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: Dogma ist nicht der Weisheit letzter Schluß: Soren Kragh-Jacobsens "Skagerrak"

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Die größte Kunst des dänischen Kinos besteht womöglich darin, das Allerunwahrscheinlichste als ganz selbstverständlich aussehen zu lassen. Obwohl Lars von Trier und Konsorten in ihrem Dogma scheinbar ...

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          Die größte Kunst des dänischen Kinos besteht womöglich darin, das Allerunwahrscheinlichste als ganz selbstverständlich aussehen zu lassen. Obwohl Lars von Trier und Konsorten in ihrem Dogma scheinbar die Wahrheit und nichts als die Wahrheit einfordern wollten, haben sie augenzwinkernd Geschichten erzählt, in denen es vor Schicksalsschlägen, glücklichen Fügungen und weniger glücklichen Zufällen nur so wimmelt. Aber womöglich gründet sich ihr Wahrheitsanspruch ja genau darauf, daß nichts so authentisch ist wie die unwahrscheinlichen Wechselfälle des Lebens selbst.

          Vor fünf Jahren hat sich Soren Kragh-Jacobsen mit "Mifune" noch ans Dogma gehalten, jetzt erzählt er in "Skagerrak" quasi frei von der Leber weg, was ihn aber nicht daran hindert, in diesem Film den zweiten Teil einer Trilogie "Die Jungfrau und die Hure" zu sehen, die vor allem von seiner wunderbaren Hauptdarstellerin Iben Hjejle zusammengehalten wird. Auch darin ist wieder ein Einfallsreichtum und eine Lebensfülle am Werk, daß man sich nur aufs neue wundern kann, wie in einem kleinen Land wie Dänemark plötzlich diese überbordende, geradezu grenzüberschreitende Fabulierlust entstehen konnte und wo die Dänen vor allem die traumwandlerische Sicherheit hernehmen, mit der sie filmisch ausgelebt wird.

          Es beginnt mit den zwei Frauen Marie und Sophie (Iben Hjejle und Bronagh Gallgher), die von ihrer monatelangen Arbeit auf einer Ölbohrinsel aufs schottische Festland zurückkehren und fest entschlossen sind, ihr Erspartes so fröhlich wie möglich zu verprassen. Doch schon nach der ersten Nacht ist alles weg, weil einer der Männer, die sie in einer Bar aufgegabelt haben, weniger an Sophie als an der Kohle interessiert war. An der Art, wie die beiden diesen Tiefschlag und ihren gewaltigen Kater wegstecken, sieht man, daß sie einiges gewöhnt sind und ihre Freundschaft wirklich durch dick und dünn geht. Die blonde Dänin und die schottische Ulknudel sind eingespielt, nehmen kein Blatt vor den Mund und könnten einen ganzen Film tragen, wenn das Schicksal nicht anderes vorgesehen hätte.

          Die Dänin Marie wird von einem schottischen Adeligen gefragt, ob sie nicht für 40000 Pfund das Kind seines Sohnes austragen würde. Sie findet den Vorschlag eine rechte Zumutung; Sophie ist hingegen angesichts des unverhofften Reichtums der Meinung, ihre Freundin solle sich nicht so anstellen. Schließlich willigt Marie unter der Bedingung ein, daß Sophie die Sache mit ihr gemeinsam durchsteht. Schon wie Kragh-Jacobsen von Vorschlag, Diskussion, Entscheidung und Durchführung erzählt, zeigt, daß er kein Interesse daran hat, die Sache schwerer zu nehmen als nötig. Ihn interessiert nicht die schwerblütige Dramatik eines TV-

          Movies, sondern jener Moment, in dem das Tragische ins Komische kippt - und umgekehrt - wobei man kaum merkt, wie der Film langsam seinen Ton ändert.

          "Skagerrak" unterzieht seine Helden einem solchen Wechselbad der Gefühle, daß man fast den Eindruck haben könnte, es handle sich um drei, vier Filme in einem. Spülsteinrealismus und Märchen, Leihmutterdrama und Situationskomödie, alles liegt nah beisammen und nichts widerspricht einander. Käme der Film aus Deutschland, müßte man jubeln - aus Dänemark ist man fast schon nichts anderes mehr gewohnt. Michael Althen

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