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Doku „Generation Wealth“ : Diese Leute können sich ihren Reichtum kaum leisten

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Wenn diese erwachsene Frau an diesem Kind Spaß hat und dieses Kind an Prunk und Protzerei, dann verbergen die beiden das hier aber gerade ziemlich gut. Bild: jip film & verleih

Wer genug Geld hat, kommt überallhin, aber nicht mehr raus: Der Dokumentarfilm „Generation Wealth“ behandelt das echte Riesenvermögen vor allem als persönliches Problem.

          Florian Wilhelm Jürgen Homm aus Oberursel hat mit dem von ihm verwalteten Hedgefonds Absolute Capital Management jahrelang Milliarden bewegt, nicht immer nur erfolgreich, aber immerhin kann er weiterhin dicke Zigarren rauchen und empfängt in einem Luxushotel im Taunus. Dass er vom FBI gejagt wird und aus Deutschland nicht ausreisen kann, weil er sonst womöglich nach Amerika ausgeliefert würde, trübt das Bild. Aber als ein Exempel für die „Generation Wealth“ („Generation Reichtum“) in Lauren Greenfields Dokumentarfilm taugt Homm doch ganz gut. Vor allem, weil auch er am Ende moralisch wird: Er spricht von einer großen Täuschung und von einem „toxischen Traum“. Davor aber durchläuft er rhetorisch noch einmal das ganze Egoprogramm, das in einer Episode gipfelt, die seinen Sohn betrifft. Homm verordnete dem Jungen recht früh eine sexuelle Initiation mit einer Prostituierten in Amsterdam. Der Junge, der mit seiner Freundin für den Film auch zur Verfügung stand, bildet einen interessanten Kontrast zu der doch deutlich lächerlichen Magnatenshow, die sein Vater abzieht.

          Für die Filmemacherin aber ist Homm ein Geschenk. Denn so ungeschützt zeigt sich vermutlich wirklich nur jemand, der nichts mehr zu verlieren hat; jedenfalls nicht im Bereich Ruf. Und das ist ja wiederum ein nicht unwichtiger Aspekt von Reichtum. Es kann einem alles egal sein, die Nachrede sowieso.

          Das Ausmaß an schlechtem Geschmack ist eklatant

          Greenfield wuchs in Los Angeles in einer Welt auf, die zwischen Hollywood und der Pornoindustrie keine klare Grenze kannte. In früheren Filmen hat sie sich mit Essstörungen und Schönheitschirurgie beschäftigt. Daran schließt sie nun mit ihrem Film über reiche Menschen an. Um nicht in ein reines Monsterkabinett zu geraten (Reichtum reimt sich oft auf schlechten Geschmack), balanciert sie ihre Beobachtungen mit der eigenen Familiengeschichte. Die Mutter, eine Anthropologin, ist ein heimlicher Star des Films: Man könnte hinter ihrer Präsenz eine der gelungeneren Integrationen vormaliger Hippie-Ideale in ein amerikanisches Leben vermuten. Die Eltern von Greenfield sind lange getrennt, ließen sich aber für „Generation Wealth“ unabhängig voneinander befragen, und so tauchen hier wie in einer Kontrasterzählung Andeutungen von richtigem Leben im Vergleich mit sehr viel falschem auf. Wobei man sich natürlich hüten muss: Die Bilder von reichen Menschen verführen zu Projektionen. Dass man viele der gezeigten Menschen als hässlich empfinden möchte, könnte auch eine Umleitung des eigenen Neids sein.

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