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Ruth Leuwerik gestorben : Sie war die ideale Frau

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Ruth Leuwerik 1924 - 2016 Bild: dpa

Ruth Leuwerik war eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen der fünfziger und sechziger Jahre. Bekannt wurde sie durch den Heimatfilm „Die Trapp-Familie“. Jetzt ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben.

          Die Schauspielerin Ruth Leuwerik ist am Dienstag im Alter von 91 Jahren in München gestorben. Mit starken Frauenrollen war sie in den fünfziger Jahren zum Vorbild einer ganzen Generation geworden. Großen Erfolg hatte Ruth Leuwerik unter anderem mit dem Kinofilm „Die Trapp-Familie“ über eine junge Nonne, die sich um die Kinder eines verwitweten Barons kümmert. Auch Filme wie „Königliche Hoheit“ oder „Königin Luise“ ernteten viel Lob. Ruth Leuwerik und ihr Filmpartner Dieter Borsche galten als Traumpaar des deutschsprachigen Kinos, neben Maria Schell und O.W. Fischer oder Romy Schneider und Karlheinz Böhm. In den sechziger Jahren zog sich Ruth Leuwerik mehr und mehr aus dem Filmgeschäft zurück.

          „Die ideale Frau“ lautete der Titel eines Films von 1959, in dem Ruth Leuwerik als Bürgermeisterin auftrat - für damalige Verhältnisse ziemlich ungewöhnlich. Auch als Fotomodell, Unternehmerin, Ärztin, Opernsängerin, Fotoreporterin oder Lehrerin stand sie vor der Kamera.„Die Frauen bilden das Gros des Filmpublikums. Und diese Frauen können sich mit den Problemen, die ich auf der Leinwand habe, identifizieren“, sagte Ruth Leuwerik 1962, als ihr Erfolg einen Höhepunkt erreichte.Eine Femme fatale dagegen war sie nie und wollte sie auch gar nicht sein, wie sie selbst einmal bekannte.

          Gruppenbild mit Kindern: Ruth Leuwerik und Hans Holt in „Die Trapp-Familie“ (1958).

          Geboren wurde Ruth Leuwerik am 23. April 1924 in Essen, als Tochter eines Kaufmanns. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie als Fräserin dienstverpflichtet. Danach arbeitete sie als Stenotypistin. Schon damals reizte sie das Schauspiel. Sie nahm Privatunterricht und erhielt 1947 ihr erstes Engagement. Über Bremen und Lübeck kam sie 1949 an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, wo sie bis 1953 blieb. Besonderen Erfolg hatte sie in Jean Anouilhs „Eurydike“, die sie auch 1955 am Düsseldorfer Schauspielhaus verkörperte. Auch für ihre Rolle des Gretchen in Goethes „Faust“ bekam sie Zuspruch.

          „Sie ist absolut unfotogen“

          Ihre Filmkarriere begann Ruth Leuwerik 1950 mit „13 unter einem Hut“. Dabei handelte es sich um eine Komödie, an der Ruth Leuwerik allerdings weniger Freude hatte. „Ich spielte unter zwölf Komikern die Dreizehnte - Nicht-Komikerin“, sagte sie später in einem Fernsehinterview. Nach dem Film bekam sie zu ihrer eigenen Verwunderung zunächst keine weiteren Angebote. Nach einiger Zeit habe sie jedoch mitbekommen, was in der Filmbranche über sie geredet wurde: „Die Kleine ist zwar begabt, aber sie ist absolut unfotogen.“

          Das durfte man durchaus in Zweifel ziehen. Der Dichter Thomas Mann jedenfalls war von ihrer Schauspielkunst ebenso angetan wie von ihrem Aussehen - und lobte sie in seinem hohen Ton als „Frau von beträchtlicher Ansehnlichkeit“. Auch den Verantwortlichen in der Filmbranche ging auf, wie talentiert Ruth Leuwerik war. 1953 gelang ihr der Durchbruch. Sie wirkte an vier Produktionen mit, darunter auch „Königliche Hoheit“ nach einem Roman von Thomas Mann. In etwa dreißig Filmen spielte Ruth Leuwerik,in Komödien, Melodramen und Literaturverfilmungen.1955 gab sie die Effi Briest in „Rosen im Herbst“ nach Theodor Fontanes Roman. Vom Ende der sechziger Jahre an sah man Ruth Leuwerik noch in einigen Produktionen. Auch im Fernsehen, etwa in der Krimireihe „Derrick“ und 1979 als Konsulin in der Serie „Die Buddenbrooks“ nach Thomas Mann. Der „Neue Deutsche Film“ indes konnte mit dem Star der fünfziger Jahre wenig anfangen - und so verhielt es sich vielleicht auch umgekehrt.

          Anbetung zum Anfassen: Dieter Borsche und Ruth Leuwerik in „Königliche Hoheit“ (1953).

          Ruth Leuwerik erhielt etliche Auszeichnungen, darunter mehrere Bambis und den Bundesfilmpreis für „Geliebtes Leben“. Für ihre Rolle als Ärztin in dem Film„Taiga“ wurde sie bei den Filmfestspielen in San Francisco als beste Schauspielerin geehrt. Zu ihrem 80. Geburtstag im Jahr 2004 überreichte ihr der damalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) die Medaille „München leuchtet“. Zur ihrer Leistung sagte er: „Sie hat eine ,Brücke zum Herzen' aller geschlagen.“

          Dreimal war Ruth Leuwerik verheiratet: mit dem Schauspieler Herbert Fleischmann, dem Sänger Dietrich Fischer-Dieskau und mit einem Arzt. Sie liebte Bücher und Antiquitäten. Zuletzt lebte sie zurückgezogen in München. Selbst zu ihrem 90. Geburtstag im Jahr 2014 hatte sie keine große Feier geplant. Stattdessen kommentierte sie den Ehrentag staunend: „In dem hohen Alter ist es ein Wunder, dass ich noch da bin.“

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