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Dominik Graf im Gespräch : Was sich das deutsche Kino mal getraut hat

Herbert Knaup als SEK-Mann in Dominik Grafs Film „Die Sieger“ Bild: Bavaria

„Die Sieger“ war ein harter Polizeifilm, er kostete zwölf Millionen Mark – und floppte. „Berlinale Classics“ zeigt jetzt den Director’s Cut. Und Dominik Graf spricht über seinen Film von 1994, das Genrekino und Misserfolg.

          Als vor 25 Jahren Dominik Grafs Film „Die Sieger“ ins Kino kam, waren die Erwartungen hoch. Ein harter Polizeifilm über ein Spezialeinsatzkommando, käufliche Politiker und organisiertes Verbrechen, ein enormes Budget von zwölf Millionen Mark, das sollte auch ein Zeichen im deutschen Kino setzen. Doch die Kritik war verhalten, der Kassenerfolg blieb aus. Urteile über Filme sind allerdings nicht in Stein gemeißelt. Zum 100. Geburtstag der Bavaria Film, die „Die Sieger“ damals produziert hatte, bekam Dominik Graf daher die Möglichkeit, einen Director’s Cut zu erstellen, den die Berlinale nun in ihrer Reihe „Berlinale Classics“ zeigt. Es ist ein ganz erstaunliches Wiedersehen. Ohne alle Nostalgie kann man hier sehen, was sich das deutsche Kino mal getraut hat.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Haben Sie sich gewundert, dass die Bavaria zu ihrem 100. Geburtstag Ihren Film auf die Berlinale schickt?

          Ich war überrascht, der Film war ja, wie wir alle wissen, ein Riesenflop und wurde nach dem Weggang des Produzenten Günter Rohrbach, der ihn beschützt und initiiert hat, dementsprechend behandelt. Deshalb hatten wir auch bei bestimmten Passagen nur noch VHS-Material, die ganzen Negative waren im Papierkorb gelandet. Jetzt hat sich aber glücklicherweise eine andere Sichtweise durchgesetzt.

          Sie haben Ihren Film selbst als „misslungen“ bezeichnet, gemessen an dem, was er hätte sein können. Was macht den 14 Minuten längeren Director’s Cut geglückter?

          Es ist jetzt der komplette Schnitt des Films, den ich gedreht habe. Ich habe keinen Meter mehr gedreht, und es ist erfreulich und beruhigend, dass diese Szenen wieder eingefügt wurden, egal wie sie aussehen. Es gab vieles, was ich noch drehen wollte, in anderen Buchfassungen, aber das klappte bedauerlicherweise nicht. Diese neu eingesetzte lange Sequenz mit Herbert Knaup und die andere Szene mit Hansa Czypionka und auch Knaup im Krankenhaus – beides geht jetzt in die Richtung der tiefen Zerrissenheit der Hauptfiguren, die ich immer wollte. In den SEK-Gruppenräumen, wenn Knaup sich vor Wut und besoffener Verzweiflung in den Arm schneidet, dieser Moment war gemeint als ein Moment wie bei Joseph Conrad, als Beginn einer Reise. Und dass er dann am Ende seinem dunklen Alter Ego, dem Ex-Kollegen aus seiner Sondereinheit, gegenübersteht, das ist das, was mich immer an Polizeifilmen interessiert hat. Die Initialzündung für die Dunkelheit ist der Kindsmord am Anfang, der sagt viel über diese Leute mit überzogenem Selbstbewusstsein aus, die es nicht ertragen, wenn etwas schiefläuft in ihrem Leben.

          Dominik Graf

          Wie gut ist der Film in Ihrer Wahrnehmung gealtert?

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