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Disney-Schauspieler in Kritik : Echte Menschen sind anstrengend

  • -Aktualisiert am

Lily James musste für die Dreharbeiten von „Cinderella“ ein Korsett tragen, das ihr eine fast unnatürliche Wespentaille bescherte. Bild: Picture-Alliance

Walt Disney macht aus Zeichentrick-Klassikern erfolgreich Realfilme. Mit der Auswahl der Schauspieler geben sich manche Zuschauer nie zufrieden. Aber wie sollen Menschen denn je einer Zeichentrickfigur entsprechen?

          Walt Disney verfolgt ein schlaues und vor allem lukratives Geschäftsmodell: Gleichgültig ob „Cinderella“, „Die Schöne und das Biest“, „Mary Poppins“ oder „Aladdin“ – die Realverfilmungen der Zeichentrickklassiker waren bisher ein großer Erfolg. Dabei profitiert das Medienunternehmen maßgeblich von der Nostalgie der Erwachsenen, deren Kindheit von den Zeichentrick-Vorläufern geprägt wurde.

          Gerade deshalb erntet das Unternehmen regelmäßig mitunter absurde Kritik für seine Neuverfilmungen. Bei der Ankündigung des Remakes von „Arielle, die Meerjungfrau“ mit der schwarzen Sängerin Halle Bailey in der Hauptrolle löste die Hautfarbe der Schauspielerin einen Shitstorm aus.

          Unter den Hashtags #notmyarielle und #makeariellewhiteagain forderten Fans die blasse, rothaarige Meerjungfrau zurück, die sie aus dem Zeichentrickfilm kennen. Immerhin verzichteten sie darauf, sich darüber zu beklagen, dass Bailey Beine hat und keine Schwanzflosse. Auch für das Aussehen von Scar, dem Bösewicht in „König der Löwen“, wird das Animationsteam von Disney-Nostalgikern kritisiert – diesmal für die fehlende schwarze Mähne.

          Doch nicht nur das Aussehen der Charaktere sorgt für Diskussionen. Auch die Neuverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ erntete 2017 Kritik: „Falsches Frauenbild“, monierten die Kritiker und verglichen die Geschichte mit der von Dornröschen – einer Hauptfigur, die in einen Zauberschlaf versetzt warten muss, bis der Prinz sie erlöst. Auch Emma Watson, die die Rolle der Belle übernahm, wollte ihre Figur eigenständiger und emanzipierter dargestellt sehen. Der halbgare Kompromiss der Drehbuchschreiber: Belle erfindet eine Art Waschmaschine, ehe das Biest sie in seinem Schloss einsperrt. Trotzdem lehre der Film, dass Frauen belohnt würden, wenn sie bei Männern übers Biestige hinwegsähen, erklärte die Soziologin und Frauenrechtlerin Eva Illouz.

          Da Disney mit schöner Regelmäßigkeit neue Realverfilmungen ins Kino bringt, reißt die Debatte nicht ab. Zuletzt starteten Fans unter dem Hashtag #BoykottMulan einen Boykottaufruf, nachdem Liu Yifei, die Hauptdarstellerin des neuen „Mulan“-Films, sich im chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo mit der Polizei in Hongkong solidarisiert hatte. In der von der chinesisch-amerikanischen Schauspielerin geteilten Grafik heißt es: „Auch ich unterstütze die Polizei in Hongkong. Ihr könnt mich schlagen. Was für eine Schande für Hongkong.“ Die Fans sehen das als Verrat an ihrer Rolle Mulan – einem rebellischen Mädchen, das heimlich als Soldatin kämpft, statt eine angepasste Hausfrau zu sein.

          Unter dem Hashtag #BoykottMulan starteten Fans einen Boykottaufruf, nachdem sich die Hauptdarstellerin des neuen „Mulan“-Films, die Chinesin Liu Yifei, mit der Polizei in Hongkong solidarisiert hatte.

          Disney-Nostalgiker agieren als Fans und Kritiker zugleich: Schließlich kann kein Schauspieler die angehimmelte Figur aus Kindheitserinnerungen ersetzen. Wo eben noch Projektionsfläche war, bietet sich nun eine Angriffsfläche dar, weil Produktion und Publikum es mit echten Menschen zu tun haben. Plötzlich werden politische Orientierung, Nationalität und Weltbild der Schauspieler hinterfragt. Ein fiktiver Zeichentrickcharakter hat all das nicht.

          Dabei sind es nicht die Zuschauer, für die Realverfilmungen eine echte Zumutung darstellen, sondern die Schauspieler selbst, die als reale Person einer Zeichnung entsprechen sollen. Will Smith wurde für seine Rolle als Flaschengeist in „Aladdin“ blau eingefärbt, Lily James musste für die Dreharbeiten von „Cinderella“ ein Korsett tragen, das ihr eine fast unnatürliche Wespentaille bescherte – dem Vernehmen nach ernährte sie sich in dieser Zeit ausschließlich von Suppe. Auch das wird hoffentlich in Zukunft überflüssig. Wenn die Fans sich schon an echte Menschen gewöhnen, können sie vielleicht auch auf Wespentaillen verzichten.

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