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Interview mit Regisseurin Aladag : Unsere Frau in Afghanistan

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„Dass es mir und meinem Team ermöglicht wurde, diesen Film so zu machen, spricht extrem für unsere Demokratie“: Die Filmregisseurin Feo Aladag, aufgenommen im Februar in Berlin Bild: Gyarmaty, Jens

In ihrem neuen Film „Zwischen Welten“ erzählt die Regisseurin Feo Aladag Schicksale von Bundeswehrsoldaten und Übersetzern in Afghanistan. Wie dreht man in einem Kriegsgebiet einen Spielfilm?

          Wie kamen Sie auf die Idee, einen Film über Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz zu machen?

          In irgendeiner Zeitung hatte ich ein Foto gesehen, das ich so interessant fand, dass ich es mir rausgerissen habe. Darauf war ein Bundeswehrsoldat in Kampfuniform im Einsatzgebiet zu sehen. Da wirbelte Staub auf, irgendeine Wüstenlandschaft. Ich fand es ein gutes Foto. Von der Lichtstimmung, vom Aufbau, aber irgendetwas daran hat mich eben auch irritiert.

          Das war 2002, 2003, als der Einsatz in Afghanistan losging und die Bilder noch ungewohnt waren. Damals wurde im Bekanntenkreis natürlich viel darüber diskutiert, ob Deutschland nicht hätte nein sagen sollen.

          Und dann hab’ ich darüber nachzudenken begonnen, warum so ein Unverständnis dem Einzelnen gegenüber herrscht, der in diesen Einsatz geht. Und mich gefragt, warum es keinen Kinofilm gibt, der in der Jetztzeit von einem deutschen Soldaten erzählt. Und das liegt natürlich auf der Hand.

          Weil?

          Weil die Gefahr natürlich groß ist, dass das Ganze zu patriotisch wirkt. Und dass man damit gefährlich nah an die deutsche Geschichte rückt vielleicht. Ich fand das aber nicht fair.

          Kannten Sie jemanden bei der Bundeswehr?

          Nein. Ich kannte eher Zivildienstleistende. Aber das Thema hat mich nicht mehr losgelassen. Es hat mich berührt, dass Menschen, die sich für etwas einsetzen, was die Gesellschaft trägt, dafür nicht nur keine Anerkennung bekommen, sondern kritisiert werden. Und ich habe mir überlegt, was man in einem Film erzählen könnte, um einen Anstoß zu geben, darüber anders nachzudenken.

          Der afghanische Übersetzer Tarik (Mohsin Ahmady, r.) verhandelt für die Deutschen mit Haroon, dem Führer der afghanischen Milizen (Salam Yosofzai, l.)

          Und dann kamen Sie auf die Geschichte zwischen einem deutschen Soldaten und seinem afghanischen Dolmetscher.

          Mir war schnell klar, dass ich die afghanische Seite mit erzählen muss. Und ich wollte unbedingt auch vom jungen, heutigen Afghanistan erzählen. Alles andere ergab sich durch meine Recherchereisen, bei denen ich vor Ort mit Soldaten unterwegs war.

          Das klingt so abstrakt. Ist es nicht leichter, von etwas zu erzählen, das man kennt? Sie haben sich lauter Sachen ausgesucht, die Sie nicht aus eigener Anschauung kannten: Bundeswehr, Afghanistan, noch dazu so eine Männerwelt.

          Das hat mich ja genau gereizt. Es war ein journalistischer Zugang in der Recherche. Ich musste mir diese Welt erst erschließen.

          Das heißt: Am Anfang stand nicht die Idee für eine Geschichte, am Anfang stand ein Thema?

          Der Ausgangspunkt war eine Atmosphäre, die ich mir vorgestellt habe, die sich dann im Laufe der Recherche noch mal ganz stark gewandelt hat. Vor allem durch meine erste Reise nach Afghanistan.

          Wie geht das, so eine erste Reise? Wen spricht man da an, oder fährt man da auf eigene Faust hin?

          Eine Freundin kannte jemanden, der für die Bundeswehr gearbeitet hat. Den habe ich zum Interview getroffen, und er hat gesagt, ich erklär’ dir jetzt erst mal, wie der Laden läuft. Und dann haben wir Basisarbeit gemacht. Welche Dienstgrade gibt es, solche Sachen. Das war ja für mich eine total fremde Welt. Was heißt BMVg und so weiter.

          Obwohl sein Bruder in Afghanistan gefallen ist, tritt Bundeswehrsoldat Jesper (Ronald Zehrfeld) erneut zum Dienst in dem krisengeschüttelten Land an

          Was heißt BMVg?

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