im April dieses Jahres gefragt, ob ich Anfang Juni in Basel beim „Bildrausch-Festival“ eine Rede auf den erstmaligen Gewinner des neu geschaffenen Innovationspreises, Paul Schrader, halten wolle. Natürlich wollte ich. Nach meinem Auftritt bedankte sich Schrader für „heavy praising“ und bekam einen Ring verliehen, graviert mit den Titeln seiner bekanntesten Filme. Im angenehm halbdunklen Biergarten vor dem Basler Stadtkino kam es noch zu einer direkten Begegnung. Für mich war es ein Gespräch mit einem amerikanischen Meister, mit einem Filmautor im seit 40 Jahren andauernden Spezialslalom zwischen Industrie und Genrekino, zwischen künstlerischem Willen und Dämonenkampf. Ich schätze mal, die Audienz, die ich bekam, war für ihn eine Sache der Höflichkeit gegenüber einem rechtschaffen bemühten Laudator. Für mich wurde die Stunde mit ihm unwillkürlich zu einem zeitlupenhaften Moment des Verstehens – auch der Filmographie meiner westdeutschen Regie-Generation. Irgendwo stand auch Lav Diaz herum, das Weltkino war also sozusagen Zeuge.

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           „Ich hatte mich mit Leuten eingelassen, die mich nicht respektieren, ja, die eigentlich Filme an sich gar nicht respektieren. Das passiert öfter als man denkt. Regisseure sind zwar von Natur aus Alpha-Tiere, die sagen: ‚Gib mir den Stuhl, gib mir die Peitsche, ich gehe in den Löwenkäfig und werde dafür sorgen, dass die Löwen Männchen machen. Aber manchmal gewinnen eben die Löwen.’“ Paul Schrader ist neben seinen epochemachenden Großstadt-Erlösungsdramen von Taxifahrern, Gigolos und Drogenhändlern immer auch ein Genre-Regisseur gewesen und arbeitete von Anfang an mal mehr, mal weniger im System Hollywood. Die zitierten Sätze standen am Beginn seines denkwürdigen Masterclass-Auftritts im Januar in Rotterdam „,Dark‘ and the Lessons learned“, in dem er die Katastrophengeschichte seines Agenten-Vendetta-Films „Dying of the Light“ (2014) erzählte. Die Produzenten feuerten ihn nach dem ersten Rohschnitt, und er durfte nur noch zuschauen, wie ein neuer Cutter seinen Film in verdauliche Konfektionsware abpackte.

          „Wir hatten einen ‚director for hire‘ engagiert, der aber im Schneideraum in einen Autorenfilmer-Modus wechselte“ war die Begründung der Geldgeber. Schrader war rechtlich chancenlos, er hatte im Vertrag keinen Final Cut. Aber er gab auch nach dem erwartungsgemäß mauen Kritikerecho auf den zerstörten Film nicht auf. Er analysierte seine eigene künstlerische Verantwortung für die Abläufe, und schlug den Produzenten einen Director’s Cut mit neuem Tonmix vor, alles ohne eigene Gage. Die „Löwen“ wollten aber ihn, der durchaus ein Mann des offenen Wortes sein kann, final für seine Unbotmäßigkeiten bestrafen und lehnten rigoros ab.

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