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„Die Muppets 2“ im Kino : Es ist gar nicht so leicht, grün zu sein

„Die Muppets 2“: Nichtmenschliche Separatisten vor dem Filzpuppen-Referendum Bild: dpa

Prominenz beehrt die Puppen, und die Russen machen auch hier Ärger: Beim Kinofilm „Muppets Most Wanted“ tritt ein gigantisches Star-Ensemble auf, aber der Charme des Originals ist verloren gegangen.

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          Nostalgie zahlt sich im Kino aus, denn die Generation der heute Vierzig- bis Sechzigjährigen stellt die stärksten Besucherjahrgänge. Sie ist zum Beispiel mit den Marvel-Comics aufgewachsen, die seit einem Jahrzehnt auf der Leinwand Furore machen, und sie hat in ihrer Jugend Fernsehserien gesehen, die dank des damals eingeschränkten Programmangebots wirklich alle erreichten: „Star Trek“ zum Beispiel in den sechziger Jahren, aus der seit 1979 dreizehn Kinofilme wurden, oder in den siebziger Jahren die „Muppet Show“, die noch während ihrer Fernsehausstrahlung den Weg ins Kino fand: auch 1979 mit „The Muppet Movie“.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Das war ein hinreißend schlichter Puppenfilm um die Bemühungen der von dem Frosch Kermit angeführten wüsten Vaudeville-Truppe, in Hollywood zu reüssieren, begleitet von einem begeisternden Soundtrack, der seine Krönung in dem von Kermit gesungenen Lied „The Rainbow Connection“ fand, der mittlerweile durch etliche prominente Interpreten zu einem amerikanischen Standard geadelt worden ist.

          Nur bei den Oscars gibt es mehr Prominente

          Die jüngste Adaption des Songs erfolgt jedoch durch einen Ausländer: den Russen Konstantin. Er ist die Nummer eins des weltweiten Verbrechens und deshalb im sibirischen GULag 38B inhaftiert. Nach der Flucht sucht er sich eine neue Identität, und wie es der Zufall will, ähnelt der Superschurke bis auf zwei Details flossengenau dem grundgütigen Kermit. Der erste Unterschied ist ein Muttermal auf der Wange, das sich grün wegschminken lässt, der zweite der starke russische Akzent Konstantins, den der Flüchtling sich durchs Studium von alten „Muppet Show“-Szenen abtrainieren will. Eine, die er sich dazu ansieht, besteht aus Kermits Vortrag von „The Rainbow Connection“. Man schmilzt dahin - leider nur für zehn Sekunden.

          So schlägt „Muppets Most Wanted“, der neue und insgesamt achte „Muppets“-Film die Brücke zum ersten, doch das ist die einzige wirkliche Tiefenbohrung in die Geschichte der Puppentrickserie, die sich der junge britische Regisseur James Bobin erlaubt. Ansonsten setzt er nämlich mit der Handlung unmittelbar das Geschehen aus dem auch schon von ihm inszenierten siebten Film fort, der vor drei Jahren als „The Muppets“ einfach noch einmal das Gleiche erzählt hatte wie schon 1979 „The Muppet Movie“, nur diesmal mit einem menschlichen Staraufgebot in großen und kleinen Rollen, das an Prominenz nur durch die Oscar-Verleihungen übertroffen wird.

          Das ist diesmal wieder so: Es geben sich unter anderen Salma Hayek, Céline Dion, Saoirse Ronan, Lady Gaga, Christoph Waltz, Ray Liotta, Tom Hiddleston, James McAlvoy, Tony Bennett, Stanley Tucci, Danny Trejo und Til Schweiger die Studioklinke in die Hand, und dazu kommen etliche englischsprachige komödiantische Talente, die hierzulande noch nicht berühmt, aber wie etwa der Neuseeländer Jemaine Clement, den man jüngst auf der Berlinale in seiner Vampirgroteske „What We Do in the Shadows“ bewundern durfte, höchst begabt sind. Bei jenen drei Hauptdarstellern, die keine Puppen sind, ist die Besetzung mit Ricky Gervais als durchtriebener Tourneemanager, Tina Fey als knallharte, aber dann doch weichherzige GULag-Aufseherin und Ty Burrell als alteuropäischer Interpol-Fahnder dagegen weitaus weniger spektakulär als beim Vorgängerfilm ausgefallen, der Amy Adams, Chris Cooper und Jason Segel aufgeboten hatte.

          Alberne Nummernrevue

          Schön sind wieder die Musikeinlagen, die allerdings in deutscher Synchronisation viel Charme einbüßen, und einige Slapstick-Einlagen, vor allem im GULag, wo natürlich alsbald der unschuldige Kermit landet. Das Spiel mit den Russland- oder eher: Sowjet-Klischees streift aber auch oft die Grenzen des guten Geschmacks oder überschreitet sie, während die einigermaßen sinnlos von Berlin über Madrid und Dublin nach London tingelnde „Muppet Show“ unter der kriminellen Leitung Konstantins leider gar nichts zu bieten hat, was alte Liebhaber der Serie begeistern oder neue gewinnen könnte.

          „Muppets Most Wanted“ ist eine Nummernrevue, bei der man ständig darauf achtet, keinen Star zu verpassen, der aber jener geniale Rahmen fehlt, die die klassische „Muppet Show“ als Parodie eines abgehalfterten Varietés besaß. Der neue Film parodiert nicht mehr, er albert nur.

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