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Die Kunst des Josef Hader : Erster allgemeiner Verunsicherer

Die Bewohner des Rucola-Bezirks sollten sich vorsehen: Der österreichische Kabarettist und Schauspieler Josef Hader erzählt vom Tod wie kein Zweiter im deutschen Sprachraum - zum Sterben schwarz.

          10 Min.

          Also sprach Helmut Qualtinger: Wenn du ein Publikumsliebling wirst, bist ein Arschloch. Diesem Dilemma zu entrinnen, das ist eine Kunst – zumal in einem Land, das so viele Superstars nicht besitzt, wie es gern besäße. Und Josef Hader ist unzweifelhaft ein Superstar in Österreich. Das hat er in diesem Frühling wieder schmerzvoll erfahren müssen: als er es im Österreichischen Rundfunk mit einem Zitat bis in die Nachrichtensendung ZIB 1, das Äquivalent zur „Tagesschau“, schaffte. Dumm nur, dass Hader gar nicht gesagt hatte, was er angeblich gesagt haben sollte.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Es ging um den Publikumspreis „Romy“, an dessen Verleihung der Kabarettist und Schauspieler nicht teilnahm, wohl aber der Filmregisseur Wolfgang Murnberger („Der Knochenmann“), der sich im Lauf eines Gesprächs zu der Aussage hinreißen ließ, der Hader habe gesagt, was ihn die Organisatoren könnten . . . Die Reporterin hat, obwohl sie Murnberger gegenüber beteuerte, das Aufnahmegerät sei ausgeschaltet, diesen „O-Ton“ dann in die öffentlich-rechtlichen Nachrichtenkanäle eingespeist. Hader hat daraufhin in einem Artikel für das Nachrichtenmagazin „Profil“ die Recherchemethoden des Staatssenders bloßgestellt, indem er beschrieb, wer alles nicht bei ihm angerufen hat, um das Zitat zu verifizieren.

          „Thomas Bernhard hat das viel geschickter gemacht“

          Dieses Skandälchen berührt ein Problem, dem zu entkommen für Hader nicht einfach ist: der permanenten Verfügbarkeit für die Öffentlichkeit. Josef Hader spielt als Kabarettist im deutschsprachigen Raum in der ersten Reihe, als Schauspieler ist er hochdekoriert, auf der Bühne steht er mit einem Bein in verstiegensten Phantasiewelten und mit dem anderen auf dem Boden des volkstümlich Derben – einen solchen Mann müsste man erfinden.

          „Ein halbes Leben” (2009): Nach zwanzig Jahren wurde der Mörder (Josef Hader) einer jungen Frau gefasst

          Haben Kabarettisten ständig zu allem etwas zu sagen? „Thomas Bernhard hat das viel geschickter gemacht“, sagt ein konzentrierter Hader beim Gespräch in einem seiner Wiener Stammlokale, dem Café Sperl. Als Schausteller mache er ungeniert Werbung für seine Arbeit, „aber wenn ich auf Tournee bin, und man will von mir eine Einschätzung zur Bundespräsidentenwahl, dann habe ich das Gefühl, ich bin soweit Bürger, dass ich dazu Stellung nehmen kann. Wenn die Journalisten aber nur wollen, dass ich ihnen etwas kabarettistisch durchkaue, lehne ich eh alles ab.“

          Ein Ministrant spielt sich frei

          Am 14. Februar des Jahres 1962 wird Josef Hader in Waldhausen im oberösterreichischen Strudengau geboren. Er wächst im nahen Nöchling auf, das liegt schon in Niederösterreich. Auf dem elterlichen Hof hat er heute noch Wohnrecht, aber Landwirt werden wollte er nicht. Die Eltern hatten viel Arbeit und wenig Zeit, also zieht die Großmutter den Knaben groß, zunächst ohne Kontakte zu Gleichaltrigen und deshalb mit einem schwierigen Start in die Schullaufbahn: ein nicht sozialisiertes Kind, übergewichtig, ängstlich, unsportlich. Das ideale Opfer. Ministrant im Alter von sechs Jahren, Angst auch dort, Fehler zu machen, dem Zorn des Pfarrers ausgeliefert zu sein.

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