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Filmfestspiele in Venedig : Alternde Helden und philosophierende Vögel

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Kriegt am Lido schon mal kalte Füße: Die italienische Schauspielerin Luisa Ranieri wird an diesem Mittwoch Abend die Eröffnung der Filmfestspiele moderieren Bild: dpa

An diesem Mittwoch Abend werden in Venedig die 71. Filmfestspiele eröffnet. Auch ein deutscher Beitrag läuft im Wettbewerb um den Goldenen Löwen.

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          Glamour bei den Gästen, düstere Themen bei den Filmen: Wenn an diesem Mittwoch in Venedig das älteste Filmfestival der Welt startet, werden Hollywoodgrößen wie Al Pacino, Ethan Hawke und Jennifer Aniston Glanz in die Lagungenstadt bringen - aber um den Goldenen Löwen konkurrieren Geschichten von Kriegen und der Wirtschaftskrise. Komödien sind dünn gesät.

          Michael Keaton ist wohl der erste Star, der mit dem Wassertaxi über die Lagune kommt: Er präsentiert zum Auftakt der 71. Filmfestspiele von Venedig „Birdman or the Unexpected Virtue of Ignorance“ des mexikanischen Regisseurs Alejandro González Iñárritu. Im ersten der zwanzig Wettbewerbsbeiträge mimt Keaton einen alternden Schauspieler, der in der Rolle des Superhelden Berühmtheit erlangte und jetzt mit einem Broadway-Stück an alten Ruhm anknüpfen möchte.

          Im Krieg

          Viele der 55 gezeigten Filme, 54 davon Weltpremieren, reflektieren „einen Augenblick, in dem das Gespenst des Krieges dramatisch wiederaufersteht“, sagte Festivaldirektor Alberto Barbera im Juli bei der Vorstellung der Auswahl in Rom. Dazu zählt „Good Kill“ des Neuseeländers Andrew Niccol („Truman Show“), in dem Hawke einen Drohnen-Operator in Afghanistan darstellt - aber auch „The Cut“ von Fatih Akin: In seinem Film sucht ein Überlebender der Massenvertreibungen und -Ermordungen von Armeniern nach seinen Töchtern. David Oelhoffens „Loin des hommes“ schließlich handelt vom Algerien-Krieg - mit „Herr der Ringe“-Star Viggo Mortensen in der Rolle eines Lehrers.

          Zu den fünf amerikanischen Filmen im Wettbewerb zählt David Gordon Greens „Manglehorn“ mit Al Pacino als ehemaliger Häftling und Schlosser sowie Ramin Bahranis Drama „99 Homes“ über einen Vater, der nach der Zwangsräumung um sein Haus kämpft. Starke Präsenz zeigt Frankreich mit vier Filmen, darunter „La Rançon de la Gloire“ von Xavier Beauvois: Der Film basiert auf einer wahren Geschichte von zwei Männern, die den Diebstahl von Charlie Chaplins Sarg in der Schweiz planen.

          Auf einem Zweig

          Für Italien zeigt Francesco Munzis „Anime Nere“ die kalabrische Mafia als globalen Kokainschmuggler, während Saverio Costanzos „Hungry Hearts“ in Brooklyn von extremen Essstörungen handelt.

          Schon jetzt beschäftigen sich die Kritiker mit dem einzigen Spielfilm-Debüt im Wettbewerb, dem türkischen Film „Sivas“ von Kaan Müjdeci über einen Jungen, der sich mit einem streunenden Hund anfreundet. Fans von Joshua Oppenheimer werden gespannt sein auf „The Look of Silence“, in dem Überlebende des Genozids in Indonesien den Mördern ihres Bruders gegenübertreten - die Fortsetzung von Oppenheimers gefeiertem „The Act of Killing“ (2012) ist der einzige Dokumentarfilm des Wettbewerbs.

          Aus Japan präsentiert Shinya Tuskamoto „Fires on the Plane“, ein Horrorszenario aus dem Dschungel vom Ende des Zweiten Weltkriegs, und Xiaoshaui Wang aus China sorgt mit der Stalking-Story „Red Amnesia“ für Nervenkitzel. Degegen könnte wenigstens die schwedische Komödie „A Pigeon Sat on a Branch Reflecting on Existence“ von Roy Andersson über zwei Handelsreisende mit Weltschmerz für Entspannung sorgen.

          Am Rande

          Außerhalb des Wettbewerbs läuft die Komödie „She’s Funny That Way“ des amerikanischen Regisseurs Peter Bogdanovich mit Owen Wilson und Aniston sowie die vierteilige Serie „Olive Kitteridge“ der amerikanischen Filmemacherin Lisa Cholodenko mit Bill Murray.

          Gespannt sind Filmfans auch auf „The Humbling“ von Barry Levinson mit Pacino als Schauspieler mit Selbstmordabsichten, sowie „The Sound and the Fury“ des amerikanischen Frauenschwarms James Franco. Für seinen Beitrag zum zeitgenössischen Kino erhält Franco zudem den Jaeger-LeCoultre Glory to the Filmmaker Award.

          Den Vorsitz der internationalen Jury hat der französische Filmkomponist Alexandre Desplat (“The King’s Speech“ und „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“). Verliehen wird der Goldene Löwe am 6. September.

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